MEINUNG15. November 2017

Smart Payment: Verbraucher erwarten einfache Abwicklung und zuverlässigen Datenschutz

Bundesbank Vorstandsmitglied Carl-Ludwig ThieleManjit Jari/Bundesbank
Bundesbank Vorstandsmitglied Carl-Ludwig ThieleManjit Jari/Bundesbank

Als Keynote anlässlich der Payments-Konferenz hat Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, über den aktuellen Stand der Entwicklungen rund um smarte Bezahlverfahren gesprochen. Er erklärt, dass Smart Payments alles andere als nur Zukunftsmusik sein: „Ich bin überzeugt davon, dass Smart Instant Payments sehr bald Realität werden können – wenn die Voraussetzungen stimmen.“ Darunter fasst der Vorstand der Deutschen Bundesbank neben effektivem Datenschutz auch die Etablierung von Standards für das mobile Bezahlen, die einfache, sichere Prozesse mit einer leichten Bedienbarkeit verbinden.

Zunächst ordnete Thiele das Stichwort „Smart Payment“ in den Kontext der diversen als smart geltenden Technologien ein und stellt fest: „Bei all diesen Themen geht es um drei Dinge, die eng miteinander verwoben sind und die weitere Entwicklung des Zahlungsverkehrs beeinflussen: Daten, Wettbewerb und Prozesse.“

Im Zentrum der für den Kunden immer einfacher werdenden Prozesse stehen Smartphones und andere mobile Endgeräte, die etwa aufgrund von NFC-Technologie, QR-Codes oder sonstigen Codes tätig werden oder die Zahlungsmitteldaten gleich innerhalb einer digitalen Wallet verwalten und das Geld aufgrund unterschiedlicher Authentifizierungsverfahren freigeben. Klar sei aber nach den Worten des Vorstandsmitglieds der deutschen Bundesbank auch, dass die Kunden solche Technologien nicht um ihrer selbst willen nutzen:

Damit Käufer zu einem neuen Zahlungsmittel wechseln, müssen sie einen Zusatznutzen gegenüber den ihnen bekannten Instrumenten haben. Außerdem müssen beide Seiten des Marktes, Zahler und Zahlungsempfänger, gleichzeitig überzeugt werden, die neue Methode anzubieten und zu nutzen.“

Carl-Ludwig Thiele, Deutsche Bundesbank

Die Netzwerkgröße sei hierbei ein entscheidender Faktor für den Erfolg, berge aber auch die Gefahr der Monopolbildung.

Schon heute hohe Akzeptanz für bargeldlose Bezahlverfahren

Insgesamt hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten das Zahlungsverhalten den Kunden im Geschäft stetig gewandelt: Während 1998 nur 18 Prozent des Umsatzes per Kartenzahlung abgerechnet wurden, ist es heute fast die Hälfte des Umsatzes, die mit einer Karte bezahlt wird. Vieles spreche dafür, dass der Wandel hin zum kontaktlosen Bezahlen auf Smartphone-Basis schneller vonstatten gehe. Die Karte müsse nicht aus der Hand gegeben werden, und eine Kartenzahlung dauert nach Messungen der Euro-Kartensysteme kontaktlos etwa nur halb so lang wie bisher. Hilfreich könne hier die weitere Verbreitung der NFC-Technologie sein. Die Kreditwirtschaft plant bis Ende 2019, 75 Prozent der Girocards mit einem NFC-Chip auszustatten. Genossenschaftsbanken und Sparkassen zeigen sich als Vorreiter.

Paydirekt: Banken und Sparkassen müssen beherzt agieren

Der nächste Schritt – von der kontaktlosen Karte zum kontaktlosen Bezahlen mit dem Mobiltelefon – ist damit in Reichweite. Konsequenterweise arbeitet die Kreditwirtschaft daran, die girocard ins Smartphone zu bringen. Das Pilotprojekt dazu wurde erfolgreich abgeschlossen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken wollen nun mobile girocard-Zahlungen ab Mitte 2018 flächendeckend ermöglichen. Zusätzliche Änderungen an der Terminal-Infrastruktur sind dafür nicht mehr notwendig.

