SB & FILIALE28. April 2021

Zweig­stellen: Pandemie beschleunigt Ab­bau deutlich – Bankstellenentwicklung 2020

Die Kon­so­li­die­rung im deut­schen Ban­ken­sek­tor hat sich 2020 ver­lang­samt fort­ge­setzt. Im Jah­res­ver­lauf sank die Ge­samt­zahl der Kre­dit­in­sti­tu­te um 38 auf 1.679 In­sti­tu­te. Dies ent­spricht einem Rück­gang von 2,2 % ge­gen­über einem Minus von 3,7 % im Jahr 2019. Ge­gen­über dem Vor­jahr war ins­be­son­de­re im Spar­kas­sen- und Ge­nos­sen­schafts­sek­tor eine ge­rin­ge­re An­zahl von Fu­sio­nen fest­zu­stel­len. Die Co­ro­na-Pan­de­mie trug of­fen­sicht­lich zur Ver­schie­bung ei­ni­ger Ver­schmel­zungs­ab­sich­ten bei, meldet die Deutsche Bundesbank. Gleich­zei­tig ver­rin­ger­te sich die An­zahl in­län­di­scher Zweig­stellen über­aus deut­lich um mehr als 11 %. Hier dürf­te die Co­ro­na-Pan­de­mie eher ka­ta­ly­tisch ge­wirkt haben. Im Groß­ban­ken­be­reich kamen um­fas­sen­de Um­struk­tu­rie­run­gen hinzu.

Damit un­se­re Ban­ken auch mit­tel­fris­tig sta­bil und ren­ta­bel blei­ben, wer­den auch künf­tig un­po­pu­lä­re Ge­schäfts­ent­schei­dun­gen wie die Schlie­ßung von Fi­lia­len und die Auf­ga­be von Ei­gen­stän­dig­keit not­wen­dig sein. Ban­ken wer­den auch ver­mehrt Ne­ga­tiv­zin­sen an Kun­den wei­ter­ge­ben und Ge­büh­ren er­hö­hen müs­sen.“

Joa­chim Wu­er­me­ling, Deut­sche Bun­des­bank

Im Jahr 2020 gab es ins­ge­samt 20 Zu­gän­ge sowie 58 Ab­gän­ge von Kre­dit­in­sti­tu­ten. Von den Ab­gän­gen waren 26 (2019: 34) auf Fu­sio­nen im ge­nos­sen­schaft­li­chen Sek­tor zu­rück­zu­füh­ren. Die Zahl der ge­nos­sen­schaft­li­chen In­sti­tu­te sank damit auf 819, was einem Rück­gang um 3,1 % ent­spricht. Im Spar­kas­sen­sek­tor ver­rin­ger­te sich die An­zahl der In­sti­tu­te durch Zu­sam­men­schlüs­se um drei (2019: sechs), somit ver­blei­ben neben den un­ver­än­dert be­stehen­den sechs Lan­des­ban­ken noch 377 Spar­kas­sen.

Die An­zahl der Kre­dit­ban­ken ver­rin­ger­te sich 2020 le­dig­lich um netto acht auf 366 In­sti­tu­te: Die An­zahl der „Zweig­stellen aus­län­di­scher Ban­ken und Wert­pa­pier­han­dels­ban­ken“ blieb mit 181 ge­gen­über 185 im Vor­jahr re­la­tiv kon­stant. Hier stan­den 18 Zu­gän­ge 22 Ab­gän­gen ge­gen­über, von den Ab­gän­gen ent­fie­len al­lein 18 auf Fi­lia­len bri­ti­scher In­sti­tu­te. Zahl­rei­che Zweig­nie­der­las­sun­gen bri­ti­scher Kre­dit­in­sti­tu­te und Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­men hat­ten al­ler­dings zum Jah­res­en­de 2020 ihren EU-Pass noch nicht zu­rück­ge­ge­ben, sie wer­den erst im Jahr 2021 als Ab­gän­ge ge­zählt.

