INTERVIEW: PSP-ZUKUNFT14. Dez. 2015

PPRO: MaSI unausgegoren, PSD2 macht Sinn, Payment-Garantien sind wichtiger als Instant Payment

Ralf Ohlhausen, Business Development Directorr PPROPPRO
Ralf Ohlhausen, Business Development Director PPROPPRO

MaSI, PSD2, Instant Payment – die deutsche und europäische Regulierung treibt Banken, FinTechs und PSPs vor sich her. Manches ist zukunfts­orien­tiert, anderes wirkt wie Aktionismus. Wir wollten im Telefoninterview mit Ralf Ohlhausen (Business Development Director PPRO) und dem neu gestarteten COO Ralf Bach wissen, was Sie von den Entwicklungen halten und wie sich PPRO darauf einstellen und verändern wird.

Herr Ohlhausen, ich habe gehört, Sie würden die MaSI für unausgegoren halten. Stimmt das?

Ja, das tue ich. In der PSD2 steht bereits beschrieben, dass die Zwei-Faktoren-Authentifizierung anders, nämlich dynamisch sein muss und sowohl den Bezahlbetrag als auch den Empfänger aufweisen muss. PSD2 muss bis Ende 2017 in allen europäischen Ländern umgesetzt sein und bringt auch noch ganz andere Anforderungen.

Wa­rum also dann mit der Ma­SI ei­ne Zwi­schen­lö­sung, die den Fi­nanz­in­sti­tu­ten nur ei­ne weite­re Bürde auferlegt?

Der PSD2 wiederum stehe ich sehr positiv gegenüber: schließlich ist die Offizialisierung von gewissen Zahlarten, wie zum Beispiel der Overlay-Methode, ein guter Schritt. Sie wird noch größeres Vertrauen in alternative Zahlarten zur Folge haben und es werden in ihrem Rückenwind weitere Zahlungsanbieter entstehen. Das ist für uns als „Hub“ natürlich gut und wünschenswert. Wir sind europaweit wahrscheinlich am besten positioniert einen PSD2-Banken-Gateway anzubieten, d.h. diesen Zahlungsanbietern den durch die PSD2-Regulierung ermöglichten Bankzugang zu verschaffen.

Und wie stehen Sie zu SEPA Instant Payments?

Instant Payments sind natürlich auch für uns ein Thema. Ich beobachte das deswegen ganz genau; insbesondere das, was die Working Group des European Retail Payments Boards dafür vorschlägt. Meine Meinung dazu ist: natürlich sind Instant Payments eine tolle Sache, aber die Umsetzung wird lange dauern und viel Geld kosten. Vor allem, wenn man auf der Infrastrukturebene ansetzen will, wird das ein langer, steiniger Weg. Ich gehe von zwei bis fünf Jahren aus, will aber natürlich nicht zu pessimistisch sein. Wie dem auch sei, bin ich der Meinung, dass es den Händlern gar nicht darum geht, das Geld direkt auf dem Konto zu haben, im Gegenteil: viele unserer Kunden möchten gerne ein wöchentliches oder monatliches Settlement, um ihre Buchhaltung zu entlasten. Den Händlern geht es vielmehr um eine sofortige Zahlungsgarantie. Diese ist vor allem bei digitalen Gütern von Wichtigkeit, aber immer mehr auch bei allen anderen, denn der Konsument will heute Next Day oder sogar Same Day Delivery. Der Händler braucht also eine sofortige Garantie, dass das Geld bei ihm eintrifft, viel mehr als das Geld auf dem Konto selbst.

Vielleicht kann man das auch unter einem anderen Aspekt betrachten: ich sehe die Payment-Industrie analog zum IP Protocol Stack. Auch da gibt es eine Infrastruktur-Ebene und darüber mehrere Software Layer. Früher oder später wird man nicht umhin kommen, auf der Infrastruktur-Ebene die „Kabel und Schaltstellen zu erneuern“, um sie damit wirklich „instant“ zu machen. Aber bis dahin kann man z.B. auf dem Application Layer Garantien aussprechen.

