STRATEGIE30. Januar 2020

8 Faktoren, warum Krypto­währungen eine Zukunft haben

eamesBot/bigstock.com

Nutzerzahlen und Investitionen in Krytowährungen und Blockchain-Projekte steigen. Im schweizerischen Krypto Valley arbeiten 800 Firmen mit 4000 Angestellten an der Digitalisierung von Vermögenswerten. Auch die Regulierer nehmen sich dem Thema an. Im digitalen Zeitalter sind Kryptowährungen die nächste logische Entwicklungsstufe des Geldes. Frank Schwab hat acht Gründe zusammengetragen, warum seiner Meinung nach Kryptowährungen eine echte Zukunft haben.

von Frank Schwab

1. Benutzer, Volumen, Transaktionen und Anzahl der Apps wachsen kontinuierlich

Die Marktkapitalisierung für Kryptowährungen hat sich in den letzten 12 Monaten verdoppelt, und das Volumen hat sich von 20 Mrd. USD auf 100 Mrd. USD verfünffacht.

Außerdem hat sich die Anzahl der Kryptowährungs-Wallets in drei Jahren von 9 Millionen im dritten Quartal 2016 auf 42 Millionen im dritten Quartal 2019 verfünffacht.

Während die Zahl der Kryptowährungstransaktionen in den ersten Jahren rapide gewachsen ist, hat sich das Wachstum im Jahr 2019 verlangsamt. Heute können wir täglich 350.000 ETH-Transaktionen und 650.000 BTC beobachten.

Und auf der Webseite stateofthedapps.com kann man verfolgen, wie die Anzahl von Krypto- und Blockchain-Applikationen monatlich steigt.

2. Das Krypto Valley und die getätigten Investitionen

Allein im schweizerischen Krypto Valley arbeiten 800 Firmen mit 4000 Angestellten an Blockchain-Anwendungen und der Digitalisierung von Vermögenswerten.“

Mit über 400 registrierten Unternehmen, darunter mehrere Einhörner, ist der Kanton Zug das Herz des «Crypto Valley». Weitere Zentren sind Zürich mit 138 Unternehmen, Genf (45), Tessin (43) und Waadt (26). Im Nachbarland Liechtenstein sind 42 Unternehmen registriert.

Frank Schwab ist Mitbegründer des Frankfurter FinTech ForumFrank Schwab

Seit dem Jahr 2013 wurden bereits mehr als 10 Milliarden USD in die noch sehr junge Blockchain- und Kryptoindustrie investiert. Die Investitionen und Zentren, wie das schweizerische Kryptovalley, sind wesentliche Treiber für die Zukunft von Blockchain und Kryptowährungen.

3. Der Kryptomarkt wird reguliert und reift

Noch im Mai 2019 sagte Burkhard Balz, Vorstand der Deutschen Bundesbank:

Geld ist für uns von zentraler Bedeutung. Geld und alle Arten des Geldtransfers sind unser Kerngeschäft.“

Grundsätzlich sieht Balz, wie viele Vertreter von Notenbanken, Kryptowährungen sehr kritisch.

Nur ein Jahr später, im Januar 2020, berichtet „The Wall Street Journal“:

Eine von zehn im Jahr 2019 befragten Zentralbanken gab an, in den nächsten drei Jahren digitale Währungen anbieten zu können, die etwa 20% der Weltbevölkerung abdecken.“

Die Bank of Canada, die Bank of England, die Bank of Japan, die Europäische Zentralbank, die Sveriges Riksbank und die Schweizerische Nationalbank haben kürzlich zusammen mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eine Gruppe „Erfahrungsaustausch für digitale Zentralbank-Währungen“ gebildet.

In der gesamten Welt gibt es zunehmend klare staatliche Regeln für Kryptowährungen.

Auch die Tools für Anleger werden professioneller. Beispielsweise gibt es mit „WeissCryptoRatings“ eine inzwischen etablierte und professionelle Ratingagentur für Kryptowährungen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass Kryptowährungen immer häufiger akzeptiert werden und sich schrittweise klare Regelwerke herausbilden.

