DIGITALE TRANSFORMATION6. Mai. 2015

Machtverschiebung im Banking: Der Aufstieg der anderen

StanciuC/bigstock.com
StanciuC/bigstock.com

Es ist kaum noch zu übersehen, dass wir es im Banking mit einer Machtverschiebung zu tun haben, wie sie die Branche seit ihrem Bestehen wohl noch nicht gesehen hat. Wie so oft, sind dafür mehrere Entwicklungen verantwortlich. Zum einen ist da der technologische Wandel, wie er unter dem Schlagwort „Digitalisierung“ erfasst wird, zum anderen sind es aber auch gesellschaftliche Veränderungen und externe Ereignisse, die in der Summe eine Machverschiebung ergeben, die für das Banking nicht ohne Folgen ist.

von Ralf Keuper, Blogger und Kolumnist

Der Kunde ist dank des Internet besser informiert als je zuvor und darüber hinaus noch anspruchsvoller geworden. Daneben hat die Verbreitung des Internet und leistungsfähiger Rechner dafür gesorgt, dass die Eintrittsbarrieren für neue Mitbewerber deutlich geringer geworden sind. Seitdem setzen den Banken zahlreiche FinTech-Startups, die sich auf bestimmte Teile der Wertschöpfungskette konzentrieren, zu. Die größte Bedrohung geht jedoch von den großen Internetkonzernen, den digitalen Ökosystemen, wie Apple, Google, facebook und Amazon aus, die immer stärker in das Stammgeschäft der Banken drängen, ohne sich jedoch der Regulierung im vollen Umfang zu unterwerfen.

Aus der Geschichte lernen

Externe Ereignissse wie die Finanz- und Staatsschuldenkrise, Konjunkturschwankungen und das derzeit niedrige Zinsniveau setzen das Geschäftsmodell der Banken zusätzlich unter Druck. Die Akzeptanz der Banken in der Gesellschaft hat im Zuge der Finanzkrise arg gelitten. Durch die nicht abreißenden Meldungen von Rechtsverstößen in einigen Banken ist das Vertrauen in die Finanzbranche als Ganzes weiterhin schweren Belastungen ausgesetzt.

In der Geschichte lassen sich etliche Beispiele von Staaten, Imperien und einst florierender Branchen finden, die im Malstrom der Zeit entweder untergegangen sind  oder deutlich an Bedeutung verloren haben. An ihre Stelle traten andere. Der Abstieg der einen bildet die Basis für den Aufstieg der anderen. Staaten oder Königreiche, die ihrem Abstieg entgehen wollten, griffen in ihrer Verzweiflung nicht selten zu spektakulären Aktionen, die in ihrem Kern jedoch nur Reformen waren, mit dem Ziel, den alten Status quo in anderem Gewand zu erhalten.

Neue Realitäten

Das gilt auch für das Thema Digitalisierung. Es handelt sich hier keineswegs nur um ein weiteres Change Projekt. Das wäre es, wenn es, wie in der Vergangenheit, nur darum ginge, neue Technologien mittels vertikaler Integration aufzunehmen. So lange man die Absatzwege dominiert, reicht das klassische Change-Management aus. Wir haben es jedoch mit einer Verschiebung der Kommunikation in das Internet zu tun, d.h. über die bestehenden Kanäle, wie Filialen und das Online Banking, hat sich ein neuer gelegt, der von sozialen Netzwerken und Internetkonzernen dominiert wird, die sowohl die Hardware wie auch die Software beherrschen. Sie sind die neuen Gatekeeper. Die Annahme, die gute alte Filiale werde nach einer Phase der Neuorientierung in altem Glanz erstrahlen, ist illusorisch. Das haben auch die Musikindustrie und der Handel (zu) lange geglaubt. 

Das sind die neuen Realitäten, an denen sich die Banken werden orientieren müssen, wenn sie nicht vollends an Bedeutung für den Wirtschaftskreislauf verlieren wollen. Banken müssen sich in Richtung digitaler und medialer Plattformen wandeln, wollen sie dem Schicksal einst mächtiger Imperien und Branchen entgehen. Verhindern können sie den Aufstieg der anderen ohnehin nicht mehr.rk

Ralf Keuper (Bank-, Diplomkaufmann und FinTech-Experte)
Blog-Autor Ralf Keuper ist Bank- und Diplomkaufmann. Bild: Xing
Ralf Keuper

Ralf Keuper ist Bank- und Diplomkaufmann und seit rund 15 Jahren in verschiedenen Positionen beratend im Bankenumfeld tätig. Er gehört zudem mit seinem Blog bankstil zu den Top10-Bloggern im FinTech-Bereich und berät Banken bei der digitalen Transformation sowie  FinTech-Startups bei ihrem Markteintritt. Keuper hat unter anderem als Senior Consultant Banking bei der COR&FJA AG und Senior Consultant Banking & Financing bei Steria Mummert Consulting AG gearbeitet.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=14140
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