STUDIEN & UMFRAGEN18. März 2022

Banken investieren verstärkt in Blockchain-Technologien

Die Studie „Branchenkompass Banking 2021“ kostet 75 Euro. <Q>Sopra Steria
Die Studie „Branchenkompass Banking 2021“ kostet 75 Euro. Sopra Steria

Laut einer Umfrage von Sopra Steria erwartet jeder dritte Bankentscheider in Deutschland, dass Kryptowährungen als Assetklasse stärker an Bedeutung im Bankengeschäft gewinnen. Im Fahrwasser dieser Entwicklung steigen auch die Investitionen in Blockchains. Vor allem im Firmenkundensegment sehen die Banker großes Potenzial für Blockchain- und Distributed-Ledger-Technologien (DLT) sowie Smart Contracts.

Für Banken ist die Blockchain-Technologie aus verschiedenen Gründen interessant – nicht nur als Grundlage für Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und anderen. Es lassen sich Transaktionen im digitalen Zahlungs- und Geschäftsverkehr mittels kryptografischer Verfahren dezentral und sicher dokumentieren, so dass Manipulationen erschwert werden. Ein weiterer Aspekt ist die Tokenisierung, beispielsweise von Immobilien, Bio-Landwirtschaftsbetrieben und Windparks. Zu diesem Feld zählt auch das Geschäft mit digitalen Wertgegenständen, sogenannten Non-Fungible Token (NFT), das zunehmende Aufmerksamkeit genießt. Eine mögliche Anwendung ergibt sich daraus für Unternehmen, die beispielsweise eine öffentliche Blockchain nutzen können, um digitale Güter zu erstellen, die sofort an eine Krypto-Wallet geliefert werden.

Investitionen in DLT & Co. auf breiter Front

Blockchain liegt im Ranking zwar nur auf dem drittletzten Platz – ist jedoch für mehr als 80 Prozent der Banken von Interesse. >Q>Sopra Steria
Blockchain liegt im Ranking zwar nur auf dem drittletzten Platz – ist jedoch für mehr als 80 Prozent der Banken von Interesse. <Q>Sopra Steria

Weltweit haben Banken damit begonnen, sich diesen Markt zu erschließen, der neue Geschäfts-Chancen verspricht. 31 Prozent der befragten Institute in Deutschland haben praktische Erfahrungen mit Blockchain-Anwendungen gemacht, so die Studie. 29 Prozent planen die Einführung der Technologie, 22 Prozent denken über Anwendungsfälle nach, so einige Ergebnisse der Studie „Branchenkompass Banking 2021“ von Sopra Steria (75 €).

Die Analysten des Consulting- und Technologie-Unternehmen merken an, dass einige Banken in den vergangenen Monaten ihre Zurückhaltung gegenüber Kryptowährungen – zumindest ein Stück weit – aufgegeben haben. In Deutschland plant beispielsweise Union Investment, einzelnen Fonds künftig auch Krypto-Anlagen beizumischen. Die Sparkassen arbeiten ebenfalls an einem Projekt, das künftig den Handel mit Digitalwährungen wie Bitcoin oder Ethereum ermöglichen soll (hier die Details).

Das mögliche Verbot von energiehungrigen Proof-of-Work-Konzepten im Rahmen der Reglementierung von Krypto-Assets durch die EU (IT-Finanzmagazin berichtete) hätte diese Pläne möglicherweise beeinträchtigt. Doch die aktuelle Fassung der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto Assets) setzt nicht mehr auf Verbote, sondern auf eine Steuerung des Marktes im Rahmen der Taxonomie.

Neue Technologien genau prüfen

Die Unsicherheit im Umgang mit Kryptowährungen wie Bitcoin (Proof-of-Work-Konzept) und Ethereum (auf dem Weg zu einem Proof-of-Stake-Modell) wirkt sich insgesamt auf den Einsatz der zugrundeliegenden Blockchain- bzw. Distributed-Ledger-Technologien aus, so eine der Erkenntnisse der Studie. Weder setzten die Institute auf eine Technologie allein, noch würden Blockchains „auf Biegen und Brechen“ eingesetzt. Grundsätzlich lohnten sich Investitionen dann, wenn die Technologie wirklich den Unterschied ausmache, betont Mustafa Cavus, Blockchain-Experte von Sopra Steria. Für ihn sind Blockchain-Lösungen in erster Linie Ergänzungen der bestehenden technischen Ansätze.

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Sopra Steria

Eine Blockchain-Lösung ergibt zudem immer dann Sinn, wenn eine zentralisierte Lösung notwendig wäre, diese aber aus unterschiedlichen Gründen nicht herstellbar ist. Das gilt beispielsweise bei fehlendem Vertrauen sowie bei technischen oder finanziellen Begrenzungen.“

Mustafa Cavus, Sopra Steria

Use Cases für Blockchain im Firmenkunden-Geschäft

Banken in Deutschland und Europa entwickeln Blockchain-Anwendungsfälle eher für das Firmenkundengeschäft als für das Retail-Geschäft für Privatkunden. Entsprechende Ansätze zeigen sich beispielsweise im Risiko- und Sicherheiten-Management, wo komplexe Finanzgeschäfte mit Unternehmen und weiteren Beteiligten durch DLT messbar vereinfacht werden.

Ein ungewöhnliches Beispiel aus Italien nennt Sopra Steria: Die Bankengruppe Credem stellt dem Käsehersteller Latteria Soresina 20 Millionen Euro als Pfanddarlehen bereit, der die Käselaibe als Sicherheit stellt. Bank und Firmenkunde können den Gegenwert in Echtzeit überwachen. Dafür sorgt ein gemeinsam genutztes blockchain-basiertes Datenbanksystem, das mit der Handelskammer Mailand verbunden ist.

Ähnliche Effizienzgewinne sollen sich im Wertpapiergeschäft für Firmenkunden erzielen lassen, wo Banken nicht selten zwei Tage für eine Anpassung in einem Wertpapierportfolio benötigen. Hier bestehe ein großer Bedarf für schnellere Prozesse, vor allem wenn das Management an schnelle Kommunikation und automatisierte Abstimmungsprozesse gewöhnt ist, argumentiert Cavus. Die Blockchain-Technologie könne dazu beitragen, dass Risiken schneller geprüft, Dokumente und Freigaben nachvollziehbar vorliegen oder nötige Arbeitsschritte in Geschäftsbeziehungen mit Hilfe von Smart Contracts automatisiert und dokumentiert werden.

Über die Studie

Der Branchenkompass Banking 2021 zeigt, wo deutsche Banken im Veränderungsprozess stehen, wie sie mit den Herausforderungen umgehen und welche Strategien sie bis 2023 angehen und umsetzen wollen. Das Marktforschungsinstitut moweb research führte hierfür im Juli und August 2021 im Auftrag von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut eine Online-Befragung von 100 Fach- und Führungskräften von Banken mit Bilanzsummen von mehr als 500 Millionen Euro durch.

Den Branchenkompass können Sie für 75 Euro hier herunterladen.hj

 
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