INTERVIEW13. April 2021

Mehrwerte für Banken & Versicherer: „Wir schließen eine Lücke – in einem Markt, der riesig ist“

Innovative und von Kunden nachgefragte Zusatzservices wie digitale Sicherheitslösungen, Reiseservices oder Mobilitätsdienste sind nur als mögliche Zukunftsprojekte in den Beyond-Banking-Plänen verzeichnet. Der Grund: Es scheitert oft an fehlenden Schnittstellen. Das Hamburger FinTech Etvas (Website) hat nun eine Plattform entwickelt, die Mehrwertdienste zu Bank- und Versicherungs-Kunden bringt und über eine einzige API genutzt werden kann. Etvas-Gründer Sören Timm und Ilie Ghiciuc im IT Finanzmagazin-Interview.

Sören Timm, FinTech Etvas
Sören Timm, Etvas-Gründer Etvas

Herr Timm, Sie behaupten, Etvas sei einzigartig. Warum?

Die von uns entwickelte B2B2C-Plattform funktioniert wie ein Konfigurator für alle erdenklichen Zusatzservices einschließlich Versicherungen, Garantieverlängerungen oder ähnliche Produkte. Über eine einzige Schnittstelle können wir sämtliche Anbieter von Mehrwertservices mit den Kunden von Banken, Versicherungen, Onlineshops oder Mobilfunkanbietern verbinden. Der Kunde erhält somit ein sehr nutzerfreundliches Angebot mit hohem Mehrwert, das nahtlos in die Produktwelt bzw. die Online-Präsenz der Bank integriert ist. Hinter diesem Fullservice-Angebot steht ein technologisch äußerst anspruchsvolles Produkt, das als Cloud-Lösung aber leicht skalierbar ist.

Ilie Ghiciuc: Viele Anbieter vertreiben eigene Produkte über Apps und Webseiten, dies geschieht jedoch immer in einer geschlossenen Umgebung. Wir führen dagegen viele unterschiedliche Zusatzservices auf nur einer Plattform zusammen.

Eine vergleichbare Lösung gibt es nach unseren Recherchen und unserer Marktkenntnis derzeit nirgendwo sonst, auch nicht in den USA.“

Wir schließen eine Lücke – in einem Markt, der riesig ist und in der EU bei jährlich 30 Milliarden Euro liegt.

Was ist denn ganz konkret der Mehrwert für Ihre Geschäftspartner, also Banken und Versicherer?

Sören Timm: Sie heben sich in einem hochintensiven Wettbewerbsumfeld mit attraktiven Services von ihren Konkurrenten ab, erhöhen die Kundenbindung und erzielen zusätzliche Erträge – und das alles ohne Mehraufwand. Wir haben die Plattform so aufgestellt, dass sie sich so leicht bedienen lässt wie ein Baukasten: Die Suche nach den Service-Partnern entfällt ebenso wie deren Integration in die eigene IT. Finanzdienstleister können neue Angebote für ihre Endkunden also in wenigen Minuten aktivieren. Dafür loggen sie sich in unsere Plattform ein, wählen den gewünschten Service sowie die Laufzeit und bestimmen den Verkaufspreis – schon geht’s los und die neuen Zusatzservices sind für den Endkunden freigeschaltet. Die Bezahlung erfolgt einfach und kostenreduziert mit unserer „Single Sign On“- und „Single Payment“-Technologie.

Illie Ghiciuc, FinTech Etvas
Illie Ghiciuc, Etvas-GründerEtvas

Ilie Ghiciuc: Die Finanzdienstleister entscheiden dabei, wie sie unseren Marktplatz einbinden. Sie können nur unsere Plattform nutzen ohne irgendeinen Service – und diese komplett selbst bespielen als White-Label-Portal, dann sind wir im Bereich „Software as a service“. Sie können aber unsere Plattform auch in ihr Online-Banking integrieren, um für ihre Kunden hochgradig angepasste Kundenerlebnisse im eigenen Look and Feel zu entwickeln.

Die Einbindung neuer Services in unseren Marktplatz ist spielend einfach für alle Partner. Und natürlich können auch die Wunsch-Servicepartner von Banken und Versicherungen innerhalb eines Tages in die Plattform integriert werden.

Das ist recht nebulös. Konkret – was für Zusatzleistungen bieten Sie denn bisher an?

Sören Timm: Wir haben uns in der ersten Phase auf diverse Sicherheitslösungen fokussiert – beispielsweise eine digitale Alarmanlage, die Identitätsdiebstahl und Datenmissbrauch verhindert, oder Produkte zum Schutz vor dem Verlust des Handys, Schlüssels oder anderer wichtiger Gegenstände. Auch die Kontrolle digitaler Daten bzw. das erwünschte Löschen von sensiblen Daten ist über unsere Services möglich. Insgesamt bieten wir im Bereich Sicherheit bereits zwölf verschiedene Lösungen an.

Unser Marktplatz wird in hohem Tempo ausgebaut und in den kommenden 18 Monaten wollen wir 30 bis 50 weitere Dienstleistungen in Bereichen wie Mobilität oder Gesundheit integrierten.“

Mit unseren Services können Finanzdienstleister zu wertvollen Helfern im Alltag ihrer Kunden werden.

