STRATEGIE2. Mai 2019

Sparda Banken starten Apple Pay über die Hintertür – die Einordnung durch Rudolf Linsenbarth

Rudolf Linsenbarth

Die Meldung im Handelsblatt am 29.04.2019 ließ mich aufhorchen. Zwei der insgesamt 11 Sparda Regionalverbände planen die zeitnahe Einführung von Apple Pay. Im Einzelnen sind dies die Sparda Bank West mit Hauptsitz in Düsseldorf und die Sparda-Bank Baden-Württemberg mit der Zentrale in Stuttgart. Der kritische Blick und die Einordnung

von Rudolf Linsenbarth

Sofort habe ich die mir bekannten Fakten sortiert, denn diese genossenschaftliche Bankengruppe steht nicht so oft im Zentrum der Berichterstattung. Als Erstes kam mir ein Bericht im IT-Finanzmagazin vom Ende letzten Jahres in den Sinn. Dort war von einem Rechenzentrumswechsel die Rede, bei dem die meisten Verbundsteilnehmer nicht mitziehen wollten. Von den insgesamt 11 Regionalverbänden sollen 3 den Schwenk zum IT Dienstleister Fiducia vollzogen haben. Die Rede ist von Berlin, Hannover und Stuttgart.

Ähnlich sieht es beim Kreditkarten Processing aus. Bisher war dafür anscheinend Worldline zuständig. Dem Vernehmen nach sollen die wechselwilligen Verbände ihr Kreditkartenportfolio schon zur Fiducia Tochter VR-Payment verschoben haben oder gerade dabei sein.

Weitere Recherchen ergeben, dass das eigentliche Produkt, mit dem die Düsseldorfer und Stuttgarter Sparda Banken ihre Kunden bedienen wollen, im Wesentlichen der am Markt befindlichen vimPAY Lösung entspricht.

Sparda Bank Tweet
Twitter

Das Ganze soll aber etwas mehr als eine reine Affiliate-Partnerschaft sein.“

Die Kunden der Sparda Bank können die vimPAY-Karten aus ihrer Sparda Banking App heraus aufladen. Was auch die Twittermeldung (rechts) eines Mitarbeiters des Sparda-Rechenzentrums in Nürnberg zu bestätigen scheint.

Bald noch mehr Sparda Banken dabei?

Passend dazu die Presse­meldung der Sparda Bank West. Dort ist sogar die Rede davon, dass auch die Sparda Bank München ebenfalls hinzustoßen wird. Da warten wir die weitere Entwicklung einmal ab.

Wie sind die Entwicklungen um Apple Pay zu bewerten?

Die Sparda Banken hatten im Gegensatz zu den anderen Genossenschaftsbanken schon immer ein traditionell gutes Verhältnis zu Mastercard.“

Sparda Bank BankCard - nicht girocard
Sparda Bank

Das ging so weit, dass die girocard auf den Webseiten der Sparda Banken auch viele Jahre nach der Übertragung der Markenrechte an Mastercard noch offiziell als EC-Karte bezeichnet wurde.

Auch heute ist dort schlicht und ergreifend von einer BankCard, nur mit einem Maestro-Logo auf der Vorderseite, die Rede. Nirgendwo auch auf den Webseiten der Bank ist ein Hinweis auf die girocard zu finden.

Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mo­bi­le Pay­ment, NFC, Kun­den­bin­dung und di­gi­ta­ler Iden­ti­tät. Er ist seit über 15 Jah­ren in den Be­rei­chen Ban­ken, Con­sul­ting, IT und Han­del tä­tig. Lin­sen­barth ist pro­fi­lier­ter Fachautor und Praktiker im Fi­nanz­be­reich und kom­men­tiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.
Den Schwenk zu der von Mastercard forcierten Debit Mastercard hat man dann aber nicht vollzogen. Dabei waren einige Sparda-Verbände früher Vorreiter beim kontaktlosen Bezahlen und hatten bereits eine kontaktlose Mastercard-Kreditkarte, als die meisten Sparkassen Vorstände noch von girogo träumten und alle anderen Banken wahrscheinlich meinten, so etwas würde sich nicht durchsetzen. Nun will man sich anscheinend unter Anführung der Sparda West wieder an die Spitze der Bewegung setzen. Dabei hatten die Kollegen aus Düsseldorf in der Vergangenheit, in Sachen innovativer Kartenzahlung immer die rote Laterne im Sparda-Verbund getragen. So ändern sich die Zeiten. Was mich übrigens interessieren würde, ist die BankCard der Sparda jetzt eine kontaktlose girocard, eine kontaktlose Maestro Card oder beides?

Wie geht es nun weiter?

Nun die Sparda Banken hätten sich wahrscheinlich nicht zu diesem Schritt entschlossen, wenn in absehbarer Zeit eine andere Lösung für das Mobile Payment verfügbar gewesen wäre.

Sparda Bank
ginton/bigstock.com

Von daher ist die Kooperation mit vimPAY und den beiden hinter diesem Projekt stehenden Unternehmen petaFuel und PayCenter ein Gewinn für beide Seiten.“

Die einen können ihren Kunden fürs Erste eine Lösung anbieten und die anderen präsentieren sich als leistungsfähiges flexible Unternehmen, mit einem Portfolio, das möglicherweise auch skalierbar ist.

Die Kunden der Sparda Banken aus den Regionen Berlin, Hannover und Stuttgart im Fiducia-Rechenzentrum werden wahrscheinlich noch etwas länger warten müssen. Einen Launch bei den Volks- und Raiffeisenbanken im Jahr 2019 halte ich eher für unwahrscheinlich. Zumindest, wenn wie angestrebt, die girocard direkt zum Start dabei sein soll.“

Es gilt wie immer, wer sich nicht rechtzeitig auf den Weg macht, rennt dem Feld hinterher oder muss hoffen, noch ein Taxi wie vimPAY zu erwischen.

Anmerkung: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde fälschlicherweise die Sparda-Bank Südwest als Teilnehmer an diesem Apple Launch vermeldet.Rudolf Linsenbarth

 
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