Die PPRO Group ist ja auch Herausgeberin von E-Geld und Prepaid-Karten. Da machen wir heute schon Instant Payments. Wenn einer unserer Kunden eine Prepaid-Karte auflädt und die genutzte Zahlart garantiert ist, wie zum Beispiel giropay, dann wird das Geld sofort auf der Karte gutgeschrieben und ist damit sofort verfügbar. Das Risiko, dass das Geld auch wirklich ankommt liegt dann bei der Zahlart und in deren Gebühren. Auf Infrastuktur-Ebene wird die Umsetzung noch lange dauern und darum wird es Player geben, die solche Services viel früher abbilden und die Banken mal wieder alt aussehen lassen werden.

Sie finden also, dass die Zahlungsgarantie wichtiger ist, als Instant Payments. Sind Instant Payments damit unnötig, weil dem Händler Garantien ausreichen?

Man muss unterscheiden zwischen Unternehmenskunden und Konsumenten. Konsumenten ist die sofortige Verfügbarkeit eingehender Gelder wahrscheinlich wichtiger, denn die sind das alles nicht so gewohnt mit dem Cash-Flow-Management. Deswegen ja auch unser „instant“ Angebot beim Aufladen unserer Prepaid-Karten. Für Unternehmer ist die Planungssicherheit und Geschwindigkeit gegenüber dem Kunden entscheidend. Eine Instant-Garantie, die ihm von seinem Zahlungsanbieter auch in Echtzeit zugeschickt wird, ermöglicht ihm eine Instant-Auslieferung an den Kunden. Ein Instant-Geldeingang auf seinem Bankkonto, das ihm seine Bank erst mit dem nächsten Kontoauszug mitteilt, oder er ständig selbst überwachen müsste, nützt ihm da weniger. Natürlich will auch ein Unternehmer am liebsten beides, d.h. Instant Payments, wie die EZB sie definiert, sind durchaus ein wichtiges Thema und je früher sie kommen umso besser, aber bis es soweit ist, gibt es schon andere ähnlich gute Lösungen.

Sie sind ein FinTech und arbeiten gleichzeitig mit Banken  zusammen. Sicher ist das nicht ganz einfach, ohne dass Sie ihre Bankkunden vor den Kopf stoßen? Wie kriegt man beides unter einen Hut?

Ralf Ohlhausen: Wir sind zwar ein FinTech, aber wir brauchen die klassichen Banken für unser Business-Modell ebenso, wie jedes andere Unternehmen auch. Als Nicht-Bank haben wir keine eigenen Bankkonten und arbeiten deshalb mit Partnerbanken zusammen. Das heißt, die Banken sind nicht unsere Kunden, sondern wir sind Kunde der Banken – und damit profitieren die Banken von unserem hohen Volumen, dass sie durch uns generieren. Wir sehen uns  also eher in einer Symbiose als in einem Konkurrenzverhältnis.

Allerdings sind wir seit kurzem  auch als erste Nicht-Bank Acquirer von iDEAL und damit direkt mit holländischen Banken verbunden und ermöglichen es Kunden, direkt von ihrem Bankkonto zu bezahlen, ganz ohne Karte. Damit stehen wir in diesem Umfeld zwar auch in Konkurrenz zu klassischen Banken, aber die holländischen Banken sehen das entspannt. Dort herrscht vielleicht auch ein anderes Denken, was FinTechs und die Bankenwelt anbelangt.

Ralf Bach, neuer COO der PPRO GroupPPRO
Ralf Bach, neuer COO der PPRO Group<qPPRO

Herr Bach, Sie sind seit einigen Wochen COO der PPRO Group. Was wird sich unter Ihrer operativen Führung ändern?

Ja, richtig, ich bin seit Oktober hier bei PPRO. Das Team ist jung und dynamisch und strotzt vor Energie, zudem arbeiten alle sehr lösungsorientiert! Wir haben eine sehr hohe Kundenzufriedenheit. Was für mich als COO natürlich sehr wichtig ist, ist die IT-Plattform. Und diese  ist hoch-skalierbar und äußerst zuverlässig. Das haben wir gerade wieder aufs Neue am 11. November getestet – da war „China Singles Day“, der größte Online-Verkaufstag weltweit. Auch unter dieser enormen Last – wir sprechen hier vom etwa 15- bis 20-fachen eines normalen Tagesdurchschnitts – lief die Plattform einwandfrei.

