STRATEGIE2. Mai 2020

„Ich würde jede Wette darauf eingehen, dass VideoIdent noch in 10 Jahren am Markt ist.“ – Frank S. Jorga, WebID

VideoIdent: Frank S. Jorga, Geschäftsführer der WebID
Frank S. Jorga, Geschäftsführer der WebIDWebID

WebID gewinnt den Prozess gegen IDnow – und schließt parallel eine tiefe Partnerschaft mit Authada. Im Interview wirbt Frank S. Jorga (Geschäftsführer der WebID) für mehr Zusammenarbeit in der Branche und beim VideoIdent. Die wäre dringend notwendig.

Herr Jorga, das OLG Düsseldorf hat am 19.03.2020 ein Gerichtsurteil zu Gunsten von WebID erlassen. Ist damit ein Schlusspunkt unter diesen jahrelangen Rechtsstreit gesetzt?

Ja, das Verfahren ist damit abgeschlossen. Gutachterlich und von der höchstmöglichen Instanz Oberlandesgericht haben wir in voller Breite Recht bekommen. Für uns ist damit Rechtsfrieden hergestellt und wir können uns jetzt auf unsere Arbeit konzentrieren.

Wir wären sehr erfreut, wenn wir Identifizierungsdienstleister jetzt gemeinsam an Problemen im Bereich Fraud arbeiten. Hierzu laden wir auch IDnow ein.“

Bedeutet das Urteil im Umkehrschluss, ein VideoIdent-Verfahren kann jeder neue Wettbewerber auf den Markt bringen?

Nein, das Urteil bedeutet nur, dass das WebID-Verfahren nicht gegen das Patent von IDnow verstößt. Wir von WebID haben ebenfalls ein Patent und haben dies auch allen Wettbewerbern angezeigt. Obwohl wir hier über ein europaweites Patent verfügen, haben wir das bisher noch nicht gegen einen unserer Mitwerber eingesetzt. Wir wollen über gute Dienstleistungen wachsen und nicht über juristische Auseinandersetzungen.

Eine weitere Neuigkeit ist die Nachricht, dass WebID eine strategische Partnerschaft mit Authada eingegangen ist. Können Sie uns dazu etwas berichten?

Sehr gerne. Wir bei WebID haben mit unserer Global Trust Technology Platform (GTTP) eine Technologie entwickelt, mit der wir unseren Kunden eine Vielzahl an Identifizierungsverfahren anbieten können. Vodafone ist mittlerweile über die GTTP angebunden und wir können nun die Kunden neben VideoIdent auch über die eID-Funktion von Authada identifizieren.

Laut Pressemeldung wird das Verfahren nur für die Prepaid-Karten-Kunden eingesetzt, was ist mit Postpaid?

Das Telekommunikationsgesetz schreibt eine Identifizierung nur für Prepaid-Karten vor. Ich denke, Vodafone wird das Verfahren genau beobachten und dann entscheiden, wo es sonst noch eingesetzt werden kann.

Wie sieht es mit den Prepaid-Karten der Mobilfunkdiscounter im Vodafone-Netz aus?

Das ist als Erstes eine vertragsrechtliche Frage. Ich gehe aber davon aus, dass wir allen unseren Kunden, die an die GTTP angebunden sind, ein WebID eID Ident, so wie bereits in diesem Fall von Authada, anbieten werden. Wir vermeiden die Festlegung auf bestimmte Anbieter bei unserer GTTP, da diese Plattform auf Neutralität und Vielseitigkeit ausgelegt ist.

Wird VideoIdent dann zum Auslaufmodell?

Auch wenn wir uns sehr freuen, dass wir hier eine neue Technik im Portfolio haben, sind wir im Augenblick für eine schnelle Marktdurchdringung nur verhalten optimistisch.

Langfristig ist die eID für uns ein kommender Trend. Ich glaube aber nicht, dass sie jemals mehr als 30 % Prozent erreichen wird.“

Das Interview führte Rudolf Linsenbarth
Experte für Digitale Identität: Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mobile Payment, NFC, Kundenbindung und digitaler Identität. Er ist seit über 15 Jahren in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel tätig. Lin­sen­barth ist profilierter Fachautor und Praktiker im Finanzbereich und kommentiert bei Twitter (@holimuk) die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.

Die Aussage weckt bei mir die Assoziation an Thomas Watson, Chairman von IBM, der 1943 sagte: „Ich denke, dass es weltweit einen Markt für vielleicht fünf Computer gibt”.

Der IBM-Manager hat nicht vom Endnutzer gedacht.

Der Markt entscheidet sich vom Nutzer her. Wenn die Nutzer das wollen, dann kommt das!“

Alle wollen den Ausweis digitalisieren. Aber dazu muss er erst einmal eingesetzt werden. Ich würde aber jede Wette darauf eingehen, dass VideoIdent noch in 10 Jahren am Markt ist.

Der Ausweis wird digitalisiert – wer macht das? Wandelt sich WebID vom Identifizierungsdienstleister zum ID-Provider?

Ganz klar dafür ist auch unsere GTTP-Plattform gebaut.

Wir haben 5 Millionen GwG-konforme Identitäten mit Einverständnis gesammelt. Wir können also 5 Millionen Identitäten direkt weiterreichen ohne ein erneutes VideoIdent.“

Das hatten Sie schon in unserem Interview vor knapp 2 Jahren angekündigt, wann kommt das endlich zum Einsatz?

Für eine GwG-konforme Identifikation müssen die Auslegungs- und Anwendungsvorschriften der Bafin eingehalten werden. Diese Klärung ist nun erfolgt. In den nächsten Wochen werden wir das Produkt unseren Kunden, den Banken, nutzbar machen.

Wie sehen Sie WebID im Verhältnis zu YES und Verimi?

Wir von WebID sehen uns als Bindeglied zwischen YES, Verimi und unseren Kunden. Beide können sich an unsere GTTP anbinden und damit die Kunden erreichen. Verimi ist übrigens bereits an unsere Plattform angebunden und nutzt das WebID VideoIdent.

Wo sehen Sie WebID in 10 Jahren neben der Wette über das dann immer noch bestehende VideoIdent?

Meine persönliche Meinung ist, dass WebID auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen wird.

Es gibt weltweit Initiativen, Identitäten digital zu speichern. Ob das auf einem Device oder in der Cloud passiert oder ob ein kombinierter Weg der richtige ist, kann man jetzt noch nicht abschließend sagen. Die WebID-Plattform bietet mehrere Wege an.

Ich glaube sogar, dass demnächst private Unternehmen wie wir sich noch direkter mit der staatlich garantierten Identität verbinden.“

Hierbei liegen die Identitäten dann in einer staatlich gespeicherten Cloud, die wir bei jeder Identifizierung anfragen. Der Abgleich könnte beispielsweise über Inhärenz-Merkmale (Biometrie) erfolgen. Gleichzeitig behält der Staat dabei die Hoheit über diese Identitäten.

Herr Jorga, vielen Dank für das Interview!Rudolf Linsenbarth

 
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