4. Das globale Finanzsystem verlagert sich von der US-Dollar-Zentrierung zu einem Mehrwährungssystem

Die Londoner Wochenzeitschrift „The Economist“ veröffentlichte kürzlich einen ausführlichen Artikel mit folgender These: „Amerikas aggressive Sanktionen gefährden die Herrschaft des Dollars“. Die zugrundeliegenden Argumente haben Bedeutung und spielen Kryptowährungen in die Hand. Zuletzt war Russland damit beschäftigt, Teile seines Finanzsystems zu „entdollarisieren“. Seit 2013 hat die russische Zentralbank den Dollar-Anteil ihrer Devisenreserven von über 40% auf 24% gesenkt. Elvira Nabiullina, die Gouverneurin der russischen Zentralbank, sagt:

Wir bewegen uns schrittweise in Richtung eines internationalen Währungssystems mit mehreren Währungen.“

Autor Frank Schwab
Frank Schwab ist Mitbegründer des Frankfurter FinTech Forum, Mitglied des Board of Directors der Gulf International Bank in Bahrain, Mitglied des Risk Advisory Committee bei PayU in Amsterdam und Investor in Kryptowährungen und europäische FinTech-Startups. Seine Hauptinteressen sind neue Ideen, Kreativität, Innovation, Technologie und Banking.

Zuvor war er Geschäftsführer der GIZS (paydirekt / Sparkassen), CEO der Fidor TecS AG, Chairman von Hufsy in Kopenhagen, Senior Advisor bei McKinsey & Company, Mitglied des Technology Advisory Board der Sberbank in Moskau und Director of Innovation bei der Deutschen Bank. Frank Schwab hat auch mehrere Jahre als Dozent für Kreativitäts- und Innovationsmanagement an der Mannheim Business School unterrichtet.

ING geht davon aus, dass 62% der Waren- und Dienstleistungsexporte Russlands im Jahr 2019 in US-Dollar abgewickelt wurden. Im Jahr 2013 waren es noch 80%. Der russische Handel mit China wurde 2013 fast ausschließlich in US-Dollar abgewickelt. Jetzt ist es weniger als die Hälfte. Und Xi Jinping und Vladimir Putin sagten, sie würden die Abwicklung des bilateralen Handels in ihren eigenen Währungen ausweiten.

Vor dem Hintergrund eines jüngsten Gipfels schlugen Staats- und Regierungschefs aus dem Iran, Malaysia, der Türkei und Katar vor, Kryptowährungen, Landeswährungen, Gold und Tauschhandel für den Handel zu verwenden.

Großbritannien, Frankreich und Deutschland haben mit Unterstützung der EU-Kommission INSTEX ins Leben gerufen. INSTEX ist im Wesentlichen ein Tauschmechanismus, mit dem Unternehmen Handel treiben können, ohne auf den Dollar oder SWIFT zurückgreifen zu müssen.

China, Indien und andere prüfen eine gemeinsam betriebene SWIFT-Alternative.

Und Mark Carney, der Gouverneur der Bank of England, sagt, dass das Dollar-zentrierte System „nicht halten wird“. Der US Dollar als internationale Reservewährung sank um 15,5 Prozentpunkte von 77,2 % im Jahr 1970 auf 61,7 % im Jahr 2018. Infolgedessen nimmt die internationale Bedeutung des Dollars ab.

5. Im digitalen Zeitalter sind Kryptowährungen die nächste logische Entwicklungsstufe des Geldes

Frank Schwab

Ob Muscheln, Salz oder Steingeld, Menschen brauchen etwas, das einen bleibenden Wert symbolisiert und sich als Tauschmittel für Unternehmen eignet.

Die Goldmünze „Aureus“ aus dem Jahr 82 v. Chr. begründete den ersten Geldstandard.

