MOBILE PAYMENT8. November 2017

Sicherheit & Datenschutz: Kundenfreundliche ‚Mobile Experience‘ mit bedarfsgerechter Biometrie

Andreas Schremmer, VP Banking & Payment für Deutschland bei GemaltoGemalto

Die Zukunft der digitalen Be­zahl­dienste und des Mobile-Payment/­Banking dürfen nicht unterschätzt werden, auch wenn die Deutschen am Bargeld hängen. Ein Viertel der Verbraucher ist kategorisch gegen dessen Abschaffung, aber laut der internationalen Studie „Mobile Customer Experience“ erwarten 45 Prozent der Verbraucher dennoch bis 2025 überall, jederzeit und alles mit ihren Mobilgeräten bezahlen zu können. Banken und Finanzdienstleister müssen sich beim Design ihrer Lösungen an den Kundenerwartungen orientieren.

von Andreas Schremmer, VP Banking & Payment für Deutschland bei Gemalto

Dafür lohnt sich ein genauer Blick auf die Zahlen:

… neben jenen, die bis 2025 umfassende Mobile-Payment-Möglichkeiten erwarten, ist das Mobiltelefon für fast denselben Anteil (43 Prozent) die bevorzugte Zahlungsart.“

Das bedeutet, dass die entsprechenden Projekte bereits jetzt für den täglichen Einsatz geplant werden sollten. Das Augenmerk muss dabei auf der Sicherheit liegen, weil diese einen wesentlichen Einfluss auf die Kundenbindung hat. In einer anderen aktuellen Studie von Gemalto gaben 44 Prozent der Verbraucher an, ihre Bank im Fall eines schwerwiegenden Sicherheitsvorfalles zu wechseln.

Sicherheit nutzerfreundlich denken

Die Herausforderung für die Entwickler der angebotenen Lösungen besteht darin, das Sicherheitsbedürfnis nutzerfreundlich zu erfüllen. Einerseits sind 38 Prozent der Verbraucher bereit, zu einem besseren Dienstleistungsangebot zu wechseln. Dabei hat die Bedienbarkeit der Mobile-Payment- und -Banking-Lösung einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität des Service, die der Kunde wahrnimmt. Andererseits haben sich die Kunden gerade in Deutschland darüber skeptisch geäußert, was den heutigen Stand der Sicherheit digitaler Lösungen betrifft.

Die ersten Ansätze sind bereits im Einsatz, müssen allerdings weiter vorangetrieben werden. Dazu gehören beispielsweise die Gesichtserkennung und die Online-Ausweisverifizierung.“

Diese ersetzen teilweise den Filialbesuch, beispielsweise bei der Eröffnung eines Kontos. Bereits 29 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, 2025 die Filialen ihrer Bank nicht mehr persönlich aufsuchen zu müssen. Noch weiter verbreitet ist der Fingerabdruckscanner, der in den letzten Jahren von den Smartphone-Herstellern etabliert wurde. Bis 2018 werden weltweit vermutlich über eine Milliarde Geräte mit einem solchen Sensor ausgestattet werden.

Eine intelligente Sicherheit steigert die Nutzerfreundlichkeit

Der Status quo zeigt, dass biometrische Authentifizierungsmethoden ein guter Weg sind, Sicherheit nutzerfreundlich zu gestalten. Allerdings reicht es nicht bei Fingerabdruck- und Gesichts-Scans stehenzubleiben, um eine hohe Nutzerfreundlichkeit zu garantieren. Denn für diese muss der Kunde meist selbst aktiv werden, aber es können auch Merkmale geprüft werden, ohne dass er handeln muss.

Dazu gehören biometrische Verhaltensfaktoren wie die Tippgeschwindigkeit sowie Standort- und Gerätedaten. Die Basis einer solchen Kontextverifizierung ist, dass das Verhalten eines einzelnen Nutzers sehr vorhersehbar ist.“

Aus diesen Daten wird ein Wiedererkennungswert von Verhaltensmustern (gleicher PC, gleicher Ort, gleicher Tastaturanschlag etc.) und davon abgeleitet ein Scoringwert ermittelt.

