FINTECH17. April 2019

IT-Basics bei smartsteuer: REST-API, Java (Spring-FW), React Native, Kubernetes & Microservice-Architektur

Björn Waide, Informatiker und CEO smartsteuer
Björn Waide, Informatiker und CEO smartsteuersmartsteuer

Wie unterscheiden sich FinTechs von klassischen Industriedienstleistern? Nicht in den Produkten – sondern in der IT? Wie entwickeln sie ihre Produkte, welche Methoden und Tools nutzen sie? Heute werfen wir einen Blick hinter die Kulissen bei smartsteuer (Website) und fragen den Informatiker Björn Waide, CEO des Unternehmens.

Herr Waide, wie werden die Produkte bei smartsteuer entwickelt?

Bei uns steht Usability an erster Stelle, gerade weil die Steuererklärung für viele Menschen mit negativen Gefühlen behaftet ist. Wir gestalten und optimieren den Abgabeprozess stets nach den Bedürfnissen der Nutzer, die wir anhand von Befragungen und Datenanalysen ermitteln. Unser Team von knapp 30 Mitarbeitenden in Hannover hat in den letzten zwölf Jahren so den umfangreichsten, Cloud-basierten Steuer-Rechenkern am Markt von Grund auf selbst entwickelt und ist damit zum Marktführer für Online-Steuererklärung geworden. Vor sechs Jahren hat die Haufe Group smartsteuer übernommen. An Autonomie haben wir dadurch nicht verloren: Mit unserem Team aus festangestellten Entwicklern, Steuer- und Marketingexperten entwickeln wir weiterhin unabhängig unsere Produkte weiter und unterstützen so zum Beispiel als einzige Online-Lösung auch Selbständige. Letzten Herbst haben wir das Unternehmen Steuerbot gekauft und unser Portfolio so um eine innovative Mobile-Lösung erweitert, deren Chatbot-basiertes Modell wir als Vorbild für weitere Entwicklungen nehmen.

Wie entscheidet sich, was als nächstes entwickelt wird? Wie sieht dabei der Prozess aus?

Wir arbeiten seit über sechs Jahren mit agilen Methoden, in der Entwicklung etwa nach Scrum. Für neue, größere Projekte – wie zuletzt die Entwicklung einer nativen smartsteuer-App – setzen wir cross-funktionale Teams aus Entwicklung, Steuerrecht und Marketing zusammen, die gemeinsam und selbstorganisiert Lösungen entwickeln. Dabei kommen auch Design-Thinking-Methoden zum Einsatz.

Die Ziele legen wir in der Regel gemeinsam in Workshops mit dem gesamten Team fest und folgen darin einer ebenfalls im Team entwickelten Vision. Die Priorisierung des Backlogs übernimmt der jeweilige Product Owner.

Welche Schnittstellen hat Ihr System und wie binden Sie beispielsweise externe Kernbanksysteme an?

Wir kommunizieren mit der Finanzverwaltung über die standardisierte Elster-Schnittstelle. Dort lesen wir verfügbare Nutzerdaten zur Vorbefüllung der Steuererklärung ein und versenden die von uns erstellte Erklärung.

Darüber hinaus haben wir REST-basierte Schnittstellen zum Datenimport aus Buchhaltungssystemen wie lexoffice oder aus Banksystemen, zum Beispiel für unsere Kooperation mit der ING.“

Ein direkter Zugriff auf Kernbanksysteme erfolgt nicht. Wir planen aber, mittelfristig die nach PSD2 für Finanzinstitute verpflichtenden Schnittstellen zum Zugriff zu verwenden.

smartsteuer hat erst kürzlich eine native App gelauncht, war vorher „desktop first“ unterwegs. Nun ist eine Steuererklärung nicht etwas, das man jeden Tag macht – ergibt da eine App wirklich Sinn?

Smartsteuer hat als Online-Lösung auch in den letzten Jahren bereits auf Desktop-Rechnern, Tablets und Smartphones funktioniert. Mit unserem Fokus auf bestmögliche Usability für die einfachste Steuererklärung wollen wir die Möglichkeiten der jeweiligen Plattformen bestmöglich nutzen. Ob mit einem Alexa-Skill für einfache Steuerfragen während der Bearbeitung der Steuererklärung oder eben mit einer eigenen App für Smartphones: wir liefern für jede Plattform das passende Produkt mit maximalem Komfort.

Warum machen Sie keine Web-App bzw. Responsive-App (also faktisch eine mobile Website)?

Unsere Website smartsteuer.de funktioniert, wie schon gesagt, als solche bereits seit Jahren auch auf mobilen Endgeräten.

Davon abgesehen, lässt sich Usability einer nativen App heute aber noch nicht mit reinen Web-Apps realisieren. Daher haben wir mit “smartsteuer xpress” eine dedizierte App auf die Anforderungen von Smartphones – egal ob mit Android oder iOS – zugeschnitten.“

Welche Basistechnologien sind bei smartsteuer im Einsatz? Wie steht es etwa um die Verwendung von KI?

Unser Rechenkern basiert auf Java und dem Spring-Framework. Wir entwickeln auf Kubernetes-Basis und Microservice-Architektur. Die Clients basieren – je nach Plattform – auf verschiedenen Frameworks, darunter React Native.“

Darüber hinaus nutzen wir bei smartsteuer auch KI-basierte Algorithmen. Mit maschinellem Lernen verbessern wir die Interview-Führung während der Steuererklärung und die Genauigkeit der Prognose zur Steuererstattung. Etwas technischer:

Wir setzen zum Beispiel auf „supervised learning“. Dazu werden abgegebene Steuerfälle als Trainingsdaten mit den vom Finanzamt gemeldeten Bescheiddaten als „Label“ trainiert.“

Björn Waide, smartsteuer
Björn Waide, Jahrgang 1979, ist ein Verfechter vom lebenslangen Lernen und Selbstoptimierung. Der studierte Diplom-Informatiker begann seine Karriere bei einem IT-Dienstleister und arbeitete anschließend für das IT-Beratungsunternehmen Capgemini sd&m und XING. 2013 übernahm er die Geschäftsführung von smartsteuer, Deutschlands führendem Anbieter von Online-Steuererklärungen.

Welche Tools verwenden Sie?

Wir setzen in der Softwareentwicklung auf Git, zur Projektverwaltung verwenden wir Confluence und Jira von Atlassian und zur Kommunikation Slack.“

Gibt es spezifische Hardwareaspekte, die berücksichtigt werden müssen?

Dank Java, Kubernetes und Microservices laufen unsere Systeme auf nahezu jeder Hardware. Aufgrund unserer besonders hohen Anforderungen an Datenschutz und -sicherheit vertrauen wir seit Jahren auf ein ISO-zertifiziertes, deutsches Rechenzentrum und lassen unsere Systeme und Prozesse regelmäßig durch den TÜV überprüfen.

Herr Waide, vielen Dank für das Interview!aj

 
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