An­zahl in­län­di­scher Zweig­stellen sehr stark ge­sun­ken

Die Zahl der in­län­di­schen Zweig­stellen ver­rin­ger­te sich 2020 über­aus deut­lich um 3.079 bzw. 11,5 % auf 23.588 nach einem Abbau von 1.220 Zweig­stel­len im Jahr zuvor. In die­ser Ent­wick­lung (siehe
Tabelle Kreditinstitute und Zweig­stellen) spie­geln sich der Ein­fluss der Di­gi­ta­li­sie­rung auf die Ver­triebs­we­ge auf­grund einer ver­stärk­ten Nut­zung von On­line-Zu­gän­gen eben­so wider wie Maß­nah­men zur Kos­ten­re­du­zie­rung in einem her­aus­for­dern­den Wett­be­werbs­um­feld. Da­ne­ben führ­te auch die Co­ro­na-Pan­de­mie zu einer spür­ba­ren Be­schleu­ni­gung die­ser Ent­wick­lung. Im Er­geb­nis sank die An­zahl der Fi­lia­len per Saldo er­neut in allen Sek­to­ren des Kre­dit­ge­wer­bes.

Weniger Zweigstellen : Laut Barkow Consulting, sei das Ergebnis der Deutsche Bundesbank zur "Bankstellenentwicklung im Jahr 2020" ein Rekordrückgang an Bankfilialen. Mit minus 11,5% ggü. Vorjahr ist er sogar noch stärker ausgefallen, als es die bereits publizierten Daten für Sparkassen und Volksbanken indiziert haben. Dies lag entsprechend am einen Rekord-Filialabbau von 21,8% der Privatbanken.<q>Barcow Consulting
Laut Barkow Consulting sei das Ergebnis der Deutschen Bundesbank zur „Bankstellenentwicklung im Jahr 2020“ ein Rekordrückgang an Bankfilialen. Mit minus 11,5% ggü. Vorjahr ist er sogar noch stärker ausgefallen, als es die bereits publizierten Daten für Sparkassen und Volksbanken indiziert haben. Dies lag entsprechend am einen Rekord-Filialabbau von 21,8% der Privatbanken.Barcow Consulting

Be­son­ders deut­lich war der Fi­li­al-Rück­gang bei den Groß­ban­ken um 1.585 auf 4.634, was mehr als einem Vier­tel des Zweig­stellen­be­stands ent­sprach. Alle Groß­ban­ken dünn­ten ihre Fi­li­al­net­ze aus, vor­nehm­lich die Deut­sche Bank AG um 1.381 (dies ent­spricht 28,5 %) im Zuge der Ein­glie­de­rung der frü­he­ren Post­bank (Erfassungsfehler der Deutschen Bundesbank – Korrektur der Zahlen siehe unten). Auch die Com­merz­bank AG schloss be­reits im Jahr 2020 mehr als ein Sechs­tel ihrer Nie­der­las­sun­gen. Diese Ent­wick­lung wird sich nach den bis­her ver­öf­fent­lich­ten Plä­nen der Ban­ken wei­ter fort­set­zen. Das Fi­li­al­netz der Re­gio­nal­ban­ken ver­rin­ger­te sich um 79 auf 1.161 Zweig­stel­len.

Ins­ge­samt ver­rin­ger­ten die Kre­dit­ban­ken die An­zahl ihrer Zweig­stellen um 1.667 (2019: minus 137) auf 5.966 Ende 2020. Dies ent­spricht einem Ge­samt­an­teil von nur noch 25,3 % – im Vor­jahr waren es noch 28,6 %.

Auch im Spar­kas­sen­be­reich (ein­schlie­ß­lich Lan­des­ban­ken) kam es zu einem Fi­li­al­ab­bau von 679 auf 8.528 Fi­lia­len. Mit einem An­teil von 36,2 % wird hier je­doch wei­ter­hin die grö­ß­te An­zahl in­län­di­scher Zweig­stellen un­ter­hal­ten.

Im ge­nos­sen­schaft­li­chen Sek­tor sank die Zahl der Zweig­stellen um 706 auf 7.778 (An­teil an in­län­di­schen Zweig­stellen: 33,0 %).

Nachträgliche Korrektur der Deutschen Bundesbank zu ihrer Bankstellenentwicklung 2020 am 27.04. um 20.10:
„Die Deutsche Bundesbank hat aufgrund eines Erfassungsfehlers die Anzahl der Filialen der Großbanken korrigiert. Bei der Deutschen Bank waren nicht alle Zweigstellen erfasst worden (512 fehlten), so dass die Zahlen für den Filialbestand zu niedrig und damit die Zahlen für den Filialabbau bei der Deutschen Bank zu hoch ausgewiesen wurden (falsch -1.381 bzw. -28,5 %; richtig ist -869 bzw. -17,9 %). Damit geht insgesamt auch eine Erhöhung der Zahl aller inländischen Filialen einher, entsprechend ändern sich darauf bezogene Anteilswerte.“

 
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