FINTECH19. Juli 2021

Payhawk-Ausgaben­management als White-Label für Banken – das IT-Basics-Interview mit Hristo Borisov

Payhawk Co-Gründer Hristo Borisov
Payhawk Co-Gründer Hristo BorisovPayhawk

Payhawk digitalisiert das Ausgaben­management für Unternehmen. Vor wenigen Wochen hat das FinTech 20 Millionen Dollar von Investoren wie QED, Earlybird und Eleven eingesammelt und expandiert nun in den deutschen Markt. Co-Gründer Hristo Borisov erläutert im IT-Basics Interview das Tech-Fundament der Plattform.

Herr Borisov, wer sind Ihre Kunden?

Unsere Kunden sind vorwärts denkende KMUs und Organisationen, die ein hohes Maß an Effizienz und Automatisierung im Bereich der Unternehmensausgaben etablieren wollen. Sich auf traditionelle Banken zu verlassen, um die Unternehmensausgaben über verschiedene Regionen, Kostenstellen, Projekte und Teams hinweg zu verwalten, ist eine mühsame Angelegenheit.

Wir bedienen derzeit Kunden aus 23 Ländern, von kleinen Unternehmen bis hin zu großen Firmenkunden wie ATU und LuxAir.

Um den fragmentierten Payments-Bereich weiter zusammenzuführen, arbeiten wir mit Banken zusammen und bieten auch White-Label Lösungen an.“

Die meisten unserer Kunden haben gerade ihr Geschäft in Bezug auf Mitarbeiter und Verfügbarkeit erweitert und benötigen eine handlichere Möglichkeit, ihre Unternehmensausgaben zu verwalten.

Wie werden Ihre Produkte entwickelt? Wie sieht der Prozess aus?

Wir beginnen immer mit Rapid Prototyping. Unser PM- und UX-Team erstellt eine große Anzahl von Prototypen, die wir mit Kunden validieren, um sicherzustellen, dass unser Produkt lebensfähig ist, bevor wir technische Ressourcen investieren.“

Sobald wir von einem Prototyp überzeugt sind, liefern wir ein Minimum Viable Product, das wir in unserer Live-Umgebung für eine kleine Anzahl von Kunden freigeben. Erst wenn wir von den Funktionen und der Qualität überzeugt sind, machen wir diese dann allgemein verfügbar.

Wie entscheiden Sie, was als nächstes entwickelt werden soll?

Wir hören auf unsere Kunden und versuchen strategisch wichtige Funktionen mit unmittelbaren Anfragen unter einen Hut zu bekommen. Wir haben für jedes Quartal High-Level-Planungen mit bestimmten Themen und Schwerpunkten und versuchen dabei auch, die unmittelbaren Kundenherausforderungen im Blick zu haben.

Hristo Borisov, CEO Payhawk
Payhawk-Ausgaben­management als Whitel-Label für Banken - das IT-Basics-Interview mit Hristo BorisovHristo Borisov gründete im Juli 2018 gemeinsam mit Boyko Karadzhov das FinTech-Unternehmen Payhawk (Website). Zuvor entwickelte Hristo als Product Director beim US-Softwareunternehmen Progress eine auf KI-Technologien basierende Plattform, die Chatbots entwickelt. Payhawk beschäftigt derzeit rund 40 Mitarbeiter in Berlin, London, Barcelona und Sofia, die Kunden in 23 Ländern auf der ganzen Welt betreuen.

Welche Programmiersprachen und Tools setzen Sie ein?

Wir verwenden NodeJs mit Typescript. Alle Teile der Anwendung werden in Docker-Images kompiliert und in einem Kubernetes-Cluster orchestriert.“

Wie sehr setzen Sie auf Automatisierung?

Unser Entwicklungsprozess ist weitgehend automatisiert. Jede Änderung im Code wird automatisch auf unserer Staging-Umgebung bereitgestellt, nachdem die Tests bestanden wurden. Sobald wir die Benutzerakzeptanztests durchgeführt haben, stellen wir alles mit einem Klick in unsere Live-Umgebungen ein.

Wie entwickeln Sie Ihre Produkte – Wasserfall, agil, usw.?

Wir arbeiten agil und sehr dynamisch. Unser Sprint beträgt zwei Wochen. 80 % der Zeit verwenden wir für die Planung, der Rest ist für Ad-hoc-Aufgaben vorgesehen.“

Welche Technologien setzen Sie ein? Wie sieht es z. B. mit dem Einsatz von KI aus?

In punkto Technologien haben wir eine relativ konservative Herangehensweise. Wir haben den Anspruch an uns selbst, stets die einfachsten Lösungen für die komplexesten Probleme zu finden. Grundlegende Mathematik, Algebra und Statistik sind die Bausteine unseres Systems. Unsere hauseigene KI hat einen höheren Komplexitätsgrad, aber es ist nicht schwer, ihre Mechanik zu verstehen, wenn man sich erst einmal mit ihr beschäftigt hat.

Nutzen Sie Cloud-Lösungen (AWS, Azure & Co.) – und warum?

Wir nutzen Cloud-Dienste. Das ermöglicht uns eine schnelle Skalierung und reduziert unseren eigenen DevOps-Aufwand erheblich.

Wie gewährleisten und testen Sie die Sicherheit Ihrer Systeme?

Das Allerwichtigste ist eine gute Schulung der Mitarbeiter. Der menschliche Faktor ist ein essentieller Faktor beim Aufbau einer robusten Sicherheitsinfrastruktur. Außerdem haben wir strenge interne Verfahren, verfügen über umfassende Audit-Protokolle und führen externe Schwachstellenprüfungen und regelmäßige Penetrationstests durch.

Gibt es bestimmte Hardware-Aspekte, die berücksichtigt werden müssen?

Es gibt verschiedene Anforderungen an die Hardware in Bezug auf die Sicherheit. Eingeschränkter physischer Zugang, kontrollierte Netzwerkkonnektivität und vieles mehr. Wir nutzen Cloud-Dienste und überprüfen jährlich, ob alle Anforderungen von unseren Providern erfüllt werden.

Über welche Schnittstellen verfügt das System und wie ist es mit den Kernbankensystemen verbunden?

Wie alle Neobanken arbeitet auch Payhawk mit Infrastrukturbanken zusammen, die über die notwendigen Lizenzen und regulatorischen Anforderungen verfügen, um in den Regionen unserer Kunden tätig zu sein.“

Wir bieten die Ausgabe von physischen und virtuellen Visa-Corporates an, die an dedizierte IBAN-Konten für jeden Kunden gebunden sind. Im Gegensatz zu anderen Anbietern im Bereich Spesenmanagement, bieten wir die direkte Zahlung von Rechnungen mit SEPA Instant und Faster Payments kostenlos an. Dies macht es extrem einfach, Mitarbeiter zu entschädigen, Lieferanten zu bezahlen und sämtliche Ausgabendaten sicher an einem Ort zu halten.

Ein Blick in die Zukunft – welche Technologie wird in fünf Jahren den größten Einfluss auf Ihr Unternehmen haben – in was werden Sie investieren?

Den größten Einfluss sehe ich bei den neuen Möglichkeiten, die sich aus verbesserten Zahlungsschienen und fortschrittlicher Payment-Infrastruktur ergeben. Die Welt des Zahlungsverkehrs ist immer noch ein sehr disparater Ort.“

Neue Währungsformen und Zahlungsmethoden, die für eine digitale Welt entwickelt wurden, haben sehr großes Potenzial und bieten viele Möglichkeiten.

Herr Borisov, vielen Dank für das Interview!aj

 
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