STRATEGIE10. September 2020

IOTA – Das Maschinenzeitalter hat begonnen: Was M2M für Zahlungssysteme, Banken & PSPs bedeutet

Das Maschinenzeitalter hat bereits begonnen. Traditionelle Zahlungssysteme wurden für Menschen gebaut, nicht für Maschinen. IOTA ist eine vielversprechende Plattform für effiziente M2M-Zahlungen und das Maschinenalter. Es gibt mehrere interessante IOTA-Ökosystemprojekte und schnell wachsende Patentanmeldungen. Die Kryptowährung IOTA ist immer noch eine sehr riskante Investition, aber mit großem Potenzial. Die IOTA-Stiftung sollte sich auf Projekte und Aktivitäten konzentrieren, die das Wachstum von M2M / IoT-Zahlungen und -Volumen im Auge behalten.

Von Frank Schwab

Schon viele Jahre gibt es deutlich mehr Maschinen als Menschen auf dieser Erde. Inzwischen sind sogar mehr als 20 Milliarden Maschinen mit dem Internet verbunden. Und diese Maschinen reden bereits miteinander. Alarmanlagen melden sich bei Einbrüchen bei der Polizei, Feuermelder bei der Feuerwehr oder Blutdruckgeräte bei ärztlichen Notdiensten. Auch unsere Lastschriften für die Miete, unsere Netflix-Abonnements und unsere Stromkosten buchen selbstständig monatlich von unseren Konten oder Kreditkarten feste oder variable Beträge ab.

Frank Schwab

Mit Amazon Dash Replenishment gibt es eine erste Plattform, mit deren Hilfe unsere Drucker selbstständig Toner und unsere Waschmaschinen neues Waschpulver nachbestellen können – ohne unser menschliches Eingreifen. Man spricht hier auch vom „Internet der Dinge“ (IoT). Bereits im Jahr 2025 wird es viermal so viele miteinander verbundene Maschinen wie Menschen geben. Das Maschinenzeitalter hat also bereits begonnen. Doch wir stehen erst ganz am Anfang dieser Entwicklungen.

Traditionelle Zahlungsverkehrssystem wurden für Menschen gebaut, nicht für Maschinen

Warum müssen beispielsweise Straßenlaternen die ganze Nacht leuchten, wenn sich keine Menschen in der Nähe aufhalten? Und warum muss die Allgemeinheit dafür zahlen? Es wäre doch viel besser, wenn Straßenlaternen nur dann leuchten, wenn das Licht auch tatsächlich benötigt wird.

Ein IOAT-Case: Wer zahlt wann für Straßenbeleuchtung?
mulderphoto/bigstock.com
Und es wäre fair, wenn nur diejenigen dafür bezahlen, die das Licht nachts auch in Anspruch nehmen und nicht jeder mittels Steuerumlagen. – Die entsprechenden Sensortechniken, um das Straßenlaternen-Szenario zu ermöglichen, gibt es bereits. Bleibt unter anderem die Frage: lässt sich ein derartiges Szenario mit den heutigen Zahlungsverkehrssystemen überhaupt effizient umsetzen? Können Menschen und Autos nachts eindeutig erkannt und der zugehörige Lichtverbrauch effizient abgerechnet werden? – Eher nicht.

Autor Frank Schwab
Frank Schwab ist Mitbegründer des Frankfurter FinTech Forum, Mitglied des Board of Directors der Gulf International Bank in Bahrain, Mitglied des Risk Advisory Committee bei PayU in Amsterdam und Investor in Kryptowährungen und europäische FinTech-Startups. Seine Hauptinteressen sind neue Ideen, Kreativität, Innovation, Technologie und Banking. Zuvor war er Geschäftsführer der GIZS (paydirekt / Sparkassen), CEO der Fidor TecS AG, Chairman von Hufsy in Kopenhagen, Senior Advisor bei McKinsey & Company, Mitglied des Technology Advisory Board der Sberbank in Moskau und Director of Innovation bei der Deutschen Bank. Frank Schwab hat auch mehrere Jahre als Dozent für Kreativitäts- und Innovationsmanagement an der Mannheim Business School unterrichtet.

Traditionelle Zahlungsverkehrssysteme wurden für Menschen gebaut, nicht für Maschinen und berechnen Kosten von wenigen Eurocent bis hin zu vielen Euro – abhängig von der jeweiligen Transaktionsart (Überweisung, Lastschrift, internationale Zahlung, Kreditkartenzahlung, …).“

Zurück zum Straßenlaternen-Szenario. In den meisten Fällen werden die jeweiligen Kosten für den Verbrauch sehr niedrig sein – im Eurocent Bereich oder gar Bruchteile eines Eurocents. Allein die Kosten für die Abrechnung übersteigen dann den Verbrauch. Für ein derartiges Szenario braucht es also ein neues Zahlungsverkehrssystem mit deutlich geringeren Transaktionskosten als die heutigen Systeme. Und genau hier setzen einige neuartige Krypto-Plattformen an, die auf Maschine zu Maschine (M2M) Bezahlungen spezialisiert sind.

IOTA – eine Plattform für effiziente M2M Zahlungen und das Maschinenzeitalter

Ein herausragendes Beispiel dafür ist IOTA. IOTA hat sich zum Ziel gesetzt, das Internet der Dinge mit sicherem Daten- und Werteaustausch zu verbinden. Die zugehörige Kryptowährung kommt gemäß coinmarketcap.com auf eine Marktkapitalisierung von über einer Milliarde US Dollar.

