STRATEGIE23. September 2020

Chinas digitale Währung: Wohin geht die Digital-Currency-Reise? Research Institute gegründet

China
Barbara CleveCleve & Company

Über digitale Zentralbank-Währungen (CBDC) wird zur Zeit viel geschrieben, in China wird seit August der digitale Renminbi getestet. Was weiß man über die chinesische digitale Währung?

von Barbara Cleve, Cleve & Company 

Seit 2014 wird intensiv an einer digitalen Währung geforscht, 2017 wurde von der People’s Bank of China das Digital Currency Research Institute gegründet. Die 2019 veröffentlichten Pläne zu Facebooks Libra beschleunigten diese Entwicklung erheblich, China sieht dies explizit als Bedrohung der eigenen Souveränität. Am 22. Juni diesen Jahres verkündete die People’s Bank of China (PBoC), dass das Backend für eine digitale Währung, genannt Digital Currency Electronic Payment (DCEP) fertiggestellt sei. Alle Mitarbeiter aus dem Projektteam der PBoC für die digitale Währung haben eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben und dürfen nichts über das Projekt weitergeben. Nachdem im April Screenshots eines Wallets der digitalen Währung veröffentlicht wurden, zeigen die Wallets jetzt durchgängig ein individuelles Wasserzeichen, um weitere unautorisierte Veröffentlichungen zu verhindern.

Ein Beta-Test erfolgte zuerst in Shenzen (bei Hongkong). Im August wurde vom Handelsministerium ein Plan verabschiedet, wie eine Ausweitung des Tests in drei große Wirtschaftsräume erfolgen soll: das Jangtse Delta mit Shanghai und den Nachbarprovinzen Jiangsu, Zhejiang und Anhui, Peking und den Großraum Hong Kong-Macau-Guangdong, dabei soll in Suzhou in der Provinz Jiangsu begonnen werden.

Diese Ausweitung würde bedeuten, dass bis zu 400 Millionen Menschen an dem Test teilnehmen können, ca. 29% der chinesischen Bevölkerung.“

Die Tests sollen noch eine Weile in kleinem Umfang fortgeführt werden und Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres ausgeweitet werden. Ob man die Tests auf das ganze Land ausdehnen kann, werde sich bald zeigen, so der Leiter der Blockchain Research Gruppe der China Internet Finance Association in einem Interview mit China Daily. Laut PBoC gibt es keinen offiziellen Zeitplan, allerdings soll der digitale Renminbi für die olympischen Winterspiele in Peking 2022 verfügbar sein.

Nach den Beta-Tests soll die Greater Bay Area, die Region mit Guangdong, Hong Kong, und Macau die erste sein, wo die DCEP offiziell eingeführt wird. Da in der Greater Bay Area unterschiedliche legale Systeme aufeinander treffen, steht sie im Fokus von Bemühungen, Handelsgrenzen zwischen diesen mit Blockchain-Technologie zu beseitigen und in der Region mit einem Bruttosozialprodukt von 2 Billionen Dollar eine einheitliche Wirtschaftszone zu schaffen.

Autor Barbara Cleve, Cleve & Company
Ich bin Mathematikerin und habe über 25 Jahre in unterschiedlichen Abteilungen einer Großbank gearbeitet. Dabei habe ich die Entwicklung von eigenentwickelten Mainframe-Applikationen bis zur Steuerung von Applikationen in Client-Server-Architekturen begleitet. Inzwischen pendle ich für Cleve & Company (Website) zwischen Kanada und Deutschland. Während meiner Anwesenheiten in Deutschland biete ich Banken und Finanzdienstleistern Beratung/Consulting, Business Analyse und Workshops rund um Digitalisierungsthemen an.
Nach den vier großen Staatsbanken China Construction Bank, Agricultural Bank of China, Bank of China und Industrial and Commercial Bank of China soll die digitale Währung auch in WeChat Pay angeboten werden. Auf einer veröffentlichten Liste der involvierten Unternehmen stehen neben den Staatsbanken die drei Telekommunikationsunternehmen China Mobile, China Telecom und China Unicom, Huawei und Tencent, nicht aber Alibaba, obwohl diese diverse Patente eingereicht haben, die in Zusammenhang mit einer digitalen Zentralbankwährung stehen. Teilnehmen können ausgewählte Personen, die bei einer der vier großen Staatsbanken ein Konto haben. Diese können sich innerhalb der App ihrer Bank eine Wallet für die digitale Währung anlegen. Einige Regierungsmitarbeiter sollen im Rahme des Tests auch Teile ihres Lohns in der digitalen Währung erhalten haben. Im Fokus des Tests sind Retail-Transaktionen, E-Commerce, das Bildungswesen und das Aufladen von Karten für die öffentlichen Verkehrsmittel. Auch ausländische Unternehmen wie Starbucks, McDonald’s und Subway nehmen an dem Test teil. Anfang August auftauchende Gerüchte, dass bereits Hauskäufe mit der DCEP erfolgt seien, widersprachen örtliche Autoritäten: Es handele sich bei Zahlungen mit dem digitalen Renminbi um kleine Beträge und es gebe in nächster Zeit auch keine Pläne, größere Transaktionen zu ermöglichen.

Der digitale Renminbi nutzt keine Blockchain, aber Blockchain-Techniken und kryptografische Methoden wie asymmetrische Verschlüsselung, Smart Contracts, UTXO (Unspent Transaction Output, eine Art Wechselgeld bei Blockchain-Transaktionen) und digitale Wallets. Dies wurde so bestätigt von Mu Changchun, dem Head of the People’s Bank of China Digital Currency Institute.