Grundsätzlich wird der Erfolg der girocard im Smartphone davon abhängen, wie attraktiv und smart die Anwendung ist. Konkret: Welchen Zusatznutzen bietet die girocard mobile gegenüber anderen, bekannten Zahlungsmitteln? Und, hält sie dem Vergleich mit alternativen Bezahl-Apps stand?“

Carl-Ludwig Thiele, Deutsche Bundesbank

Deren Anzahl wächst aktuell stark an – einerseits durch eigene Lösungen von Whitelabel-Banken, andererseits auch durch Handelsketten, etablierte Bonussysteme und weitere Zahlungsdienstleister wie Paypal. Die Branche muss hier aufpassen, dass sie den Verbraucher mit unzähligen konkurrierenden Systemen nicht vor den Kopf stoße. Die Kreditwirtschaft täte hier nach den Worten von Carl-Ludwig Thiele gut daran, ihre Kräfte zu bündeln und an einem Strang zu ziehen.

E-Commerce: Bankenunabhängige Partner bereits etabliert

Im Online-Handel haben sich dagegen alternative Bezahlverfahren schon länger etabliert. Mehr als ein Viertel aller Bestellungen werden aktuell per PayPal, Giropay oder Sofortüberweisung bezahlt. Konzentrationsprozesse sind hier bereits zu beobachten.

Bei der Etablierung des zur Kreditwirtschaft gehörenden Dienstes Paydirekt dürften die Banken und Sparkassen daher keine Zeit verlieren, insbesondere weil das Bezahlen über mobile Endgeräte aufgrund des kleinen Bildschirms möglichst einfach gestaltet werden muss:

Der Ansatz, per Benutzerkennung und Passwort direkt vom eigenen Girokonto zu bezahlen, erscheint reizvoll und könnte dazu beitragen, die Bindung der Kunden an ihr Kreditinstitut zu stärken. Schnelles, gemeinsames Handeln ist angesagt.“

Carl-Ludwig Thiele, Deutsche Bundesbank

Doch der Datenschutz im Hinblick auf die Umsetzung der PSD2-Verordnung sei ein wichtiger, erfolgskritischer Faktor. Denn bei vielen Menschen nehme die Verunsicherung darüber zu, wer persönliche Daten von ihnen besitzt, analysiert und weitergibt. Hier gelte es, eine ausgewogene Lösung zu finden, die letztlich dem Verbraucher Klarheit gibt, wer seine Daten wie verwendet.

Doch egal welcher Zahlungsweg genommen werde – noch immer vergehe etwas Zeit zwischen dem Auslösen der Zahlung und der Verfügbarkeit des Geldes für den Empfänger. Instant Payments sollen hier laut Thiele eine Lücke in Zukunft schließen.

Die Marktteilnehmer können Liquiditätsreserven besser ausschöpfen. Zahlungen lassen sich reibungsloser in Kauf- bzw. Lieferprozesse einfügen. In Verbindung mit Apps oder anderen geeigneten Anwendungen, sowohl für das geschäftliche Umfeld als auch für private Zwecke, könnte das digitale, smarte Bezahlen einen echten Schub erhalten.“

Carl-Ludwig Thiele, Deutsche Bundesbank

Problem bei den Clearinghäusern wird zu lösen sein

Die Vorbereitungen für ein europäisches Echtzeitzahlungssystem sind in vollem Gange. Die Spielregeln für Instant Payments unter den Banken sind bereits geklärt. Auch wenn klar sei, dass die Durchdringung des Marktes einige Zeit dauern werde, weist Thiele auf ein Problem hin: Denn erst vereinzelt können europäische Clearinghäuser Echtzeitzahlungen verarbeiten. Zur Unterstützung der geldlichen Abwicklung von Instant Payments arbeitet das Eurosystem an einem durchgängigen Settlement-Service, der ab November 2018 täglich rund um die Uhr laufen soll. Dieser TARGETInstant Payment Settlement Service, TIPS, soll das Angebot der privatwirtschaftlichen, größtenteils national aufgestellten Clearinghäuser ergänzen und dabei helfen, Instant Payments eine europaweite Reichweite zu verschaffen. tw

 
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https://www.it-finanzmagazin.de/?p=60482
 
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