MEINUNG23. Februar 2018

Sparkassen-Präsident: „Die Menge an regulatorischen Anforderungen ist kaum noch leistbar.“

DSGV

Anlässlich der Handelsblatt-Tagung „Zukunftsstrategien für Sparkassen“ hat Helmut Schleweis, Präsident DSGV über die Strategie der Sparkassenfinanzgruppe gesprochen. Schleweis, seit diesem Jahr selbst in Berlin ansässig, machte deutlich, dass die Sparkassen und ihre Verbundpartner allen Grund haben, sich selbstbewusst zu präsentieren. Schließlich brauche man sich mit dem aktuellen Geschäftszahlen auch und gerade angesichts einer schwierigen Marktlage nicht zu verstecken. Und das tat Schleweis dann auch – mit berechtigter Kritik und einer klaren Ansage an die neue Bundesregierung.

Erfreulich sei es, dass die Sparkassen in nahezu allen Marktsegmenten wachsen oder die Marktdurchdringung zumindest hätten halten können. Deutlich machte Schleweis, dass insbesondere die Strategie der dezentralen Entscheidungskompetenz zu diesem Erfolg beitrage.

Diese Marktverankerung der Sparkassen ist etwas ganz Besonderes – etwas, das wir pflegen und sehr behutsam behandeln müssen. Deshalb haben wir eine besondere Verantwortung, genau hinzuhören, was unseren Kunden und damit den Menschen in Deutschland insgesamt wichtig ist. Was wir in der Realität wahrnehmen, muss unsere Strategie bestimmen – nicht vermutete Trends, neue Blasen oder hippe Vorträge auf coolen Tagungen.“

Helmut Schleweis, Präsident DSGV

Der neue DSGV-Präsident Schleweis weiß, wovon er spricht – schließlich war er über 30 Jahre Sparkassenvorstand vor Ort in Heidelberg und kennt somit die Bedürfnisse und Befindlichkeiten der Kunden aus erster Hand. Die Kundennähe sei es, die Sparkassen ihren Mitbewerbern aus der Bankenwelt und insbesondere den digitalen Mitbewerbern aus der FinTech-Welt voraus haben.

P2P-Banking mit Kwitt: Sparkassen-Präsident setzt sich für reibungsloses Bezahlen ein

Wichtig sei den Kunden beispielsweise die reibungslose und barrierefreie Möglichkeit des Bezahlens und die einfache Versorgung mit Geld. Einerseits sei daher das dichte Netz mit aktuell 25.000 Geldautomaten ein Pfund, mit dem man wuchern könne, andererseits komme es auf bargeldlose Verfahren im P2P-Bereich an wie das kürzlich ausgerollte Kwitt, mit dem man Geld in Echtzeit per Handy überweisen kann. „Aus dem Stand sind wir mit Kwitt der wichtigste Anbieter für sogenannte P2P-Anwendungen in Deutschland geworden. Geld senden und empfangen ist jetzt so einfach wie eine SMS schicken – egal ob für die Klassenkasse gesammelt oder eine Restaurant-Rechnung geteilt werden soll“, wirbt Schleweis für das neue System.

Nach gut einem Jahr habe man 680.000 Nutzer und wolle das System in Zukunft auch anderen Geldinstituten für ihre Kunden zur Verfügung stellen. Ein weiterer wichtiger Bereich in diesem Zusammenhang sei die NFC-Technologie, die man in Zukunft nicht nur bei den Girokarten der Sparkassen unterbringen wolle, sondern auch im Zusammenhang mit NFC-fähigen Smartphones einsetzen werde. „Das ist evolutionärer Fortschritt – wir nehmen unsere Kunden mit. Sie können das nutzen, was sie kennen und schrittweise neue Erfahrungen machen“, machte Schleweis deutlich.

Die Sparkassen gestalteten ihre Digitalisierungsbemühungen immer mehr in Richtung auf Echtzeittransaktionen und gehe diesen Weg konsequent weiter: „Das belegen 12 Milliarden Online-Kontakte und mehr als 800 Millionen Kundenkontakte per App im vergangenen Jahr. Man wolle, dass die Kunden über beide Wege alle ihre Konten, also auch solche bei Wettbewerbern, ansteuern und verwalten können. Diese sogenannte Multibankenfähigkeit ist heute in der Sparkassen-App schon gegeben.

Gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Sparkassen für Vermögensaufbau des Kunden

Außerdem führte Schleweis aus, welche gesamtgesellschaftliche Aufgabe die Sparkassen im Rahmen des Vermögensaufbaus ihrer Kunden übernehmen. Gerade die schwierige Lage an den Zins- und Immobilienmärkten stelle auch gut verdienende und durchaus sparwillige Kunden vor große Herausforderungen:

Es ist deshalb an der Zeit, dass wir „Sparen“ neu verstehen. Denn durch das klassische Sparen im Sinne von „Beiseitelegen“ wird im Zinstief keiner mehr reich. Aber Sparen durch richtiges Investieren – das trägt. Es ist unsere Aufgabe als Sparkassen, unsere Kunden dabei stärker zu unterstützen.“

Helmut Schleweis, Präsident DSGV

Schleweis appelliert hier an die Politik und die Regulierungsbehörden: Gute Regulierung sollte die Hürden für Beratung senken und möglichst vielen Menschen Wertzuwächse durch Wertpapiere erschließen. Gesetzliche Preisgrenzen, Produktvorgaben oder auch überfrachtete Regelwerke wie MiFID und Priips hingegen lösen bei Vorständen den natürlichen Impuls aus, die Wertpapierberatung ad acta zu legen.

Die Message, die Schleweis der neuen Bundesregierung mit auf den Weg gibt, ist eindeutig: „Die Komplexität und die schiere Menge bei den regulatorischen Anforderungen für Meldewesen, Offenlegung und sonstige Informationspflichten ist organisatorisch kaum noch leistbar. Die Regulierung ist inzwischen der am stärksten wachsende Kostenblock in jeder Sparkasse. Deshalb ist eine Regulierung mit mehr Augenmaß notwendig.“

Schleweis sieht Sparkassen als wichtigen Partner des Mittelstandes

Deutlich machte Schleweis auch, wie herausfordernd das Geschäft der Sparkassen in der Fläche in Bezug auf die Betreuung des Mittelstandes geworden sei. Man setze im Sparkassenverbund nun zunehmend auf Arbeitsteilung und Spezialisierung. So wolle man die Kräfte besser bündeln und für das Mittelstandsgeschäft besser ausspielen.

Die Kunden kommen weiterhin mit ihren Einlagen zu uns. An hohen Zinsen liegt das aktuell wohl nicht – wohl aber an der Sicherheit, die wir ihren Einlagen bieten. Dieser sichere Kreislauf aus Einlagen und Krediten ist das Lebenselixier der deutschen Wirtschaft. Die Stabilität unserer deutschen Wirtschaft ist wesentlich davon abhängig, dass die Sparer auf die Sicherheit ihrer Einlagen vertrauen.“

Helmut Schleweis, Präsident DSGV

Das vollständige Redemanuskript der Rede von DSGV-Präsident Helmut Schleweis können Sie auf der Website des DSGV nachlesen. tw

 
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