ANWENDUNG23. Dezember 2019

Stadion Payment: Wie der BVB – einfach Gegenhalten!

Payment im BVB Stadion
An der Kasse soll es schnell gehenRudolf Linsenbarth

Im heutigen dritten und letzten Teil der „Stadion Payment“-Reihe beschäftigt sich Rudolf Linsenbarth mit den Zahlverfahren des BVB. Ausgangspunkt hier: der seit der Saison 2015/16 in Eigenregie eingeführte Stadiondeckel. Dieses Closed-Loop-Payment basiert, genau wie die Knappenkarte in Gelsenkirchen, auf dem sogenannten Open Cash File der Smartcard Alliance.

von Rudolf Linsenbarth

In dieser Saison sollten nun die offenen Zahlverfahren der Kreditwirtschaft hinzu genommen werden. Im Gegensatz zu Bayern München und dem VFL Wolfsburg wollte man aber auf die Kiosktheken im Signal Iduna Park nicht zwei Terminals, sondern nur eines platzieren. Dafür wurden verschiedene Partner ins Boot geholt.

An erster Stelle ist die Comdirect Bank zu nennen, die als Payment Sponsoring Partner die Finanzierung dieses Projektes überhaupt erst ermöglicht hat. Für die Umsetzung der „One Terminal“-Lösung wurde die Firma Secupay AG aus Pulsnitz bei Dresden verpflichtet. Deren Gründer Hans-Peter Weber hatte sich für die Installation eigener NFC-Applikationen auf den Terminals von Ingenico qualifiziert.

Zahlungsmöglichkeiten im BVB Stadion
Die Bandbreite der ZahlungsmöglichkeitenRudolf Linsenbarth

Dritter Partner ist die Firma Ergonomic Solutions. Der Weltmarktführer für Payment-Terminal-Halterungen sollte eine Platte zu entwickeln, die eine genügend große Ablagefläche für den Stadiondeckel aufweist. Beim „Cash File“ des closed Loop Systems reicht nämlich nicht nur ein kurzer Tapp auf dem Antennenfeld. Für diesen einige Sekunden dauernden Schreib-Lesevorgang ist eine Ablage auf dem Terminal notwendig. Weitere Funktionen der Platte sind die Abdeckung des nicht benötigten Magnetstreifen Lesers, sowie eine große Kommunikationsfläche, um dem Fan zu erklären, welche Zahlungsmittel hier funktionieren.

Terminal-Aufbau (BVB-Stadion)
Ergonomic
Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth beschäftigt sich mit Mo­bi­le Pay­ment, NFC, Kundenbindung und digitaler Identität. Er ist seit über 15 Jahren in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel tätig. Lin­sen­barth ist profilierter Fachautor und Praktiker im Finanzbereich und kommentiert bei Twitter unter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.
Zuletzt musste noch TCPOS als Lieferant des seit Sommer 2015 im Einsatz befindlichen Kassensystems mit ins Boot geholt werden. Eine zusätzliche Herausforderung war dann auch noch das seit dieser Saison wieder eingeführte Becherpfand.

Zum Saisonstart musste auf jeden Fall eine flächendeckende girocard- und Kreditkarten-Akzeptanz gewährleistet werden. Daher entschied man sich für einen gestuften Rollout.

Der Ende-zu-Ende Test

Der erste „Smoke Test“ war das Supercup-Spiel am 3. August. Dabei wurde ein einziger Kiosk mit einem Terminal von Secupay ausgestattet. Dies war der erste Ende-zu-Ende Test mit Einbindung des zukünftigen Zahlungsnetzwerkes. Erkenntnis des Tages, neben der Tatsache, dass der BVB die erste Trophäe der Saison gewonnen hatte, es fehlen noch die Funktionen für das Storno und die Becherpfand-Rückgabe.

Eine weitere Hürde für das Projekt waren dann Lieferprobleme beim Lane 5000. Das neue Produkt aus dem Hause Ingenico war heiß begehrt. Daher musste für den ersten Spieltag das IPP 480, als temporärer Ersatz, herhalten.

Payment im BVB Stadion
Neues Lane 5000-TerminalRudolf Linsenbarth

Am zweiten Spieltag knapp einen Monat später stand zwar an jedem Kiosk ein schickes brandneues Lane 5000, eingebaut in die stylische Halterung von Ergonomic Solution, allerdings mussten immer noch die separaten Lesegeräte für den Stadiondeckel verwendet werden.“

Im Prinzip konnten die von Secupay programmierten Terminals zwar den Stadiondeckel lesen und auch beschreiben, aber eine Kernforderung des BVB war, dass das Terminal auch selbstständig erkennen muss, ob der Fan einen Stadiondeckel oder eine Zahlkarte seiner Bank vor das Terminal hält.

Zur Erfüllung dieser Forderung wurde aber noch ein Firmware Update von Ingenico benötigt. Außerdem wollte man bei der Umstellung keine Risiken eingehen und einigte sich auf ein umfangreiches Testprogramm.

Eine weitere Schwierigkeit war dann das Thema Becherpfand. Wie sich im weiteren Projektverlauf herausstellte, ist es nicht immer möglich, das Becherpfand auf eine Girokarte zurückzubuchen. Teilstornierungen sind z.B. mit der girocard nur am selben Terminal bei Vorlage derselben girocard möglich. Ein Szenario wie drei Freunde schleppen die Biere an und der vierte bringt am Ende die Becher zurück ist so mit der girocard nicht möglich. Die temporäre Lösung war, dem Fan das Geld auf einen Stadiondeckel zu buchen, den er dann an einer der zentralen Clearingstellen wieder in Bargeld tauschen konnte.

Dieser Workaround durfte natürlich nicht so bleiben: Dazu hat Secupay nun eine Lösung programmiert, bei der die Kontodaten (Konto Nr. und BLZ) von der girocard ausgelesen werden, um dann eine Überweisung auf das Kundenkonto durchzuführen.“

Am letzten Heimspieltag des Jahres 2019 standen bis auf die kontaktlose Pfandrückrabe auf der girocard (hier muss derzeit noch gesteckt werden), alle Funktionen zur Verfügung. An ca. 40 Kassen wurde das Setup beim Live Betrieb einem Stresstest unterzogen. Die fehlende kontaktlose Pfandrückgabe mit der girocard soll in der Spielpause nachgezogen werden.

Dem BVB ist es hier gelungen, für das anspruchsvolle Stadion-Payment  eine Lösung auf die Beine zu stellen, die vielleicht auch anderen Vereinen als Blaupause dienen kann. Dem Fan kommt dabei die enorme Bandbreite an Zahlverfahren von Alipay bis VISA entgegen. Eine derartige  Vielfalt bietet derzeit kein anderer Verein in der Bundesliga. Man darf gespannt sein, ob sich das auch beim Umsatz bemerkbar macht.Rudolf Linsenbarth

Disclaimer: Rudolf Linsenbarth (Autor dieses Beitrags) ist als Dortmunder Junge stolz darauf, mit dem ein oder anderen Tipp zum Erfolg dieses spannenden Projektes beigetragen zu haben.

 
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