Das erste Papiergeld wurde in der frühen Nördlichen Song-Dynastie (960-1127) in der westchinesischen Stadt Chengdu ausgegeben. Weil Münzen knapp geworden waren, wurde Papiergeld als Notgeld zur Finanzierung eines Krieges eingesetzt.
1950 gründeten der Geschäftsmann Frank McNamara und sein Anwalt Ralph Schneider die Kreditkartenfirma Diners Club, um Kreditkarten wie wir sie heute kennen auszustellen.

Das Bitcoin White Paper von Satoshi Nakamoto wurde in einer Kryptografie-Mailingliste von 2008 vorgestellt und die ersten 50 Bitcoins wurden am 3. Januar 2009 generiert.

Es ist offensichtlich: Geld verändert sich. Und angesichts des digitalen Zeitalters sind Kryptowährungen die nächste logische Entwicklungsstufe des Geldes.

6. „Burning man“ und der Wunsch nach Freiheit

In seiner Arbeit „Entnationalisierung des Geldes“ (1976) stellt der Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek fest: „Der einzige Weg, letztlich die Zivilisation zu retten, wird darin bestehen, den Regierungen ihre Macht über das Geld zu entziehen. Die bisherige Instabilität der Marktwirtschaft ist eine Folge davon, dass der wichtigste Regulator des Marktmechanismus, das Geld, seinerseits von der Regulierung durch den Marktprozess ausgenommen wurde.“

Der dahinter liegende Gedanke „Weniger Staat“ ist auch eine Triebfeder des jährlichen „Burning Man“ Festivals in der Black Rock Wüste in Nevada, USA. Das neun Tage dauernde Festival von Künstlern, Unternehmern und Selbstdarsteller aller Art hat mittlerweile 75.000 Teilnehmer. Das Besondere: während des Festivals entsteht in der Wüste eine temporäre Stadt mitsamt Krankenhaus und Flughafen, die hinterher wieder komplett und spurlos abgebaut wird. Höhepunkt und Abschluss des Festivals ist die Verbrennung des übergroßen „Burning Man“, eines bis zu 30 Meter großen Mannes.

„BITNATION“ und „Liberland“ sind zwei weitere Beispiele für den Einsatz von Blockchain-Technologien und Kryptowährungen hinsichtlich Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von traditioneller staatlicher Ordnung.

Bitnation wurde am 14. Juli 2014 von Susanne Tarkowski Tempelhof gegründet. Zweck ist es, „die Menschheit von der Unterdrückung und Sanktion der vereinten Souveränität, der geografischen Apartheid und der Fremdenfeindlichkeit und Gewalt zu befreien, die durch das Oligopol des Nationalstaats gefördert wird.“

Liberland ist eine Mikronation (7 km²) in einem Niemandsland zwischen Kroatien und Serbien. Es wurde ursprünglich von keinem interessierten Staat beansprucht. Der Gründer und gewählte Präsident von Liberland ist Vit Jedlicka. Er proklamierte die Freie Republik Liberland im Jahr 2015. Inzwischen kann online die elektronische Staatsbürgerschaft der Freien Republik Liberland beantragen. Der Liberland Merit ist die (Krypto-) Währung von Liberland. Das Motto des Landes lautet: Leben und leben lassen.

Frank Schwab

7. Disruptive Blockchain-Technologie

Die den meisten Kryptowährungen zugrunde liegende Technologie basiert auf der Blockchain.

Die Blockchain-Technologie speichert Datenblöcke in einer verketteten Reihe, auf verschiedenen Computern übers Internet verteilt und mittels kryptographischer Verfahren stark verschlüsselt.

Wichtig zu wissen: Im Rahmen der Dezentralität und Verschlüsselung der Blockchain spielen Kryptowährungen eine integrale, nicht zu trennende Rolle.

Frank Schwab

Während in den letzten Jahrzehnten das Vertrauen in Banken abgenommen hat, ist das Vertrauen in neue Technologien gestiegen. Die Blockchain-Technologie hat es inzwischen geschafft, dass weltweit mehrere Millionen Menschen ihr insgesamt mehr als 250 Milliarden Euro anvertrauen. Tendenz steigend.

