STRATEGIE3. März 2021

High Performance Computing im Finanzsektor – Ohne Mut zur Innovation geht nichts!

HPC
Aroosh Thillainathan, Northern DataNorthern Data

In der Finanzbranche dreht sich alles um das Risiko und seine Beherrschung. HPC-Computing – insbesondere mit künstlicher Intelligenz und Deep-Learning-Funktionen – ermöglicht den Blick in die Kristallkugel. Wertpapierfirmen können damit Aktientrends vorhersagen, Banken können es nutzen, um die Betrugserkennung zu verbessern oder Kreditrisiken zu reduzieren, indem sie ein tieferes Profil ihrer Kunden erhalten.

von Aroosh Thillainathan, CEO Northern Data

Die berauschenden Fortschritte der Künstlichen Intelligenz, beispielsweise in der Medizin und in der Klimaforschung, in der Industrie 4.0 und beim autonomen Fahren sind große Gesprächsthemen, und auch IT-gestützte Bereiche wie Rendering oder Gaming explodieren geradezu. Vom enormen Durst nach der dafür nötigen Rechenleistung ist dagegen eher selten die Rede. Und das, obwohl der kontinuierlich steigende Bedarf so gigantisch ist, dass er ohne Spezialisten für High-Performance Computing (HPC) längst nicht mehr befriedigt werden kann.

Der Finanzsektor mit seinen hohen Anforderungen an Risikoanalyse und Betrugserkennung hat das früh verstanden und greift schon lange auf HPC-Profis zurück. Heute kommen für diese und andere Branchen verstärkt Computer-Cluster zum Einsatz, die auf Graphic Processing Units, beziehungsweise GPUs, basieren. Die ursprünglich für Grafikberechnungen konzipierten Prozessoren dienen als hochleistungsfähige Beschleuniger für Berechnungen aller Art.

Finanzrisiken durchspielen und Betrug erkennen

Autor Aroosh Thillainathan, Northern Data
Aroosh Thillainathan ist in Sri Lanka geboren und in Hanau aufgewachsen. Schon 2013 nahm ein Team um den heutigen CEO von Northern Data 50 Computer in Betrieb, um Bitcoin zu schürfen. 2014 gründete Thillainathan dann die Whinstone Group und leitete sie als Managing Director. 2020 wurde der 34-jährige Gründer und CEO der Northern Data AG (Website).
Im Kern des Bankgeschäfts steht das Risiko, und zu dessen Beurteilung braucht es seit jeher Informationen – Informationen, die heute in einer riesigen Datenflut enthalten sind. HPC-gestützte Berechnungen auf Basis dieser nie dagewesenen Datenmengen sind daher die neue Herausforderung. Wer sie bewältigt, kann zahllose Szenarios und Finanzrisiken durchspielen, Aussagen über die zu erwartenden Gewinne und Verluste treffen, Liquiditätsengpässe vermeiden, den Versicherungsbedarf kalkulieren und realisieren, Backtestings von Modellen durchführen und laufend weiterentwickeln, die Frontoffice-Preisbildung optimieren sowie Portfolios diversifizieren oder anpassen. Aber nicht nur das. Auch Maßnahmen der Kundenbindung, die Einhaltung von Compliance-Regeln, die Berücksichtigung gesetzlicher Auflagen und die Gewährleistung von Netzsicherheit benötigen heute professionelles HPC. In-Memory-Computing-Plattformen stellen oft die Basis, da sie bestehende Anwendungen schneller und skalierbarer machen, ohne dass existierende Systeme verändert werden müssen. Dazu ist der ganze Hochfrequenzhandel oder der aktuelle Siegeszug der Robo Advisor und anderer FinTechs nicht vorstellbar ohne starke Partner, die wissen, wie man HPC-Infrastrukturen so entwickelt, dass sie klare Wettbewerbsvorteile für das jeweilige Geschäftsmodell bieten.