Rein technisch handelt es sich bei IOTA nicht um eine Blockchain-Anwendung, sondern um den sogenannten IOTA Tangle – einen gerichteten azyklischen Graphen. IOTA ist auch noch nicht komplett dezentral organisiert. Aktuelle Weiterentwicklungen wollen die IOTA-Plattform komplett dezentral gestalten. Allerdings finden sich bei IOTA bekannte Kernelemente für zukünftige Banking-Plattformen wie Knotensoftware zum verteilten Betrieb, eine Wallet-Software für die Verwahrung der Werte (MIOTA), Entwickler-Tools für den Bau von Anwendungen und ein Ökosystem für die Organisation und zum Ausbau der Community.

IOTA Tangle
Frank Schwab

Aktuell fallen bei IOTA keinerlei Transaktionskosten an, was die Plattform ideal für M2M-Zahlungen macht. Das hat offensichtlich bereits einige Startups und Forschungsabteilungen großer Unternehmen dazu inspiriert, neue Lösungen auf Basis IOTA zu entwickeln.

Ein vielversprechendes Frühphasenprojekt für das IOTA-Ökosystem ist beispielsweise Espiota. Das deutsche Espoita-Team entwickelt ein Mikrozahlungsgerät, das auf das Empfangen und Senden von IOTA spezialisiert ist, um die vollständige Kontrolle über den Zeit- und Energieverbrauch von Geräten zu erlangen.

Frank Schwab

Auch Jaguar Land Rover entwickelt bereits Prototypen mit IOTA. Autofahrer, die beispielsweise Daten zu Schlaglöchern und Staus teilen, sollen dafür mit IOTA Tokens belohnt werden. Auch die Abwicklung von Carsharing kann mit IOTA organisiert werden. Und eine mit dem Fahrzeug verbundene IOTA Geldbörse („Wallet“) kann Strafzettel, Parkscheine oder das Nachladen von Batterien völlig automatisiert bezahlen.

Das innovative Projekt „Society2“ arbeitet an der nächsten Generation der dezentralen sozialen Medien. Hauptmerkmale sind unter anderem der Schutz der Privatsphäre, Eigentum an den eigenen Daten und digitale Identität. Dabei erweitert Society2 die IOTA-Plattform so, dass es als Werkzeugkasten für Standardfunktionen für soziale Medien dient.

Interessante IOTA Ökosystem-Projekte und rasant wachsende Patentanmeldungen

Auf der IOTA Foundation Ökosystem Webseite finden sich weitere interessante Projekte. Und auch die Zahl der Unternehmen, die in ihren Patentanmeldungen auf IOTA verweisen, wächst rasant. Bereits im August 2020 nehmen mehr als 195 Patentanmeldungen Bezug auf IOTA. Darunter befinden sich namhafte Unternehmen wie Siemens, Bank of America, Alibaba, Sony, Daimler, Deutsche Telekom, Ford, Bosch und Intel.

195 IOTA-Patente
Frank Schwab

Unter anderem hat die Bank of America im Juli 2020 ein US Patent auf verteilte Ledger-Pass-Through-Verarbeitung für Konsortialkredite angemeldet. T-Mobile USA referenziert in seiner Patentanmeldung „Bereitstellen von Edge-Geräten als Rechenknoten in einem Mobilfunk-Blockchain-Netzwerk“ auf IOTA. Und Medici Ventures hält in seiner Patentanmeldung „Kontextbasierte Filterung innerhalb von Teilmengen von Netzwerkknoten bei der Implementierung eines Handelssystems“ IOTA für eine geeignete Plattform.

Die Kryptowährung IOTA ist noch eine sehr riskante Investition, jedoch mit großem Potenzial

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und hohe Gewinnaussichten bergen meist auch hohe Risiken. Diese Weisheiten treffen aus meiner Sicht auch auf die Kryptowährung IOTA zu.

IOTA-Bewertung
Frank Schwab

Entlang der acht Dimensionen „Mensch“, „Technologie“, „Werkzeuge“, „Börsen“, „Finanzen“, „Geschäftsmodell“, „Marktpotenzial“ und „Vertrieb“ habe ich in den vergangenen Wochen IOTA bewertet. Dabei komme ich auf meiner Bewertungsskala (von 1 bis 5) auf einen Wert von 3,25. Der Werte 5 bedeutet „sehr attraktiv“, 4 „attraktiv“, 3 „neutral“, 2 „nicht attraktiv“ und 1 „sehr unattraktiv“. IOTA gibt aktuell noch ein sehr uneinheitliches Bild ab. Also nichts für schwache Nerven, eher geeignet für Enthusiasten.

Aus meiner Sicht steht und fällt die Zukunft der IOTA-Plattform und die zugehörige Kryptowährung mit der wachsenden Anzahl der M2M/IoT Transaktionen und dem M2M/IoT Volumen. Vor diese beiden Key Perfomance Indikatoren (KPIs) geben objektive, messbare und transparent Hinweise auf die tatsächliche Nutzung und den Nutzen für die verschiedenen IOTA Projekte und Initiativen.

Die IOTA Foundation sollte deshalb ihren Fokus auf Projekte und Aktivitäten legen, die das Wachstum von M2M/IoT Zahlungen und Volumen fest im Blick haben.“

Frank Schwab
 
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