STUDIEN & UMFRAGEN27. April 2021

Solarisbank-Studie: 61% der Deutschen würden Finanzdienstleistungen von Online-Shops beziehen

Solarisbank

Banken bekommen bereits seit Jahren Konkurrenz aus dem E-Commerce-Umfeld – mit Kundenkarten, Loyalty-Programmen und Payment-Lösungen, die in Kunden-Apps implementiert werden. Eine Studie der Solarisbank hat jetzt das Potenzial von 21 führenden E-Commerce-Anbietern im Hinblick auf eigene Finanzdienstleistungen analysiert. Das Ergebnis sollte insbesondere Banken alarmieren, für die das Girokonto lange Jahre der Türöffner beim Kunden war: Mehr als ein Viertel der Deutschen würde ein Girokonto bei Amazon eröffnen, gefolgt von Lidl und dm. Unterm Strich, so prognostiziert Solarisbank, könnte der Markt für Embedded Finance bis 2025 ein Marktvolumen von rund 230 Milliarden Euro erreichen.

Die Solarisbank hat eine umfassende Studie zur Entwicklung von Embedded Finance vorgestellt. Die gemeinsam mit dem Handelsblatt Research Institute erarbeitete Studie analysiert das Marktpotenzial des globalen Trends am Beispiel der E-Commerce-Branche in Deutschland. Der Begriff Embedded Finance steht hier für die Integration von Finanzdienstleistungen in das Produktangebot und die Plattformen von Nicht-Banken und hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Für den Bankensektor, der sich bekanntermaßen in einem massiven Transformationsprozess befindet, könnte das zum ernsthaften Problem werden. Denn im Zuge der Öffnung der Finanzindustrie durch Open Banking drängen immer mehr branchenfremde Unternehmen in den Markt und bieten ihren Kunden integrierte Finanzdienstleistungen direkt an. Die neuen Wettbewerber verfügen über eine starke Kundenbindung, ein großes Ökosystem und kooperieren mit Banking-as-a-Service-Anbietern wie der Solarisbank (die inzwischen komplett cloudbasiert arbeitet) – und wenn wir ehrlich sind, taugen manche der Marken eher als Lovebrand als viele deutsche Banken, die Themen wie Purpose nur begrenzt zu einem Element ihres Markenkerns gemacht haben.

Solarisbank

Um ein konkretes Potenzial für den deutschen Markt zu berechnen, wurden in der Studie 21 führende E-Commerce-Anbieter hinsichtlich der Kundenzufriedenheit und -Interaktionsrate analysiert, sowie eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt. Die hohe Penetrationsrate des E-Commerce von 75 Prozent und eine weitgehende Durchdringung in allen Bevölkerungsgruppen lassen so auf das Gesamtpotenzial von Embedded Finance schließen.

Im Ergebnis der Studie können sich 61 Prozent aller Befragten die Nutzung einer integrierten Finanzdienstleistung bei mindestens einem der genannten E-Commerce-Anbieter vorstellen. Mehr als ein Viertel ist etwa bereit, ein Girokonto bei Amazon zu eröffnen. Der E-Commerce-Riese aus den USA liegt damit deutlich an der Spitze der verglichenen Anbieter, ist aber kein Einzelfall. Das Ganze würde auch gut in das Konzept von Amazon passen, einerseits möglichst viele Touchpoints im (finanziellen) Leben der Kunden abzudecken und den Kunden möglichst auch häufig, mindestens täglich zu adressieren.

Internationale Beispiele für Embedded Finance

Beispiele gibt es international reichlich: Einige führende Marken wie Samsung, Apple oder Amazon haben die Vorteile von Embedded Finance bereits früh erkannt. Sie können die Kundenloyalität steigern, die Anzahl der Kundenkontakte erhöhen und zusätzliche Einnahmen generieren.

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Das größte Potenzial sehen wir bei Unternehmen mit kundenzentrischen Geschäftsmodellen, die die Kundendaten intelligent nutzen. Wenn sie dieses Wissen nun mit dem Bezahlverhalten ihrer Kunden anreichern, können sie maßgeschneiderte Finanzprodukte in einer Qualität anbieten, die von der eines persönlichen Finanzberaters nicht zu unterscheiden ist.“

Dr. Roland Folz, CEO der Solarisbank

Während es in Europa noch wenige Embedded Finance-Anbieter gibt, gelten China und die USA, wo bereits große Technologieunternehmen ihre Ökosysteme um integrierte Finanzdienstleistungen ergänzt haben, als Vorreiter. Lightyear Capital schätzt, dass der Markt für Embedded Finance von gegenwärtig rund 22,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025 auf etwa 230 Milliarden Euro weltweit anwachsen wird. Der Finanzinvestor Bain Capital schätzt zudem den allein in den USA erreichbaren Umsatz mit Embedded Finance bis zum Jahr 2030 auf rund 3,6 Billionen Euro.

solarisBank

Das Potenzial für Embedded Finance in Deutschland und Europa ist gewaltig. Die Vorteile für die Anbieter liegen auf der Hand: Neue Umsatzmöglichkeiten zu niedrigen Grenzkosten, Vertiefung der Kundenbeziehung und eine Vielzahl von Datenpunkten zur Verbesserung des Kundenerlebnisses. Ein zentraler Erfolgsfaktor für die Anbieter ist zweifellos eine nahtlose technische Integration. Nur so kann eine reibungslose Customer Journey ermöglicht werden.“

Jörg Diewald, CCO der Solarisbank

Kampfansage an die Banken

Unterm Strich ist ein solches Gedankenspiel, das die Solarisbank da aufzeichnet, erst einmal ein Signal an die Handelsunternehmen und E-Commerce-Player, dass sie so etwas auch mit der Solarisbank oder anderen Banking-as-a-Service-Playern realisieren können. Es dürfte aber auch eine Kampfansage für die Banken sein, die in den letzten Jahren das Girokonto oder einfache Geldanlageprodukte wie Tages- und Festgeld als Türöffner für größere Zusammenarbeit mit dem Kunden genutzt haben. Gerade in Zeiten, in denen branchenübergreifend an der Kostenschraube gedreht wird und Kunden mit ungünstigeren Verträgen dazu animiert werden, eine Kundenbeziehung bei einer Bank zu überdenken, könnte ein großer E-Commerce-Player oder eine Handelsplattform sehr gut als Ausweichmöglichkeit und Zuflucht für unzufriedene Kunden taugen. Dass Nicht-Banken ganze Finanzplattformen „aus der anderen Richtung“ aufbauen können, beweisen zudem Player wie Klarna.

Die komplette Studie können Sie unter Angabe Ihrer Kontaktdaten kostenlos herunterladen.tw

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