STRATEGIE24. Februar 2021

10 Punkte, an denen Sie erkennen, dass Ihr Kernbanksystem veraltet ist!

Experte für KBS: Jakob Strasser
Jakob Strasser, ReqPool
ReqPool

Die Abwicklung des Bankgeschäfts basiert seit Jahrzehnten auf dem hauseigenen Kernbanksystem (KBS). Dort werden Kundendaten gespeichert, die Geschäftsfälle auf den Konten im Bereich des Giro-, Spar- und Kreditgeschäfts verarbeitet und die Veranlagungsgeschäfte in Wertpapierdepots verwaltet. Da die IT-Landschaft einer Retail-Bank meist historisch gewachsen ist, weist diese eine hohe Komplexität mit einer Vielzahl an verschiedenen Modulen und Systemen auf, welche durch Schnittstellen verbunden sind. Diese Situation führt zu hohen Wartungskosten für die Bank. Meistens hat das Kernsystem der Bank seinen Lebenszenit überschritten, sodass eine Modernisierung ansteht. Woran erkennen Sie, dass Ihr KBS veraltet ist und Sie eine Modernisierung dringend einleiten sollten?

Woran erkennen Sie, dass Ihr KBS veraltet ist und Sie eine Modernisierung dringend einleiten sollten?

1. Komplexe IT-Landschaft
Hat sich in der Bank im Laufe der Zeit eine komplexe IT-Landschaft mit vielen unterschiedlichen Systemen, Modulen und Schnittstellen – kurz ein IT-Spaghetti-Haufen – gebildet?2. Hohe Wartungskosten
Stellen die Kosten zur Erhaltung des Bankbetriebs beinahe den gesamten IT-Kostenblock dar und fehlen dafür Budgetmittel an anderen Stellen zur dringend nötigen Weiterentwicklung?
3. Fehlende Bankinnovationen
Fehlen der Bank die Ressourcen, um innovative, neue Bankprodukte und -dienstleistungen auf den Markt zu bringen (z.B. mobiles person-to-person zahlen – P2P Payments)?
4. Lebenszenit des KBS erreicht
Ist das KBS in einer Programmiersprache geschrieben, die nicht mehr an Fachhochschulen und Unis gelehrt wird (Cobol, Fortran, PL/I etc.)?
5. Personalmangel
Steht die Bank vor einer Pensionierungswelle jener IT-Schlüsselkräfte, die einen umfassenden Überblick über die IT-Landschaft besitzen?
6. Altes Datenmodell
Ist das Datenmodell der Datenbank kontenzentriert und nicht kundenzentriert (im Sinne einer 360°-Betrachtung des Kunden)?
7. Lange Umsetzungszeiten
Kann die IT den Forderungen von Fachbereichen nach immer rascheren Umsetzungen neuer Funktionen, neuer Bankdienstleistungen und -produkte nicht mehr nachkommen?
8. Keine Realtime-Transaktionen
Kann die Bank keine Realtime-Transaktionen abbilden? Werden die Buchungen also nach
wie vor in Stapelverarbeitung (Batchbetrieb) durchgeführt?
9. Gesetzliche Anpassungen
Ist die Bank primär mit der Umsetzung von gesetzlichen Anforderungen (Regulatorik) beschäftigt?
10. Fehlende Dokumentation
Hat die Bank Schwierigkeiten, ihr gesamtes IT-System durchgängig gemäß gesetzlicher Anforderungen,
z.B. der BAIT (Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT) zu dokumentieren?

Autor Jakob Strasser, ReqPool
Experte für KBS: Jakob Strasser Jakob Strasser lei­tet als Se­ni­or Ma­na­ger die Bran­che Ban­ken und Ver­si­che­run­gen bei ReqPool (Website). Er ist Ex­per­te für di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on, IT-Sour­cing und Pro­jekt­ma­nage­ment so­wie Soft­ware-Ar­chäo­lo­gie. Stras­ser betreut mit sei­nem Be­ra­ter-Team zahl­rei­che Soft­ware- und Di­gi­ta­li­sie­rungs-Pro­jek­te im deutsch­spra­chi­gen und in­ter­na­tio­na­len Raum.

Wenn Sie diese Fragen überwiegend mit „Ja“ beantworten, sollten Sie die wichtigsten Erfolgskriterien
für die Modernisierung des KBS kennen. Um die Kernbankablöse möglichst erfolgreich zu
gestalten, gelten einige wichtige Regeln:

  • Zunächst einmal muss die zentrale Bedeutung eines KBS als unternehmensweites Rückgrat der
    Bank verstanden werden. Keine Bank kann ohne ein stabiles und tragfähiges Fundament wachsen.
  • Es sollte ein gemeinsames Verständnis dafür erzielt werden, dass es sich nicht lediglich um einen
    Tausch des KBS handelt, sondern eine Gesamttransformation der Bank zu einem vorher ausreichend
    definierten Zielmodell angestrebt wird.
  • Selbstverständlich muss auch das Team entsprechend aufgestellt sein: Der notwendige Einsatz
    der relevanten Fachkräfte und die Bereitstellung von ausreichenden Ressourcen durch die Bank sind
    obligatorisch.
  • Passen die avisierte Lösung und der Dienstleister zum Geschäftsmodell? Wenn nicht, muss noch
    einmal nachjustiert werden.
  • Zusätzlich zum IT-Bereich müssen das Topmanagement und die Fachbereiche eingebunden werden.
    Klar strukturierte Verträge und die transparente Darstellung von Projektinhalten müssen allen
    Beteiligten zugänglich sein.
  • Das straffe Projekt- und Changemanagement sorgt für „less is more“. Die Bank vermeidet einen
    Overkill durch Overload: Zu viele neue Themen auf das Migrationsprojekt aufzuladen, kann zu einer
    Verzögerung im Gesamtprojekt führen.
  • Und vermeiden Sie einen „Big Bang“. Es handelt sich um das Kernsystem – Sie sollten die Umstellung
    als ein fortlaufendes Innovations- & Transformationsprojekt verstehen.

Fazit

Nach Ende der Coronakrise werden wir uns in einer zunehmend digitalisierten Welt wiederfinden, in der es für Banken existentiell ist, innovative Bankprodukte und -dienstleistungen anbieten zu können.“

Dafür muss sie ihre Kernprozesse digitalisieren und ihre IT-Landschaft anpassen. An einer Modernisierung ihres KBS als wichtigsten Baustein zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit kommt langfristig keine Bank vorbei.Jakob Strasser, ReqPool

 
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