PRODUKTE24. November 2020

N26: Digitalbank will mit Smart-Konto den etablierten Banken zahlende Kunden abjagen

N26

Die Digitalbank N26 überarbeitet ihre Kontomodelle. Wie das Unternehmen mitteilt, wird es ab sofort ein N26 Smart genanntes Premiumkonto für monatlich 4,90 Euro geben, mit dem man die Brücke zwischen den Gratiskonten und den teureren Kontomodellen ab 9,90 Euro im Monat schlagen will. Ziel ist es, wie Geog Hauer, Nordeuropachef der Digitalbank im Interview erklärt, mit diesem niederschwelligen Konto den Anteil der zahlenden Kunden zu erhöhen. Der liegt in Deutschland, so das Unternehmen, bei rund 20 Prozent und soll mit Hilfe des Smart-Kontos auf rund 30 Prozent steigen.

Die Featureliste des N26-Smart-Kontos (das es für Privatkunden und als Business-Konto für Soloselbstständige geben wird) liest sich eigentlich nicht so, als müsste man auf viel verzichten, was ein normales Digitalkonto oder Konto einer Direktbank ausmacht: Kunden können bis zu fünf Mal im Monat kostenlos Geld abheben (per N26 Cash unbegrenzt) und erhalten neben Kontakt per Chat und App auch telefonischen Support auf Wunsch. Kunden können bis zu zehn Unterkonten für Sparziele, Ausgaben und Projekte erstellen und diese mit bis zu zehn anderen Nutzern gemeinsam verwalten.

Gemeinsames Sparen per „Shared Spaces“ bei N26N26/Prathan/Bigstock.com

Die N26 Shared Spaces waren laut Georg Hauer, dem Nordeuropa-Chef des Berliner Geldinstituts auch einer der Hauptgründe, warum die Nachfrage nach den Bezahlvarianten der Konten gestiegen ist. „Das liegt unter anderem daran, dass die Kunden, die Freunde oder den Lebenspartner zu Shared Spaces einladen wollen und dafür ein Bezahlkonto benötigen.“ Besonders diese Shared Spaces sind sehr beliebt, wobei Hauer am Rande des Gesprächs auch erklärt, dass man diese ähnlich wie Mitbewerber Vivid Money in Zukunft mit einer jeweils eigenen IBAN versehen wolle.

Verzichten muss der Kunde bei N26 Smart im Vergleich zum doppelt so teuren You-Konto dagegen auf ein Reiseversicherungspaket, das eine Vielzahl der Kunden aber wahrscheinlich ohnehin bereits hat oder nicht benötigt.

Gerade angesichts von Banken vor Ort, die Filialen schließen und Geldautomaten abbauen, kann N26 einmal mehr große Töne spucken:

Der Mythos, dass man zu einer digitalen Bank nur geht, weil man ein kostenloses Konto haben will, ist inzwischen widerlegt – daran glauben nur noch einige Vertreter der etablierten Banken.“

Georg Hauer, General Manager DACH & Nordeuropa N26

Überhaupt machten es die etablierten Banken den Neobanken derzeit leicht, Kunden zu überzeugen, weil viele mit ihrem angestammten Institut unzufrieden seien. N26 wolle, so heißt es, diejenigen abholen, die von anderen Banken in deren digitalen Services enttäuscht werden.

N26

Für die traditionellen Banken ist das ein Teufelskreis. Sie schaffen mit den Filialen und der Reduzierung des Geldautomatennetzes das letzte wirkliche Argument ab, warum die Kunden noch bei ihnen bleiben. Die traditionelle Bankenwelt schafft sich gerade ein Stück weit ab und das bietet für uns als digitale Bank enorme Chancen.“

Georg Hauer, General Manager DACH & Nordeuropa N26

tw

Das Potenzial in Deutschland sei riesig, weil die Unzufriedenheit vieler Kunden mit ihrer angestammten Bank wachse. N26 sehe dies als Chance, in den nächsten Jahren alleine in Deutschland über 5 Millionen Kunden zu erreichen. Dass ein Konto Geld koste, sei für viele Kunden ohnehin kein Problem, beobachtet Hauer. „Es gibt viele Kunden, die es von ihrer Bank gewohnt sind, monatlich für ein Konto zu zahlen, die aber mit dem Digital-Angebot nicht zufrieden sind.“

N26 plant ein International- und ein Unlimited-Konto

Doch die Einführung von N26 Smart ist erst der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Updates, die
für alle N26 Konten geplant sind. In den nächsten Monaten soll unter anderem das N26-You-Konto zu einem Konto für International flexibles Banking über Ländergrenzen hinweg ausgebaut werden. Und das heutige N26 Metal soll im kommenden Jahr zu N26 Unlimited werden, einem digitalen Konto mit mehr exklusiven Vorteilen und Angeboten und ohne Beschränkungen. Was genau darunter zu verstehen ist, dazu hüllt sich das Unternehmen noch in Schweigen, aber Beschränkungen gibt’s ja beispielsweise noch bei der Zahl der Abhebungen. Interessant ist ein solches Produkt ja auch für Marketingpartner, mit denen sich eine Vielzahl interessanter Barter-Deals realisieren ließe.

Tamás Künsztler / N26

Expandieren will die Neobank auch bei den Services im Kontext der Geldanlage und Vorsorge. Kürzlich hatte das Unternehmen noch erklärt, man könne sich auch Geldanlageprodukte als Teil des eigenen Geschäfts vorstellen – eine durchaus neue Aussage von der Berliner Neobank. Selbst entwickeln müsse man das aus technischer Sicht nicht alles: Hauer kann sich vorstellen, diese auch in Kooperation mit bestehenden Partnerprodukten zu launchen. „Kooperationen haben wir in der Vergangenheit schon mit den Sparprodukten erfolgreich durchgeführt und können es uns auch bei anderen Angeboten vorstellen.“

N26 wettert gegen versteckte Kosten bei etablierten Banken

Die Änderungen kommen in einer Zeit, in der mehr und mehr Menschen flexible
Lösungen suchen und sich nicht länger über versteckte Kosten bei traditionellen
Banken ärgern möchten. Tatsächlich hat eine vor kurzem von N26 durchgeführte
Umfrage ergeben, dass drei von vier Kunden in Deutschland versteckte Bankgebühren
zahlen müssen – und zwar im Schnitt 60,42 Euro im Jahr.

Es war uns immer wichtig, digitales und transparentes Banking für jeden zugänglich zu machen. Daher werden wir auch weiterhin ein kostenloses Konto anbieten. Darüber hinaus bauen wir unser Premiumangebot aus, damit preisbewusste Kunden von zahlreichen Funktionen, Rabatten und Vorteilen profitieren können.“

Georg Hauer, General Manager DACH & Nordeuropa N26

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