STUDIEN & UMFRAGEN30. Juli 2019

Die Wertpapierbranche ist reif für den Einsatz von APIs

Photonphoto / Bigstock

SWIFT und die Boston Consulting Group haben eine gemeinsame Studie vorgelegt, die die wachsende Dynamik von API-Technologie in der Wertpapierbranche aufzeigt. Treiber ist dabei das Interesse der Firmen an höherer Effizienz und neuen Serviceangeboten.

Application Program Interfaces, kurz APIs, stehen einer neuen Studie zufolge vor dem Durchbruch in der Wertpapier-Dienstleistungsbranche. Die wesentlichen Gründe dafür sind das Streben der Firmen nach höherer Effizienz und neuen Geschäftsmodellen. Die neue Studie, die heute von SWIFT und der Boston Consulting Group (BCG) veröffentlicht wurde, zeigt ein rasch steigendes Interesse an APIs im Post-Trade-Bereich. Laut einer Umfrage der BCG stieg die Bekanntheit von APIs unter Asset Managern allein im Verlauf des Jahres 2018 um 26 Prozentpunkte auf 72 Prozent. Das wachsende Geschäftsinteresse treibt zunehmend mehr Pilotvorhaben und Anwendungsfälle voran, vor allem für die Schnittstelle zwischen Asset Managern und ihren Verwahrstellen.

APIs ermöglichen Effizienz und Kosteneinsparungen

APIs eignen sich sehr gut zur Unterstützung der Wertpapier-Dienstleistungsbranche, die mit zahlreichen und vor allem vielfältigen Anlageformen, komplexem Informationsaustausch und steigendem Gebührendruck zu kämpfen hat. Die Studie stellt vier Bereiche vor, in denen APIs der Branche Vorteile bieten können. Neben der höheren Effizienz und den Kosteneinsparungen durch automatisierten Datenaustausch spielt die Sichtbarkeit von Informationen wie Settlement-Status und innertäglichen Risiken in einer Echtzeitanzeige im Vordergrund. Hinzu kommen wertschöpfende Services im Analyseumfeld sowie operative Bezugsgrößen zur Unterstützung von Dienstleistern beim Performance-Vergleich mit ihren Mitbewerbern.

Der Studie zufolge haben APIs in der Wertpapier-Dienstleistungsbranche zum Teil langsamer Akzeptanz gefunden als in anderen Finanzdienstleistungsbereichen, da regulatorische Treiber fehlten. Zudem gibt es bei den Akteuren keine einheitliche Haltung hinsichtlich der Bereitschaft APIs einzusetzen, und es bestehen große Unterschiede bei ihrer technischen Ausstattung sowie ihrer Offenheit, sich mit Anbietern über API-Lösungen zu verständigen. Etwa 56% der Befragten in der BCG-Studie empfanden den Reifegrad von Post-Trade-APIs als „experimentell”, während lediglich 21% sagten, er sei „hoch” oder „mittel“.

SWIFT

APIs haben das Potenzial, zu einem kraftvollen Impulsgeber für Innovation in der Post-Trade-Branche zu werden, so wie sie das auch im Zahlungsverkehr und in anderen Bereichen des Banking erwiesen haben. Das Interesse an der Technologie wächst, und die ersten Ergebnisse der Erprobung sind vielversprechend. Um aber die breite Nutzung von APIs anzuregen und zu beschleunigen, müssen wir die Unsicherheit über Standards beseitigen und das Verständnis für die Reife der Technologie erhöhen.“

Juliette Kennel, Head of Securities and FX, SWIFT

So lassen sich API-Infrastrukturen optimal nutzen

Der Bericht formuliert vier Handlungsempfehlungen für die Branche:
1. Eine gemeinschaftliche allgemeine API-Infrastruktur schaffen. Grundlegende Bestandteile von API-Lösungen – wie Identifizierungsmanagement, Authentifizierung, Sicherheit und Netzwerkanbindung – sollten auf Branchenebene abgestimmt werden statt zwischen individuellen Firmen.
2. API-Standards zur Unterstützung der Interoperabilität festlegen. Eine Verbreitung vielfältiger Standards droht, die Effizienzgewinne durch APIs zu vermindern. Die Branche braucht einen gemeinsamen API-Standard, der für alle Anbieter funktioniert.
3. Netzwerk-APIs fördern anstelle von Punkt-zu-Punkt-Lösungen. Firmen profitieren von netzwerkverbundenen APIs. So kann beispielsweise ein einziger Anruf von einem Broker-Dealer zur Prüfung des Status eines Settlements zu vielen Verwahrern gleichzeitig geleitet werden. Eine Netzwerk-Lösung fördert zudem die Konvergenz sowohl von Datendefinitionen als auch von anderen API-Eigenschaften.
4. Strenge Standards für Sicherheit und gegen Ausfälle einhalten. Um an Zugkraft zu gewinnen, müssen alle API-Lösungen einen hohen Grad an Datenschutz aufweisen und eine hohe Ausfallsicherheit bieten.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Wholesale Banking immer digitaler wird – und dass APIs dabei eine der Schlüsseltechnologien sind, die diese Transformation unterstützen und nachhaltig fördern.

APIs beginnen nun, in die Wertpapier-Dienstleistungsbranche vorzudringen und entwickeln sich zu einer führenden Technologie, die Führungskräfte für den Übergang zum ‚digital first‘-Unternehmen nutzen. Obwohl bekannte Herausforderungen aus der Vergangenheit wie Interoperabilität und Sicherheit noch für Gegenwind bei der Einführung sorgen, glauben wir doch, dass sie überwunden werden und erwarten, dass sie in Zukunft zunehmend angenommen werden.“

Sumitra Karthikeyan, Global Head of Securities Servicing, BCG

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