KARRIERE9. Feb. 2015

Verschobene Schwerpunkte bei der Rekrutierung: Compliance Manager statt Investmentbanker

Henning Sander, Leiter der Business Unit Banking, Executive Search, Hager UnternehmensberatungHager Unternehmensberatung
Henning Sander, Leiter der Business Unit Banking, Executive Search, Hager UnternehmensberatungHager Unternehmensberatung

Gestern waren Investmentbanker noch hoch im Kurs und gesucht, heute gibt es deutlich weniger Vakanzen zu besetzen. Die Schwerpunkte bei der Rekrutierung im Bankensektor haben sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre stark verschoben. Heute sind es die Compliance Manager und die Experten für regulatorische Anforderungen, die hoch im Kurs sind und überall gesucht werden.

Mit den erhöhten Auflagen und komplexeren Anforderungen sind der Bedarf und die Notwendigkeit an Experten im regulatorischen Umfeld explosionsartig angestiegen. Auch hat der von der EZB verordnete Stress Test Auswirkungen auf die personellen Besetzungen im regulatorischen Umfeld gezeigt. Die EZB rekrutiert tausende neue Mitarbeiter in diesem Bereich. Dies hat unter anderem zur Folge, dass im Allgemeinen Bankensektor personelle Lücken entstanden sind. Die neuen Vorschriften und Gesetze für die Finanzbranche machen das Business immer komplexer. Compliance Verantwortliche sorgen für Durchblick und die Einhaltung der Regeln.

Comply or die!

Ob BASEL III, MiFID, IFRS oder AGG – die Kürzel-Kette neuer Verordnungen und Gesetze will einfach nicht abreißen. Kaum haben die Finanzdienstleister ein Thema mit großem Aufwand umgesetzt, steht auch schon das nächste druckfrische Regelwerk vor der Tür. Noch härter trifft es die international operierenden Konzerne. Sie müssen nicht nur auf die Vorgaben aus Berlin und Brüssel reagieren, sondern darüber hinaus den Regeln in anderen Ländern und Märkten genügen.

Die Auflagen, die im Finanzsektor im Bereich Eigenkapital und auch auf regulatorische Aspekte abverlangt werden, sind extrem gestiegen.

Viele Banken mussten reagieren und haben bereits seit Längerem auch ihre Personaldecke ‚prophylaktisch‘ erhöht. Besonders die Institute, die durch Störfälle unter Sonderaufsicht der EZB standen oder noch stehen, haben ihre Mitarbeiterzahlen aufgestockt.
Das Netz der Vorschriften wird immer engmaschiger und komplexer, die hieraus resultierenden Haftungsrisiken wachsen beständig. Und damit auch die Bedeutung einer Berufsgruppe, die sich sonst im Hintergrund hält – das Compliance-Management. Aufgabe der Compliance-Abteilung ist es, Haftungsrisiken für ihr Unternehmen zu minimieren und eine reibungslose Durch- und Umsetzung neuer Regeln zu organisieren. Viele Unternehmen haben auch die Bekämpfung der Geldwäsche in diesem Bereich angesiedelt.

Engpässe wurden nicht frühzeitig erkannt

Die veränderte Situation am Finanzmarkt, erhöhte Auflagen und komplexere Anforderungen seit der Finanzkrise 2007-2008 und die daraus resultierende Notwendigkeit, personelle Vorkehrungen zu treffen, sind nicht erst seit Kurzem bekannt. Allerdings ist der Personalbedarf in der jüngsten Vergangenheit explosionsartig angestiegen. Viele Finanzinstitute haben lange Zeit diese veränderten Anforderungen nicht realisiert und auch nicht die aufkommenden personellen Engpässe vorhergesehen. Es handelt sich hierbei nicht um Personal, das sich in der Bankenszene auskennt oder mit den geforderten Regeln vertraut ist. Vielmehr sind hierbei Spezialisten vonnöten, die eine Schnittstelle bilden. Gefordert sind Allrounder, die Anforderungen erkennen, ihr Netzwerk umspannen und auch die Themen in die verantwortlichen Fachbereiche kommunizieren und Botschaften transportieren können. Außerdem müssen auch für die IT-seitige Umsetzung die Anforderungen in eine IT-verständliche Sprache übersetzt werden. Es genügt hierbei nicht, den Fokus einzig auf ein Fachgebiet zu setzen, hier müssen die Spezialisten den Blick auf das Ganze haben und gleichzeitig in die Tiefe schauen können.

Mitarbeiter, die Regulatorik umsetzen sind gesucht

Aktuell werden massiv Mitarbeiter im Bankenumfeld gesucht, die in der Lage sind, mit ihrem Wissen die Anforderungen im regulatorischen Bereich umsetzen zu können. Die Spezialisten müssen sich mit Fragen auseinander setzen wie: ‚Was bedeutet der Gesetzestext für mein Unternehmen‘? Wie kann man ihn interpretieren und Handlungsempfehlungen für das eigene Umfeld daraus ableiten.
Komplexe Sachverhalte müssen auf einfache Weise an Entscheidungsträger übersetzt und kommuniziert werden. Der Bedarf an Personal im Compliance und Risk Management Bereich ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 20 Prozent gestiegen.

Die gesuchten Spezialisten am Finanzmarkt müssen es verstehen, erfolgreich zwischen den unterschiedlichen Interessen zu vermitteln und den Fachabteilungen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. Für diese Anforderungen gibt es keinen dezidierten Lehrstuhl oder Ausbildungsberuf, hier erfordert es ein lebenslanges Lernen.

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http://www.it-finanzmagazin.de/?p=9587
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