STRATEGIE9. Januar 2018

Zweite Phase der Digi­ta­li­sierung: 2018 wird zur Nagel­probe für deutsche Banken

Valentino Pola, Senior Manager Cofinpro zuständig für Digitalisierung
Valentino Pola, Senior Manager CofinproCofinpro

Schnellzug oder Abstellgleis? 2018 stehen für die Banken in Deutschland maßgebliche Weichenstellungen an. Weniger in technologischer Hinsicht – denn Blockchain oder Künstliche Intelligenz sind zwar wichtig, entscheiden aber nicht alleine über den künftigen Geschäftserfolg. Vielmehr geht es für die Institute bei der Digitalisierung darum, ihren Platz in der digitalisierten Finanzwelt zu finden – zwischen globalen Internetgiganten, Telefonkonzernen und kleinen wendigen FinTechs.  

von Valentino Pola, Senior Manager Cofinpro

Ein Blick in die Glaskugel auf das Jahresende 2018: Apple Pay wird bereits wenige Monate nach seinem Start in Deutschland von vielen iPhone-Besitzern genutzt, auch Alipay etabliert sich immer mehr – nicht nur bei chinesischen Touristen. Große Erfolge verzeichnen zudem Paypal mit seinen neuen Sparprodukten und Telefónica mit O2 Banking.

Fast alle neuen Bank-Konkurrenten planen wie Paypal bereits Angebote über den Zahlungsverkehr hinaus – also auch für Kredite sowie Geldanlagen.“

Und die deutschen Finanzdienstleister? Sie bemühen sich bislang wenig erfolgreich, den direkten Draht zum Kunden zu halten.

Um bei dem oben beschriebenen Szenario nicht zum Zuschauer zu werden, müssen die Banken schnell und beherzt handeln. 2018 wird zum Jahr der entscheidenden Weichenstellungen für die Institute – es steht die nächste Phase der Digitalisierung an. „Dabei gilt es, nicht mehr wie bisher technologische Aspekte in den Vordergrund zu stellen, sondern mit neuen Geschäftsmodellen und Strategien erfolgreich zu werden. Viele Ideen, die zum Beispiel in Innovation Labs bereits entwickelt worden sind, müssen nun auf die Gesamtorganisation übertragen werden.

Autor Valentino Pola, Cofinpro

Valentino Pola ist Se­ni­or Ma­na­ger bei Co­fin­pro. Seit mehr als 10 Jah­ren be­rät er Ban­ken und Fonds­ge­sell­schaf­ten mit dem Schwer­punkt Tech­no­lo­gie und Ar­chi­tek­tur­be­ra­tung. Ak­tu­ell be­glei­tet er di­ver­se Di­gi­ta­li­sie­rungs­vor­ha­ben auf der ar­chi­tek­to­ni­schen und me­tho­di­schen Sei­te mit be­son­de­rem Fo­kus auf Build-Mea­su­re-Learn zur Un­ter­stüt­zung des Auf­baus kun­den­zen­trier­ter An­ge­bo­te.

Die­se Pha­se ist von weit­aus grö­ße­rer Be­deu­tung und zu­gleich mit deut­lich grö­ße­ren Her­aus­for­de­run­gen ver­bun­den. Denn sie er­for­dert vor al­lem ei­nen Wan­del der Un­ter­neh­mens­kul­tur und der Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur. In­no­va­ti­ons­fä­hig­keit und Fle­xi­bi­li­tät müs­sen in der DNA der Un­ter­neh­men ver­an­kert wer­den. Noch aber sind vie­le Ban­ken ge­fan­gen in ih­rem tra­di­tio­nel­len Han­deln.“

Klar ist: In der Strategie der Institute für 2018 haben FinTechs weiter an Bedeutung gewonnen. Der Trend zur Kooperation setzt sich fort – aus Konkurrenten werden Partner. Denn die FinTechs brauchen zum Überleben die Reichweiten der Banken.

Die Institute dagegen können sich die innovativen Lösungen zu Nutze machen, beispielsweise um deren kundennahe Dienstleistungen in das eigene digitale Portfolio zu integrieren und so ein umfassendes Angebot zu schaffen. Denn 2018 wird auch das Jahr der Plattformen. Diese werden aus- und weitergebaut. Und dabei ist Schnelligkeit gefragt – gerade für Banken mit (noch) starker Marke im B2C-Geschäft.

Cofinpro
Cofinpro unterstützt Deutschlands Finanzdienstleister bei der Verbesserung von Geschäftsprozessen. Zu den Kunden zählen große Privatbanken, Landesbanken und der genossenschaftliche Sektor sowie die führenden Kapitalverwaltungsgesellschaften. Gegründet 2007 als mitarbeitergetragene Aktiengesellschaft beschäftigt die Unternehmensberatung 125 Bank- und Technologieexperten. Neben der Zentrale in Frankfurt am Main unterhält Cofinpro Standorte in Berlin, München, Stuttgart, Karlsruhe, Köln, Hamburg, Hannover und Dresden.
An­de­re In­sti­tu­te wer­den in die­sem Jahr Stra­te­gi­en ent­wi­ckeln, mit de­nen sie eher im Hin­ter­grund Geld ver­die­nen kön­nen. Et­wa in­dem sie mit Han­dels­platt­for­men ko­ope­rie­ren, die ih­ren Kun­den beim Kauf ei­nes Pro­dukts gleich ei­nen güns­ti­gen Ra­ten­kre­dit ei­ner Bank oder die Mög­lich­keit zur Geld­an­la­ge bie­ten.

Die Bankenlandschaft wird künftig noch heterogener. Jedes Institut muss seinen ganz eigenen Weg finden, seine Position in einem veränderten Markt zu sichern. Dabei muss radikal vom Kunden her gedacht werden, um auch künftig vorne mit dabei zu sein. Die Weichen für die Zukunft werden in diesem Jahr gestellt.“aj

 
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