STUDIEN & UMFRAGEN17. Mai. 2016

Beruhigt zurücklehnen? Im Firmenkundengeschäft seien FinTechs noch keine Konkurrenz zu Banken

Kampmann, Berg & Partner
Können Banken ruhiger schlafen? Mitnichten – der Generationswechsel wird zu einem Umdenken der Geschäftskunden führen.Kampmann, Berg & Partner

Fintechs wie Paypal oder Auxmo­ney sind bei Privatkun­den von Banken und Sparkas­sen mittlerweile breit bekannt. Für das Firmen­kun­den­ge­schäft steht die­ser Wandel noch aus: Kreditplatt­formen, spezialisier­te Zahlungs­verkehrsdienst­leis­ter oder Un­ternehmen­spor­tale sind bei Un­ternehmern noch we­nig präsent. Dies sind Ergebnis­se der Studie „Ge­schäftsbeziehun­gen von Firmenkun­den zu Banken“ der Un­ternehmensbe­ra­tung Kampmann, Berg & Partner. Für die Studie be­fragte das In­sti­tut For­sa 200 Ge­schäftsfüh­rer, Vorstän­de un­d Ent­schei­der aus mit­telständi­schen Un­ternehmen. Doch Banken und Sparkas­sen soll­ten die Hän­de nicht zu früh in den Schoß legen.

Kampmann, Berg & Partner
Kampmann, Berg & Partner
Die Zusammenarbeit mit FinTechs spielt für Unternehmen bisher kaum eine Rolle – sagt die Studie von Kampmann, Berg & Partner. „Die Mehrzahl der Firmen vertraut auf ihre Hausbank als langfristigen Partner“, sagt Marc Jochims, der die Studie betreut hat. Im Vergleich zu Privatkunden seien sie weniger wechselfreudig, legten besonderen Wert auf einen persönlichen Ansprechpartner und eine hohe Kontinuität der Kundenbeziehung. Gewährleistet eine Bank diese Kunden­anforder­ungen, so ließen sich Unternehmen nicht einfach mit Kostenvorteilen zu einem innovativen, plattformgestützten Anbieter locken.

Die gute Nachricht für die Banken: Noch hat die Mehrheit der Mittelständler die innovativen Alternativen auch gar nicht entdeckt. 86 Prozent der Entscheider können aus dem Stegreif kein FinTech-Unternehmen nennen.“

Erst auf Nachfrage geben 29 Prozent an, beispielsweise den Anbieter Auxmoney zu kennen. Bei den jüngeren Managern bis 45 Jahre, die digitale Services auch privat nutzen, sind es jedoch 38 Prozent.

Vorsicht! Der Generationenwechsel gefährdet Vormachtstellung der Banken

Kampmann, Berg & Partner
Kampmann, Berg & Partner

„In vie­len Un­ternehmen kündigt sich ein Ge­ne­rationenwech­sel auf der Chef­etage an – und viele älte­re Mana­ger las­sen sich von jun­gen Mit­arbeitern inspi­rie­ren“, sagt Marc Jochims von Kampmann, Berg & Partner. „Die Banken soll­ten daher mit der Weiter­entwicklung digi­taler Anwendun­gen für Firmenkun­den nicht zurück­stehen und gezielt den Schul­ter­schluss zu FinTechs su­chen, die stra­tegisch zu ihnen pas­sen.“ Auch Firmenkun­den von Direktbanken sind besonders offen für neue Lösun­gen, wie die Studie zeigt. Hier liegt die Bekannt­heit von Auxmo­ney sogar bei 50 Pro­zent.

Eine Revolution der FinTechs im Firmenkundengeschäft erwartet die Unternehmensberatung Kampmann, Berg und Partner zumindest im Bereich der Finanzierung jedoch auch mittelfristig nicht.

Kampmann, Berg & Partner
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Kreditplattformen sprechen vor allem Startups und Kleinunternehmen an. Für größere Firmen spielt die individuelle persönliche Betreuung mit festem Ansprechpartner eine wichtige Rolle, die FinTechs nicht bieten können.“

Marc Jochims, Kampmann, Berg & Partner

Auch die Ansprüche an Produkt und Konditionen könnten FinTechs in dieser Zielgruppe aktuell nicht erfüllen. Inwieweit andere digitale Services auf Offenheit und Interesse stoßen, bleibe abzuwarten.

Datenschutz als ausbaubares Asset der Banken

Was Mittelständler, die mit dem Digitalangebot ihrer Bank hadern, von der Suche nach Alternativen abhält, sind auch Datenschutzbedenken. Für sechs von zehn Entscheidern ist dieser Aspekt bei Onlinelösungen wichtiger als eine komfortable Bedienung oder der Nutzwert. Besonders große Firmen legen Wert auf Datenschutz: Bei den Entscheidern aus Unternehmen zwischen 100 und 500 Mitarbeitern bevorzugen zwei Drittel diesen Aspekt, im Vergleich zu 46 Prozent bei Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. „Bei Unternehmen haben FinTechs aufgrund strenger Datenschutzbestimmungen noch Imagenachteile. Doch wenn sich eine Bank mit einem FinTech zusammenschließt, haben Wettbewerber schnell das Nachsehen“, sagt Jochims. Außerdem könnten kleine Unternehmen mit relevanten Umsätzen als Vorreiter neuer, schlanker Lösungen agieren und die Hemmschwelle größerer Unternehmen senken. „Cloudlösungen galten auch einmal als undenkbar“, so der Experte.

Die Studie kann hier per E-Mail angefordert werden.

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http://www.it-finanzmagazin.de/?p=31268
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