Die Zukunft von PPRO sehe ich sehr positiv. Wir gehen von einem über 50-prozentigen Wachstum im nächsten Jahr aus und bewegen uns dabei in einem sehr guten Marktumfeld. Wir haben auch klare Unterscheidungsmerkmale zu anderen Marktteilnehmern –  wir können durch unsere Lizenz Zahlungen nicht nur prozessieren, sondern auch Zahlungen annehmen und vor allem an unsere Kunden wieder ausszahlen. Unsere Kunden – das sind z.B. Payment Service Provider und Finanzunternehmen – können bei uns mit einer Unterschrift alle alternativen Zahlungen über eine einzige API bekommen. Das verkürzt Projektlaufzeiten extrem. Dazu kommt, dass wir sehr zuverlässig und hoch performant sind.

Wir sind überproportional gewachsen, haben viele neue Mitarbeiter eingestellt – Tendenz steigend. Wir werden auch aufmerksam verfolgt. Z.B. wurden wir auf der money2020 in Las Vegas, auf der wir dieses Jahr waren, von Tier-1-Unternehmen angesprochen. Ich werde mich jetzt schnell mit dem starken Wachstum und den damit einhergehenden Herausforderungen auseinandersetzen.

Und was werden Sie ändern?

Strategisch haben wir ein klares Ziel: Wachstum. Und dieses gilt es umzusetzen. Wir werden unsere hoch-skalierbaren IT-Systemen weiter ausbauen und unseren Kunden über unsere  API -Schnittstelle unkompliziert anbinden. Ändern werden wir erst einmal nichts, sondern weiter wachsen, und zwar auch global. Wir planen neue Standorte, um Zeitdifferenzen zu überbrücken und um kürzere Wege zu unseren internationalen Kunden zu haben.

MaSI und PSD2 sind da – welchen Herausforderungen und Problemen sieht sich die PPRO Group bei der Umsetzung gegenüber? Und wie stehen Sie zu Instant Payments?

Die MaSI ist ja am 5.11. in Deutschland eingeführt worden und sieht vor allem die Zwei-Faktoren-Authentifizierung bei elektronischen Zahlungen im Internet vor. Sie ist eine Richtlinie der Europäischen Zentralbank und damit muss sie nicht von jedem europäischen Land umgesetzt werden. Die PPRO Group ist eine englische Firma, die von der englischen Bankenaufsicht reguliert wird. Da Goßbritannien die Richtlinie nicht umgesesetzt hat, müssen wir uns mit MaSI derzeit nicht auseinandersetzen. Ich finde die Entscheidung der Briten im Übrigen durchaus sinnvoll, denn mit der PSD2 werden in spätestens zwei Jahren wieder neue Gesetze kommen, die dann auch tatsächlich in lokales Recht umgesetzt werden müssen. Nichtsdestotrotz hätte MaSI für uns auch keine Auswirkungen, würde sie in Großbritannien angewendet werden, denn wir sind ja „nur“ ein Aggregator von Zahlarten. In der Pflicht stehen hier die Zahlarten. Wir stehen als Payment Hub sozusagen eine Stufe darüber.

Herr Bach, wie sehen Sie die Zukunft der PPRO Group? Wie zukunftsfähig ist das Unternehmen aufgestellt?

Die PPRO Group hat zwei starke Standbeine, nämlich Payment Services – also die Gateway-Funktionalität für alternative Zahlarten inkl. das Collection – und die E-Money-Sparte. Beide Bereiche sind absolute Wachstumsmärkte. Darüber hinaus sind wir derzeit der einzige Anbieter am Markt, der Zahlarten end-to-end für Payment Service Provider aggregiert. Wir verarbeiten also nicht nur ausgehende Zahlungen, sondern wir sammeln auch die eingehenden Gelder ein. Und damit sind wir vielen der jetzt auf Markt strebenden Unternehmen deutlich voraus, sei es in Punkto Lizenz, Abdeckung, Regulierungsverständnis oder Expertentum.

Herr Ohlhausen, Herr Bach, vielen Danke für die Einblicke.aj

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