STRATEGIE16. Oktober 2017

PSD2 und Screen Scraping: Mehr Sachlichkeit, weniger Lagerdenken – der Kunde sollte im Mittelpunkt stehen

Martin Schmid, CCO und Gründer FinTecSystemsFinTecSystems

‚Screen Scraping‘ ist zum Reizwort in der Debatte um PSD2 geworden – und die wird zusehends emotionaler. Beide Seiten fürchten um den Kundenkontakt. Martin Schmid, CCO und Gründer von FinTecSystems, bittet um eine Versachlichung der Diskussion.

Martin Schmid CCO und Gründer von FinTecSystems

Viele, die vor einigen Monaten noch geglaubt haben, die PSD2 wäre Anfang 2018 umsetzungsfertig, reiben sich seit einigen Wochen verwundert die Augen. Eigentlich sollten ab Januar des kommenden Jahres Banken und andere Zahlungsdienstleister die aus der PSD2 entstehenden Vorgaben in die Tat umsetzen. Das hieße, Schnittstellen zur Verfügung zu stellen, damit Drittanbieter (die so genannten Third Party Provider) Kontoinformationen einsehen oder Zahlungen auslösen können. Doch davon ist man Stand heute weit entfernt. Streitpunkt ist das „Screen Scraping“.

Es ist ein kleines technisches Detail, an dem sich aber ein richtungsweisender Streit mit verhärteten Fronten entwickelt hat: Wer erhält auf welche Weise Zugriff auf das Bankkonto?“

Gerade die hitzige Diskussion um die automatisierte Web-Interface-Abfrage zeigt, dass sich Banken und FinTechs offenbar doch nicht so nahe stehen, wie der Kuschelkurs mit zahlreichen Kooperationen der vergangenen Monaten glauben machen wollte.

Screen Scraping seit jeher unbeliebt auf Bankenseite

Tatsache ist: Die automatisierte browserbasierte Abfrage von Kontoinformationen war den Banken schon immer ein Dorn im Auge. Wir kennen diese Diskussion aus eigener, langjähriger Erfahrung, da das Gründungsteam von FinTecSystems aus Mitarbeitern der ersten Stunde bei der SOFORT Überweisung besteht.“

Das ganze Geschäftsmodell von SOFORT Überweisung basiert bekanntlich auf dem Screen Scraping, das nun auch Grundlage einiger FinTech-Angebote ist, und es gab über die Jahre immer wieder Auseinandersetzungen dazu. Es ist aber mehr denn je an der Zeit, die ganze Diskussion zu versachlichen:

Weder droht das große FinTech-Sterben bei einem Screen Scraping-Verbot, noch ist die Sicherheit von Kundendaten gefährdet bei Fortführung der bisher gelebten Praxis.“

Eine kundenorientierte Lösung sollte das Ziel sein

Das wichtigste Ziel muss sein, im Sinne des Kunden eine Lösung zu finden und sich in der Streitfrage auf zentrale Forderungen der PSD2 zu besinnen:
1. einen regulierten Markt zu schaffen, der keinen Teilnehmer benachteiligt und
2. eine regulatorische Sicherheit zu schaffen, die technische Innovationen fördert und die Digitalisierung des Bankensektors vorantreibt.
3. Kunden sollen künftig selbst entscheiden können, wer Zugriff auf das Konto haben soll.

Autor Martin Schmid, FinTecSystems
Martin Schmid bringt mehr als sieben Jahre Erfahrung im Vertrieb mit. Nach seinem Studium war Martin Schmid in verschiedenen verantwortlichen Positionen bei Klarna und SOFORT tätig und war zuletzt als Director Commercial Operations DACH Teil des Management Boards bei Klarna. Bei FinTecSystems ist Martin Schmid für Marketing und Vertrieb verantwortlich.

Der derzeitige Stillstand und das Warten auf die Entscheidung der EU-Kommission in dieser Frage verzögert das Inkrafttreten der PSD2, aber das ist vielleicht auch ganz gut so, denn sonst müssten Banken in wenigen Wochen Drittanbietern einen stabilen Zugang zum Konto ermöglichen. Technisch bedeutet dies die Bereitstellung von Schnittstellen (API).

Aktuell sind diese Schnittstellen (sofern überhaupt vorhanden!) in punkto Leistungsdaten nicht annähernd so performant, wie die derzeit gelebte Praxis der Web-Interface-Abfrage. In punkto Response-Time, Abfragezeit, Datenqualität und Datenumfang kommt derzeit lange nichts an die Direktabfrage heran.“

Innovationsvorsprung durch Kooperation behalten

Ein hartes Verbot des Screen Scrapings würde eine ganze Branche technisch weit zurückwerfen. Das wäre fatal, denn die FinTech-Szene in Deutschland gehört zu den innovativsten und wettbewerbsfähigsten in Europa, wenn nicht sogar weltweit. Diesen Vorsprung würden wir verlieren und das kann nicht im Interesse der Marktteilnehmer sein. Wie kann nun eine Lösung aussehen?

Sollte sich die Europäische Kommission entscheiden, Screen Scraping zu untersagen und damit der Direktzugriff auf das Konto für FinTechs unmöglich werden, müssen die bereitgestellten Schnittstellen der Banken gewisse Performanz-Voraussetzungen erfüllen.

Hier ist die Kooperation zwischen Banken und FinTechs als Know-how-Träger gefragt, schließlich ist das ein klares IT-Thema. Ein möglicher Kompromiss wäre es, Screen Scraping als Fallback-Lösung bestehen zu lassen beziehungsweise als Minimalvoraussetzung eine Übergangsfrist zu schaffen.“

Bis zu dieser Frist hätten Banken dann Zeit, leistungsfähige API bereitzustellen – gemeinsam entwickelt mit FinTech-Anbietern. Das würde das innovationsfreundliche Klima erhalten, die Digitalisierungsentwicklung nicht unterbrechen und neue Mehrwerte für Kunden ermöglichen.

 
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