FINTECH27. Jun. 2016

Was nun number26? Das bringen 40 Millionen US‑Dollar dem Banken-Herausforderer …

Linsenbarth-Rudolfprivat
Linsenbarth-Rudolfprivat

number 26 hat gerade in der sogenannten Serie-B-Finanzierungsrunde über 40 Millionen US-Dollar erhalten. Unter den Investoren sind klangvolle Namen wie Horizons Ventures als Lead-Investor, aber auch der Fonds von Li Ka-Shing, dem zweitreichsten Mann aus Asien und der US-Wagniskapitalgeber Battery Ventures. Einige der bisherigen Investoren wie Valar Ventures von Peter Thiel, dem Gründer von PayPal, ziehen bei dieser Runde mit.

von Rudolf Linsenbarth

Das frische Geld wird dringend benötigt für das weitere Wachstum in Deutschland und Europa, heißt es. Angeführt werden hier vor allem Investitionen in das Marketing. Spekuliert wird auch über die Verwendung als Eigenkapital für den Erwerb einer eigenen Bank-Lizenz.

Geld abheben ist nicht profitabel

Ein Teil des Geldes muss auch dazu verwendet werden, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten. Aktive Kunden, die regelmäßig Geld abheben, sind, wie man in der jüngeren Vergangenheit lernen konnte, alles andere als profitabel. Ein Kunde, der zweimal im Monat zum Geldautomaten rennt, verursacht Kosten von ca. 40 € pro Jahr. Diesen Betrag nimmt number 26 wieder ein, wenn derselbe Kunde einen Kartenumsatz von 20.000 € macht. Ein Widerspruch in sich. Wer für den Einkauf cash verwendet, setzt seine Karte nicht ein.

Da wäre es doch geschickter, sich auf eine Zielgruppe zu konzentrieren, die nicht jede Woche Bargeld abheben möchte. Wahrscheinlich ist das auch eine der Strategien im „number 26 Labor“. Das FinTech Startup aus Berlin muss also vor allem die Kunden ansprechen, die zum obigen Geschäftsmodell passen und trotzdem das exponentielle Wachstum nicht aus den Augen verlieren. Nur durch Wachstum wird es auf Dauer gelingen, die Prozesse zu skalieren und damit profitabel zu werden.

Ausprobieren, experimentieren und sich laufend neu erfinden

Auf dem Weg dahin probiert number 26 sehr viel aus und macht zwangsläufig Fehler. Die Sache mit der Kündigung und der schlechten Kommunikation ist nur der prominenteste. So ist Europas modernstes Girokonto zum Beispiel ohne kontaktlose Karte gestartet. Zu einem Zeitpunkt, als eigentlich klar war, dass NFC die Zukunft gehört. Die number 26 App funktionierte zu Beginn ausgerechnet auf dem iPhone 6 nicht! Ein Wechsel auf ein anderes Smartphone war nur per Anruf im Kundencenter möglich. Nach Einführung des Dispo per Knopfdruck wurde erstmal jeder Kunde abgelehnt. Die Liste ließe sich um etliche Punkte erweitern.

Entscheidend ist, dass die Bugs von number 26 meist in überschaubarer Zeit gefixt worden sind.“

Die Strategie dahinter ist es, viele Features schnell auszuprobieren. Was Erfolg hat, wird ausgebaut, alles andere macht Platz für die nächste „Innovation“. Dabei knirscht es eben auch manchmal. Eine Vorgehensweise, die jedem traditionellen Banker ein Graus sein dürfte. 

Rudolf Linsenbarth
Linsenbarth-Rudolf-516Rudolf Linsenbarth ist Seni­or Consultant für den Be­reich Mobile Payment und NFC bei COCUS Con­sul­ting. Zuvor war er 11 Jah­re im Bank­bereich als Seni­or Technical Specia­list bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Banken­gruppe). Linsenbarth ist ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Blog­ger der Fi­nanz­szene und kommentiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.
Ob die dabei erzielten Ergebnisse dann als revolutionär bezeichnet werden können, liegt eher im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall hilft die Methode number 26 schneller Strategieschwenks zu vollziehen. Nur so lässt sich das angepeilte Wachstum vollziehen, ohne noch mehr Geld in die Hand nehmen zu müssen. Nicht zu unterschätzen, jede kleine Änderung bedeutet auch Interaktion mit dem Kunden. Die Erkenntnis, was der Kunde wirklich akzeptiert, bekommen nur die Banken, die auch etwas verändern.

Ist number26 wie Zalando?

Eine „wir wachsen mal und kümmern uns um die Profitabilität später Strategie“ kann funktionieren. Zalando hat das eindrucksvoll bewiesen. Im Bereich Mode ist der etablierte Versandhändler Otto längst überholt. Die Zalando Unternehmensgründer Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter sind bei der aktuellen number 26 Finanzierungsrunde übrigens auch dabei, mit ihrem privaten Geld.

Vielleicht gibt es ja zusätzlich einen Wissenstransfer in Sachen Wachstumsstrategie. Da trifft es sich dann gut, dass beide Firmen von Berlin aus operieren.rl

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http://www.it-finanzmagazin.de/?p=32725
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