Autor Andreas Schremmer, VP Banking & Payment Gemalto
Andreas Schremmer ist VP Banking & Payment für Deutschland bei Gemalto. Mit einem Abschluss der Informatik und über zwanzig Jahren Branchenerfahrung in der IT- und Cybersicherheitsbranche ist er Experte für Sicherheitslösungen, Identitätsmanagement, Authentifizierung und anderes. Sein Schwerpunkt ist der Markt in Mittel- und Osteuropa.

Abhängig von diesen Daten kann eine zusätzliche Authentifizierung bedarfsgerecht angefordert werden. Solange die Trans­ak­tionen geringfügig sind, biometrische Verhaltensfaktoren, Standort und Geräteart keine Auffälligkeiten zeigen, reichen die Daten mit den üblichen Sicherheitsvorkehrungen.“

Wenn eine Transaktion vom üblichen Verhalten abweicht oder Daten nicht mehr stimmen, beispielsweise nach einem Smartphone-Wechsel, können zusätzliche Authentifizierungsschritte gefordert werden. Das minimiert die aktiven Eingriffe durch den Nutzer und vereinfacht ihm die Bedienung.

Um Vertrauen aufzubauen, können zusätzliche Authentifizierungsmerkmale auf Wunsch des Nutzers auch standardmäßig abgefragt werden. Damit kann der Kunde selbst bestimmen, ob er auf Bequemlichkeit verzichtet, um sein Sicherheitsgefühl zu erhöhen. Dieser Weg wäre ein ausgewogener Kompromiss, der sich dem individuellen Sicherheitsbedürfnis des Kunden anpasst. Mit steigendem Vertrauen in die Lösung kann der Kunde dann nach eigenem Ermessen zur ohnehin sicheren Minimallösung zurückkehren.

Den Kunden richtig verstehen

Die Studie zeigt, dass ein solches Verfahren die Akzeptanz der Nutzer finden kann. In Bezug auf den Datenschutz gaben 34 Prozent der Teilnehmer an, dass sie beispielsweise ihre Standortdaten bereitwillig teilen würden, wenn sich dadurch Angebot und Beratung verbessern lassen.“

Diese Bereitschaft wird sehr wahrscheinlich mit dem zunehmenden Vertrauen steigen und deckt bereits die Grundanforderungen für intelligente Sicherheitslösungen ab, die zur Kontextverifizierung und biometrischen Authentifizierung notwendig sind.

Finanzdienstleister können diese Bereitschaft auch nutzen, um ihre Kunden besser zu verstehen. Neben der Einwilligung, Daten für Serviceleistungen zu teilen, gaben weitere acht Prozent an, dass sie persönliche Daten gegen einen Nachlass auf die Gebühren teilen würden. Dazu kommen schließlich noch 19 Prozent, die damit rechnen, dass Mobilverträge und -Dienstleistungen in 2025 durch Werbung finanziert werden. Diese Bereitschaft bietet Banken eine breite Basis, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, sich wettbewerbsfähig aufzustellen und gegebenenfalls entfallende Umsätze besser zu kompensieren. Künftige digitale Services wie Mobile-Payment- und -Banking-Lösungen sollten diese Option möglichst frühzeitig beinhalten.

Fazit

Die Daten aus der Studie zeigen, dass Mobile-Payment und -Banking immer mehr Zuspruch findet. Daher ist es sinnvoll, dass Banken und Finanzdienstleister ihre Lösungen darauf ausrichten. Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit sind hierbei die entscheidenden Herausforderungen, die durch intelligente Kontroll- und Authentifizierungsmechanismen gewährleistet werden können. Die Bereitschaft der Kunden, gegen Vergünstigungen Daten freiwillig zu teilen, stellt eine Chance für die Anbieter dar.

… Denn sie können wiederum diese Daten dazu nutzen, die eigenen Kunden besser zu verstehen und so das eigene Portfolio weiterzuentwickeln und neue Geschäftsmodelle zu erschließen.“

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://www.it-finanzmagazin.de/?p=60069
 
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