STRATEGIE5. Juni 2020

Fachabteilungen der Versicherer für die Digitalisierung gewinnen – Low Code ist der Schlüssel

David Kuhn, Insurance Solutions Director bei Mendix
David Kuhn, Insurance Solutions Director bei MendixMendix

Ein Irrglaube ist weit verbreitet: Für die Digitalisierung von Banken und Versicherungen sei allein die IT-Abteilung verantwortlich. Das ist falsch. Denn letztlich soll das gesamte Unternehmen digital werden. Low Code hilft der IT, alle Abteilungen zu involvieren. Wer darauf verzichtet, verspielt wertvolle Ressourcen.

von David Kuhn, Mendix

Daten-Technologie und Versicherungsleistungen sind heute kaum noch zu trennen. Die Kombination erlaubt, das Produktportfolio beinahe beliebig zu diversifizieren. Mit einem hohen Maß an Personalisierung und Preistransparenz können Versicherungen Kunden gewinnen und halten. Gleichzeitig besteht ein Zwang zur zunehmend automatisierten Bearbeitung insbesondere von kleineren Ansprüchen, um die enormen Volumina zu bewältigen. Digitale Automatisierung gilt deshalb als Schlüssel zu Rentabilität und einer positiven Kundenerfahrung. Sie kann jedoch nur der erste Schritt zur Abwehr der zahlreichen FinTechs sein.

Digitale Transformation steht also längst ganz oben auf der Tagesordnung der Branche. Weshalb hinken dann so viele Versicherer immer noch digital hinterher?“

Die Antwort: Wegen des hohen Anteils an Legacy-Software. Starre, schwerfällige Unternehmenssysteme belasten die Versicherungswirtschaft mehr als jeden anderen Wirtschaftssektor. Ein radikaler Neuanfang auch in einem abgegrenzten Teilbereich ist nur selten möglich. Stattdessen beschränken sich viele Versicherungsgesellschaften ständig auf Lösungen, die sich in die veralteten Kernsysteme integrieren lassen. Das bringt das Unternehmen aber nicht langfristig voran. Die Altlasten werden weiter mitgeschleppt und häufen sich zu einem Berg technischer Schulden (technical debt) auf.

Mendix (Siemens-Tochter)
Die Siemens-Tochter Mendix betreibt unter dem Slogan Go make it die weltweit führende Low Code-Plattform. Mendix eigne sich zur Entwicklung einzelner Anwendungen sowie komplexer Unternehmenssoftware unter anderem für Banken und Versicherer.

Viele In­s­ur­Techs ar­bei­ten da­ge­gen mit ei­ner Ar­chi­tek­tur von Mi­kro­ser­vices. Die­se Form des Dis­tri­bu­ted Com­pu­ting er­laubt es der IT-Ab­tei­lung, je­weils ein­zel­ne Funk­tio­nen zu in­stal­lie­ren, oh­ne auf das wei­te­re Sys­tem Rück­sicht neh­men zu müs­sen. Da­von kön­nen eta­blier­te Ver­si­che­rer ler­nen.

Doch zum Glück müs­sen sich die Ver­si­che­rer nicht ent­schei­den zwi­schen ih­rer eta­blier­ten di­gi­ta­len In­fra­struk­tur und ei­nem agi­le­ren Ope­ra­ti­ons­ma­nage­ment. Je nach Tech­no­lo­gie lässt sich das Bes­te aus bei­den Wel­ten kombinieren.

Zwar fehlen dafür oft die geeigneten Ressourcen. Auch Unternehmen, die Innovation wollen, können sie wegen zu wenig IT-Personal oder fehlender Kommunikation zwischen den Abteilungen kaum umsetzen.  Deshalb werden wichtige Projekte oft verschoben.

Wie kommen die Versicherungen da heraus? Zunächst müssen sie ihren Blick auf die digitale Transformation verändern.

Zu oft fokussieren sich die Unternehmen alleine auf die Geschwindigkeit digitaler Projekte. Doch Geschwindigkeit ist kein Selbstzweck.“

Schnellere Information und besserer Service für die Kunden ist lediglich ein Ergebnis erfolgreicher digitaler Transformation. Was ist das Ziel? Geht es darum, neue Wettbewerber aus dem Markt zu schlagen? Sollen neue Kunden gewonnen werden? Oder sollen lediglich einige manuelle oder papierne Prozesse ersetzt werden, um die Produktivität der Mitarbeiter zu erhöhen?

Autor David Kuhn, Mendix
Low Code ist der Schlüssel - meint David Kuhn, Insurance Solutions Director bei MendixDavid Kuhn ist Insurance Solutions Director bei Mendix. Der Experte für Versicherungstechnologie und digitale Geschäftsstrategie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung aus der IT bei Unternehmen und im öffentlichen Sektor. Beim Low-Code-Anbieter Mendix unterstützt er zahlreiche Versicherungsunternehmen in deren Digitalisierung. Zuvor war er als Chief Architect für die IT-Struktur der Erie Insurance Group verantwortlich.
In jedem Fall gilt: Digitalisierung darf nicht alleinige Verantwortung der IT-Teams bleiben. Denn die IT steht selten in der ersten Linie, wenn es darum geht, die Bedürfnisse der Kunden und Mitarbeiter zu erkennen. Deshalb wird ein Finanz- und Ver­sicherungs­unter­nehmen immer von einer sehr engen Zusammenarbeit der IT-Teams mit den unterschiedlichen Fachabteilung profitieren. Eine derart intensive Zusammenarbeit über die Abteilungsgrenzen hinweg bedarf jedoch immer noch einer grundsätzlichen Veränderung von Einstellungen. Unternehmen, die den Schritt wagen, haben ein Ass im Ärmel. Sie können optimal von Low-Code-Technologien profitieren.

Low-Code ermöglicht Mitarbeitern ohne oder mit nur wenig eigener Programmier-Erfahrung, ihre Ideen in reale Anwendungen umzusetzen. Das ist ein enormer Vorteil.“

So lässt sich ohne großen Aufwand mit Ideen experimentieren, die das Unternehmen voranbringen können. In gemischten Teams mit traditionellen Software-Ingenieuren erreichen Low-Code-Professionals oft Außergewöhnliches. Unternehmen können ungeahntes kreatives Potenzial freisetzen, indem sie Mitarbeitern im gesamten Unternehmen die Werkzeuge in die Hand geben, an einer Umsetzung der langfristigen Ziele des Unternehmens zu arbeiten.

Per Low Code lässt sich ein digitales Mindset im gesamten Betrieb aktivieren. Die IT-Abteilung wird dadurch gestärkt und gleichzeitig entlastet.

Außerdem: Low Code bietet höchste Sicherheit und Transparenz. Über die Plattform lässt sich dokumentieren, woran die IT arbeitet. Sie bietet einen umfassenden Blick auf jedes einzelne Projekt. So lassen sich regulatorische Vorgaben einfacher einhalten und Audits schnell abschließen.

Die Versicherungsindustrie arbeitet kontinuierlich an der digitalen Transformation. Low Code kann sie nochmals auf ein neues Niveau heben.David Kuhn, Mendix

 
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