Für bessere Skalierbarkeit ist die DCEP zentralisiert. So soll sie sicher und von „kontrollierbarer Anonymität“ sein.“

Die verwendete Technik erlaubt es Chinas Zentralbank, die Geldbewegungen zu verfolgen und Transaktionen zu überwachen. Dies zeigen eingereichte Patente, die ein Trackingsystem betreffen, das Transaktionen und Zahlungspartner nachvollziehbar macht. Mu versichert, dass man eine Balance sucht zwischen erlaubten anonymen Zahlungen und spezieller Überwachung (“classified supervision”), wenn illegale Aktivitäten wie Geldwäsche involviert sind.

Die DCEP soll eine Transaktionsgeschwindigkeit von in der Spitze 220.000 Transaktionen in der Sekunde haben. Das muss sich in der Praxis allerdings erst noch zeigen.

Die DCEP basiert auf einem zweistufigen System: in der ersten Stufe gibt die PBoC die DCEP an Banken und non-financial Institutions wie Tencent aus. In der zweiten Stufe stellen diese Intermediäre die DCEP Firmen und Privatpersonen für den Zahlungsverkehr zur Verfügung. Wenn ein Nutzer eine ID oder eine Bankverbindung mit dem Wallet verknüpft, kann er mehr Geld in das digitale Wallet transferieren. Als Bargeldersatz ist der digitale Renminbi zinslos.

Nutzer können die digitale Wallet mit ihrem Konto verbinden und Renminbi gegen digitale Renminbi eintauschen.

Offensichtlich erhält man bei der Aktivierung eine spezielle Wallet-ID für Transaktionen zwischen der Wallet und den eigenen Bankkonten.“

Mit anderen Nutzern können digitale Renminbi über die Telefonnummer oder einen QR-Code ausgetauscht werden, oder indem sich die Telefone berühren (auch ohne Internetempfang). Es lässt sich eine Transaktionshistorie anschauen, Überweisungen tätigen oder erhalten, Kreditkartenrechnungen zurückzahlen oder „Red gift packets“ versenden, eine in China zum chinesischen Neujahr sehr populäre Art, Geld zu verschenken.

Um die DCEP Bargeld-ähnlicher zu machen, hat die PBoC ein System „lose verbundener Kontoverbindungen“ entwickelt. In klassischen elektronischen Zahlungsverkehrssystemen kann eine Transaktion nur zwischen zwei Konten stattfinden. In der DCEP Umgebung kann eine Transaktion zwischen zwei DCEP Wallets stattfinden, auch wenn diese nicht mit einem Bankkonto verbunden sind.

Bei dieser Transaktion sind keinerlei Intermediäre involviert, so dass die Zahlung wie bei Bargeld funktioniert.“

DCEP-Befürworter führen diese „lose Verbindung“ an, um zu begründen, dass eine gewisse Anonymität bei Zahlungen gewährleistet werden kann, ohne Betrügern und Geldwäsche zu viele Möglichkeiten einzuräumen. Außerdem soll so auch die Bevölkerung ohne Zugang zum Banksektor die digitale Währung nutzen können.

Es scheint vier verschiedene Wallets zu geben, mit unterschiedlichen Transaktionslimits. Wallets 1-3 sind auf eines pro Person pro Bank beschränkt. Wallet 4 erlaubt nur 500 Yuan (73$) pro Zahlungsvorgang, ein tägliches Limit von 1000 Yuan ($146) und 10.000 Yuan ($1458) pro Monat. Die berichteten höheren Limits pro Person waren inkonsistent, so dass sie evtl. individuell pro Person sind.

Die chinesische Regierung hat bestimmt, dass alle Händler, die digitale Zahlungen akzeptieren (wie Alipay, WeChat Pay, Apple Pay) die DCEP akzeptieren müssen. Damit wird die DCEP die am weitesten akzeptierte digitale Währung der Welt. Sie wird aber nicht an Kryptobörsen gelistet und ist nicht als Spekulationsobjekt gedacht. Da Kryptowährungen wie Bitcoin in China nicht als Zahlungsmittel zugelassen sind, ist die DCEP die einzig legale digitale Währung in China.

Ziel der DCEP ist, damit Bargeld zu ersetzen. Eine internationale Nutzung ist laut Li Lihui, dem früheren Präsident der staatseigenen Bank of China und jetzigen Chef der Blockchain Research Gruppe der China Internet Finance Association, nicht vorgesehen.

Dies gilt allerdings nicht für internationalen Handel. Derzeit gebe es fast keine Beschränkungen für grenzüberschreitende Zahlungen für Handel und Dienstleistungen mit dem Renminbi, so Li Lihui.“

Ein Problem seien aber Kapitaltransfers. Hier müsse besonders auf die finanzielle Sicherheit geachtet werden. Derzeit würde die Regierung ihren Bürgern ungern das Versenden von Kapital ins Ausland erleichtern. Gleichzeitig wollten die Bürger nicht, dass die Regierung weiß, ob und wohin sie Kapital transferieren.

Eine Nutzung der DCEP im internationalen Handel ist hingegen gewünscht, man verspricht sich hiervon einen Einfluss auf die Hegemonialität des Dollar. Mit der mobilen Wallet-Infrastruktur können die Teilnehmer der neuen Seidenstraße in Asien, Afrika und Europa verbunden werden, ohne auf eine existierende Infrastruktur angewiesen zu sein. Das würde 70 Länder betreffen und China Zugriff und Kontrolle über die Transaktionen von bis zur Hälfte der Weltbevölkerung geben.Barbara Cleve, Cleve & Company

 
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