STUDIEN & UMFRAGEN13. Dezember 2018

Studie: FinTechs und Banken treffen den Nerv der Kunden nicht; Anwendungen fehlen Mehrwertservices

Mehrwertservices von banken und FinTechs zielen noch an Kunden vorbei
MicroOne/bigstock.com

Durch die EU-Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie PSD2 sind seit Beginn dieses Jahres alle Kreditinstitute verpflichtet, Dritten digitale Schnittstellen zum Konto freizugeben, wodurch Multibank-Angebote nach Ablauf einer Übergangsfrist Mitte 2019 eine ganz neue Relevanz erhalten. Wie die Auswertung „Digitale Dienste“ aus der BLC Bankkunden-Studie 2018 zeigt, haben 57 Prozent der Bankkunden mit mehr als einem Konto Interesse an Multibanking oder nutzen es bereits. Dennoch treffen die bis jetzt verfügbaren Apps nicht den Nerv der Kunden, denn es fehlen Mehrwertservices. Für die Studie hat BLC 2.000 Bankkunden in Deutschland repräsentativ befragt.

Der Markt für Multibanking ist nach Einschätzung der Experten von BLC vorhanden: Jeder zweite Bundesbürger hat bereits mindestens zwei Bankverbindungen. Im Durchschnitt führen diese „Mehrbankkunden“ ihre Finanzprodukte bei 2,6 Instituten. Und wenngleich von den in der BLC-Studie befragten Mehrbankkunden erst 13 Prozent eine solche Anwendung bereits ausprobiert haben, bekunden doch weitere 44 Prozent Interesse an einer zukünftigen Nutzung. Bei jüngeren Kunden bis 40 Jahre liegen die vorgenannten Werte noch deutlich höher.

Trotz diverser Angebote von FinTechs und Banken scheinen die bisherigen Lösungen aber den Nerv noch nicht zu treffen. Dies äußert sich auch in der mangelnden allgemeinen Bekanntheit.

Thomas Nitschke, Senior Partner bei Berg Lund & Company BLC
BLC

Jeder zweite in unserer Studie befragte Bankkunde hat noch nie zuvor etwas von Multibanking gehört. Bestehende Angebote sind offenkundig noch nicht so überzeugend, dass sie sich durch Empfehlungen weit herumsprechen würden.“

Thomas Nitschke, Senior Partner BLC

Multibanking muss den Kunden Mehrwertservices bieten

Beim Großteil aktueller Multibanking-Lösungen handelt es sich BLC zufolge um reine Kontostandsübersichten ohne nennenswerten Mehrwertservice. Hier bekommt der Kunde mit begrenztem Aufwand ein bisschen zusätzliche Convenience – nicht genug für den Durchbruch. Dabei eröffnet gerade Multibanking interessante potenzielle Zusatzfunktionen. Der BLC-Studie zufolge fänden jeweils mindestens 80 Prozent der Bankkunden einen automatischen Saldoausgleich, automatische Konditionsvergleiche für Konten, Kredite oder Depots oder auch eine intelligente Haushaltsbuch-Funktion zur Analyse von Ein- und Ausgaben attraktiv.

Wenn die Banken bei Zusatzfunktionen mit Mehrwert nachlegen, werden Multibanking-Angebote auch stärker angenommen, denn für zwei Drittel der Interessenten sind diese  Extra-Services ausdrücklich entscheidend für die Nutzung.“

Thomas Nitschke, Senior Partner BLC

Die notwendige Genehmigung zur Datennutzung für solche Zusatzfunktionen sollten die Banken ohne Hemmungen vom Kunden erbitten. 40 Prozent aller Bankkunden und mehr als die Hälfte der Kunden unter 40 Jahren haben gegen die Nutzung persönlicher Daten für gute Mehrwertservices nichts einzuwenden. Weitaus wesentlicher für die Befragten ist, wer ihnen das Multibanking anbietet.

Hausbanken mit klarem Heimvorteil

76 Prozent der Befragten, die Multibanking bereits nutzen oder künftig nutzen möchten, favorisieren eine Anwendung ihrer Hausbank. Angebote von Nebenbanken rangieren hingegen mit 22 Prozent weit  dahinter. Etwas besser als Nebenbanken schneiden Lösungen von Zahlungsanbietern wie beispielsweise PayPal ab. Deren Multibanking-Angebot würden immerhin 31 Prozent der Interessierten nutzen. Handelsunternehmen wie Amazon oder Internet-Konzerne wie Google landen abgeschlagen auf den hinteren Plätzen: Nur sechs beziehungsweise fünf Prozent der Deutschen können sich derzeit vorstellen, dort gesammelt ihre Konten, Depots oder Kredite zu verwalten. „Hausbanken sollten ihren Vertrauensvorschuss nutzen und über Multibanking in eine Welt aus neuen, digitalen Angeboten starten. Leistungsfähige Kooperationspartner stehen hierfür bei Bedarf inzwischen am Markt bereit“, so BLC-Experte Thomas Nitschke.

Über die Studie

Für die bevölkerungsrepräsentative „Bankkunden-Studie 2018 – Digitale Dienste und Datenschutz“ wurden im Auftrag von Berg Lund & Company (BLC) insgesamt 2.000 deutsche Bankkunden im Alter zwischen 20 und 69 Jahren befragt. Die Befragung wurde im zweiten Quartal 2018 durchgeführt. Die Studie kann nur direkt beim Autor Dr. Thomas Nitschke (nitschke@berg-lund.de) bestellt werden.

 
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