Eine Weiterentwicklung der Blockchain sind die „Smart Contracts“. Dabei handelt es sich programmierbare Verträge, die bei bestimmten Ereignissen in Kraft treten.

Inzwischen gibt es viele hunderte Anwendungen in den verschiedensten Industriezweigen. Die Energieindustrie experimentiert beispielsweise mit Smart Contracts, um einen direkteren Austausch zwischen dezentralen Energieerzeugern und -verbrauchern zu ermöglichen. Die Automobilindustrie forscht an Geldbörsen für ihre Autos, damit Benzin und Parktickets automatisch bezahlt werden können. Und in der Finanzindustrie sind beispielsweise automatische Dividendenzahlungen in Abhängigkeit von bestimmten Finanzkennzahlen gut vorstellbar.

8. Schaffung neuer Geschäftsmodelle

Bleiben wir zunächst bei der Automobilindustrie. Beispielsweise will Jaguar Land Rover diejenige Autofahrer belohnen, die ihre Daten mit IOTA-Kryptowährungs-Token austauschen. Die Daten, für die Jaguar Land Rover zahlt, enthalten unter anderem Informationen zu Verkehrsstaus oder Schlaglöchern. Es soll auch eine Belohnung geben, wenn Fahrer ihre Fahrzeuge für Carsharing-Dienste zur Verfügung stellen. Mit den verdienten IOTA-Token könnten dann Bußgelder, Parktickets oder – in Elektroautos – das Aufladen von Batterien bezahlt werden.

Vielleicht löst „steemit.com“ in der Zukunft Facebook ab. Schwer vorstellbar? – Aber auf jeden Fall wäre steemit die fairere Social Media Plattform. Denn als Ersteller von STEEMIT-Inhalten erhalten Sie „STEEM“ von Ihren Lesern. STEEM ist eine Kryptowährung. Aktuell ist ein STEEM circa 0,17 US Dollar wert und kann auf mehreren Krytobörsen getauscht werden. Nicht selten erhält eine Autorin mehr als 100 US Dollar für einen auf steemit geteilten Beitrag. Aktuell noch eine Plattform für Nerds aus der Kryptoszene vielleicht in wenigen Jahren eine erfolgreiche, globale Social Media Plattform. – Blocker, Influencer, Fotographen, Wissenschaftlicher und andere, die viel und häufig veröffentlichen, würde es freuen.

Und nochmals eine bemerkenswerte Anwendung im Zusammenhang mit IOTA. Das taiwanesische Startup Lidbot, aus dem Bereich der Abfallwirtschaft, hat in Zusammenarbeit mit IOTA einen intelligenten Sensor entwickelt, der Daten innerhalb eines Abfallwirtschaftssystems sammelt. Der Sensor misst den Abstand vom Deckel bis zum Boden und kann damit jede Mülltonne oder Behälter zu einem intelligenten Gerät des IOTA-Ökosystems machen. Innerhalb einer „intelligenten Stadt“ können Entsorger benachrichtigt werden, sobald Müllbehälter voll sind und so Ressourcen, Zeit und Geld sparen.

Übrigens, IOTA strebt an, die führende Kryptowährung für Maschinen-zu-Maschinen Zahlungen zu werden und ist weltweit Partnerschaften aus verschieden Industriebereichen eingegangen.

Und in der Finanzwirtschaft lassen sich mittels Blockchain viele papierhafte Abwicklungsprozesse, insbesondere im internationalen und grenzüberschreitenden Bankenverkehr deutlich optimieren. Ein offensichtlicher Bereich ist Trade Finance. Grundsätzlich kann man mit Kostenersparnissen von über 30 Prozent rechnen. Außerdem entstehen neue Banking Märkte, Produkte und Services, wie beispielsweise die Kryptowährungs-Anlageprodukte der Frankfurter ICONIC HOLDING oder das kombinierte Kryptowährungs-Bankkonto eines Berliner Startups.Frank Schwab

 
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