STRATEGIE22. November 2019

Open Banking; Cui bono – wem nützt es?

Open Banking
Unitone Vector/bigstock.com

In seinem neusten Artikel fordert André Bajorat von den Banken nicht nur die PSD2 umzusetzen, sondern in Richtung eines viel weiteren Open Banking zu gehen. Dabei schoss mir sofort „Cui bono – wem nützt es“, diese Frage stellte Cicero schon im Jahr 80 v. Chr., durch den Kopf. Die Erwiderung 

von Rudolf Linsenbarth

Beim Open Banking geht es um das Aufbrechen von Silos. Bei so einem Prozess sehe ich drei Parteien, den Silo-Betreiber, den Kunden, dessen Daten dort sind, und den Enabler, der diesen Daten einen „Mehrwert“ gibt. Der Zugriff auf diese Daten außerhalb des von dem Silo-Betreiber vorgesehenen Zweckes erfolgt entweder durch technischen Fortschritt oder durch regulatorische Eingriffe oder beides.

Im Fall der PSD2 war es zuerst die Technologie (FINTS und ScreenScraping) und danach der Regulator. Die Intention war, zum Vorteil des Kunden neue Geschäftsmodelle und mehr Wettbewerb zu erzeugen.

Die Bank wird Geschäft abgeben müssen

Stellen wir jetzt mal beiseite, dass die PSD2 an einigen Stellschrauben noch nachjustiert werden muss. Ich sehe hierbei vor allem das Thema SCA (Strong Customer Authentication). Denn so wie es augenblicklich umgesetzt ist, sind zumindest einige der Use Cases, die ich im Kopf hatte, nicht oder nur sehr schlecht möglich. Wenn das aber geschehen ist, hat der Kunde wahrscheinlich den Wettbewerb, den der Gesetzgeber sich vorgestellt hat und dann nützt es ihm auch. Der Silo-Betreiber (die Bank) wird dabei aber wahrscheinlich Geschäft abgeben. Wenn die Banken sich aber clever in die Rolle eines Enablers versetzen, werden sie auch partizipieren können.

Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mo­bi­le Pay­ment, NFC, Kun­den­bin­dung und di­gi­ta­ler Iden­ti­tät. Er ist seit über 15 Jah­ren in den Be­rei­chen Ban­ken, Con­sul­ting, IT und Han­del tä­tig. Lin­sen­barth ist pro­fi­lier­ter Fachautor und Praktiker im Fi­nanz­be­reich und kom­men­tiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.
Warum sie sich aber über das von der PSD2 geforderte Maß hinaus noch in Richtung Open Banking öffnen sollten und welche Vorteile sie davon haben, erschließt sich mir auf den ersten Blick nicht. Aber vielleicht hilft dabei ein Blick auf eine andere Branche, den Handel.

Hier gibt es auch ein riesiges Daten-Silo, das der Handel wie einen Goldschatz hütet. Die Warenkörbe seiner Kunden. Ein digitaler Kassenbon wäre für die Endkunden natürlich ein Segen und dazu ein großes Plus für die Umwelt (Thermopapier ist um ein Vielfaches schädlicher für die Umwelt als Plastik). Aber der Handel sieht für sich zurzeit mehr Nachteile als Vorteile. Von daher gibt es hier keine Bewegung.

Anders sähe es aus, wenn relevante Player mit einer Öffnung beginnen würden. Aber vielleicht hat das ja schon begonnen. Im Internet habe ich einen digitalen Kassenbon, den man technisch relativ einfach in einer zentralen Anwendung konsolidieren kann. Wenn aus dieser Richtung der Druck steigt und nur dann, wird aus der Konvenienz ein Muss.

Also digitaler Kassenbon und Open Banking werden dann von den Silobetreibern gelebt, wenn gilt:

The business case of the specific use case, is to stay in business!“

Bis dahin wird aber noch etwas Zeit vergehen.Rudolf Linsenbarth

 
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