Darüber hinaus beweist High Performance Computing seinen enormen Wert tagtäglich in einem weiteren zentralen Feld des Bankings: der Betrugserkennung.“

Mit seinen hochpotenten, idealerweise exakt auf die konkreten Kundenbedürfnisse abgestimmten Hardware-Clustern garantiert es die penible und blitzschnelle Prüfung sensibler Daten in Dokumenten – von Ausweisen über Fotos bis zu Finanzanalysen und Bilanzen. Auf diese Weise können zum Beispiel verschiedene, auf den jeweiligen Anwendungsfall zugeschnittene Auffälligkeitstypen identifiziert und untersucht werden.

Maximale Energieeffizienz

Wie die Marktforscher von Intersect360 Research im Auftrag des HPC Advisory Council 2019 ermittelten, fallen auf Finanzdienstleistungen etwa 13 Prozent jener rund 39 Milliarden Dollar, die weltweit ins High Performance Computing fließen. Was bedeutet, dass die Kompetenz, die herausragende Anbieter in diesem Sektor aufbauen können, auch in vielen anderen Sparten gefragt ist. Bei hochkomplexen HPC-Infrastrukturlösungen, in denen die Arbeit zuweilen auf Hunderttausende von Multicore-Prozessoren verteilt wird, spielt die Effizienz der Leistung eine entscheidende Rolle.

Northern Data stellt die Infrastruktur zur Verfügung, um die für vielfältige Anwendungen notwendige Rechenleistung schnell, sicher, kostengünstig und gut skalierbar zu erbringen.“

Dazu verfügen wir über eigene Rechenzentren sowie selbst entwickelte Server-Hardware. Wir steuern in unseren Rechenzentren nicht nur die Kühlung, die Stromversorgung und sorgen für die physische Sicherheit, sondern gehen viele Schritte weiter und betreiben auch die Server-Hardware und die Virtualisierungsschicht für den Kunden. Das ist der Schlüssel zu maximaler Energieeffizienz, denn so können nicht nur einzelne Teile des Betriebs, sondern der gesamte Stack, von der Kühlung bis zur Anwendung, ganzheitlich betrachtet und optimiert werden.

Nachhaltig und klimaneutral

Moderne Software skaliert automatisch über Rechenzentren und über Provider in einer Multi-Cloud-Umgebung. Die Software wird nicht mehr auf einem einzelnen, sondern auf vielen Servern installiert. Wird mehr Kapazität benötigt, fahren automatisch zusätzliche Server hoch. Fällt ein System aus, übernehmen andere den Betrieb. Northern Data baut Rechenzentren für Anwendungen ausschließlich auf dieser Basis auf. Anwendungen und Workload können zwischen Teilen des Rechenzentrums oder ganzen Rechenzentren verschoben werden.

Nicht zuletzt lässt sich HPC heute auch nachhaltig und klimaneutral bereitstellen.“

Eindrucksvolles Beispiel sind unsere mobilen Hochleistungsrechenzentren, die wir in kürzester Zeit überall auf der Welt nach dem Baukastenprinzip skalieren, installieren und in Betrieb nehmen können. Unter anderem in Skandinavien, wo wir unsere Rechenzentren mit 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, vor allem Wasserkraft, betreiben. Die Lufttemperaturen am Polarkreis tragen dazu bei, dass wir an einem Standort in Nordschweden sogar eine Power-Use-Effectiveness mit einem extrem günstigen Wert von 1,07 verwirklichen können. Das bedeutet, dass weit über 90 Prozent der eingesetzten Energie in die Rechenleistung fließen. Zum Vergleich:

Selbst bei den modernsten Rechenzentren liegt dieser Wert ungünstiger zwischen 1,2 und 1,6.“

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und dem zunehmenden Bewusstsein des Finanzmarkts für ressourcenschonendes Handeln ist hohe Umweltverträglichkeit somit ein weiterer Pluspunkt, den man High Performance-Computing auf der Höhe seiner Zeit erwarten kann.Aroosh Thillainathan, Northern Data

 
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