Ilie Ghiciuc: Und zwar passgenau abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse sowie die konkrete Situation. Die Kunden sind anspruchsvoller geworden. Sie achten nicht nur auf den Preis, sie wollen auch den perfekten Service – und das in einer sicheren, digitalen Umgebung.

Welche Services und Anbieter nehmen Sie auf?

Sören Timm: Wir kennen den Markt der Dienstleistungen, durchsuchen hunderte Angebote und prüfen diese genau, bevor wir Service-Partner-Verträge abschließen und die Anbieter auf unserer Plattform integrieren. Natürlich achten wir auf den Track-Record der Unternehmen und identifizieren die seriösen und vertrauenswürdigen Unternehmen. Idealerweise ergänzen sich alle Servicepartner und Nutzer untereinander, wir orchestrieren und moderieren dann diesen Dialog.

Welche Trends beobachten Sie aktuell bei den Zusatzservices?

Sören Timm: Bei den Versicherungen zeichnet sich eine Entwicklung weg vom reinen Schadensmanager hin zum lebenslangen Partner ab. Ziel ist es, vorbeugend zu arbeiten und Schäden zu vermeiden. Ein Beispiel:

Wenn Sie eine Fahrradversicherung abschließen, bekommen Sie Rabatt, falls Sie vorher ein GPS-Tracking installieren. So werden Schäden deutlich verringert.“

Bei Banken liegen Non-Banking-Produkte im Trend, da die Institute zunehmend Probleme haben, in ihrem Kerngeschäft Geld zu verdienen. Wenn Banken jedoch solche Zusatzservices anbieten, ist es für sie oft schwer, entsprechende Partner zu finden und diese technologisch in die eigene Produktwelt zu integrieren. Das bedeutet in der Customer Experience, dass es oft zu Mehrfachanmeldungen kommt oder verschiedene Zahlungen notwendig werden.

Hamburger FinTech Etvas

Ilie Ghiciuc – Gründer von Etvas (Website) – hat mehr als 17 Jahre Erfahrung als CTO und IT-Unternehmer. Bereits während seines Studiums hat er das niederländische Ideal-Payment-Protokoll mitentwickelt und seitdem an über 150 IT-Projekten weltweit für Großunternehmen und Start-ups mitgewirkt. An dem von ihm gegründeten Unternehmen Thinslices ist er weiterhin beteiligt.

Sören Timm – Gründer von Etvas (Website) – hat seit über 20 Jah­ren Füh­rungs­po­si­tio­nen im Fi­nanz­dienst­leis­tungs­be­reich in­ne. Bei der Roy­al Bank of Scot­land war er mit­ver­ant­wort­lich für das Gro­ßkun­den­ge­schäft und im er­wei­ter­ten Vor­stand der GE Mo­ney Bank küm­mer­te er sich um das Pro­dukt­ma­nage­ment. Für die eng­li­sche CPP Group bau­te er zu­dem als Ma­na­ging Di­rec­tor und Coun­try CEO den Be­reich Zu­satz­ser­vices für Si­cher­heits­pro­duk­te auf.

Sehen Sie denn überhaupt Bewegung bei Banken und Versicherern für solche Mehrwertdienste?

Sören Timm: Der Markt ist sehr verteilt, die Margen sind hoch, dadurch gibt es bisher wenig Bewegung in der Branche. Für Endkunden bedeutet das bislang oft, dass sie Zusatzservices nur in einem kompletten Paket erhalten – egal ob sie die darin enthaltenen Dienstleistungen benötigen oder nicht, sie zahlen für alles.

Fürchten Sie Nachahmer? Die werden doch bestimmt schnell am Start sein.

Ilie Ghiciuc: Das sehen wir entspannt, denn wir haben uns einen großen technologischen Vorsprung erarbeitet. Einen zweiseitigen Marktplatz aufzubauen, bei dem alles auf einer Plattform stattfindet, ist die Königsdisziplin der Software-Entwicklung. Wir bieten von der Integration neuer Services über das Matching in der Mitte bis hin zum Ausspielen über feste Schnittstellen in Apps, Online-Webseiten oder White-Label-Plattformen das komplette Management mit nur einer Software. Das soll uns erst mal einer nachmachen.

Sören Timm: Wir sind ganz klar die Pioniere. Bevor wir in die Seed-Runde gegangen sind, haben wir bereits knapp 3.000 Entwickler-Manntage selbst finanziert. Auch dadurch konnten wir den namhaften Investoren, die übrigens alle aus dem Finanzdienstleistungsbereich kommen, eine schon fast fertige Plattform präsentieren.

Zum Abschluss eine Frage zu Ihrem Unternehmensnamen: Wofür steht eigentlich ‚Etvas‘?

Sören Timm: Die Buchstaben „vas“ stehen für „value added services“ und „et“ für „et cetera“. Das ist nicht nur einprägsam, sondern beschreibt auch unser Geschäft, denn Etvas bietet viele verschiedene Mehrwertdienstleistungen an.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.aj

 
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