STRATEGIE17. Oktober 2018

Der Kommentar: PayPal nimmt den Banken nach der Butter jetzt auch die Brotstulle!

Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth

PayPal ist am Ziel. Durch die Kooperation mit Mastercard und Google kann man in Deutschland jetzt auch am physischen Point of Sale mit PayPal bezahlen. Die deutschen Banken kommen mir dabei ein wenig konsterniert vor. Dabei ist das eine Entwicklung, die sich seit vielen Jahren abgezeichnet hat. Der Kommentar

von Rudolf Linsenbarth

Google Pay wurde im Frühjahr 2011 erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Produkt hieß noch Google Wallet und das Konzept sah ein wenig anders aus, aber die Strategie war dieselbe. Google liefert die Infrastruktur für die Banken und erhält als Gegenleistung mehr Daten.

Damals wie heute stieß das Modell bei den Banken auf wenig Gegenliebe. Google Wallet wäre daran fast gescheitert. Zumal auch die Mobilfunkunternehmen, die glaubten beim Mobile Payment ebenfalls eine Rolle spielen zu können, nicht mitzogen. Google aber ließ sich nicht beirren und ersann mit HCE eine Möglichkeit, das Ding auch ohne Mobilfunker und Banken durchzuziehen. Die strukturierte Einführung von Tokenisation durch Mastercard und VISA ermöglichte es schließlich Bezahlprodukte einzuführen, ohne dass Google dabei selbst in den Lead gehen muss.

Google Wallet wurde erst in Android Pay und danach in Google Pay umbenannt. Seit Ende Juni ist Google Pay auch in Deutschland verfügbar. Bisher mit mäßigem Erfolg, obwohl das Produkt vom Funktionsumfang alle bankeigenen Mobile-Payment-Lösungen abhängt.

Jetzt bietet PayPal seinen 20 Millionen Kunden, sofern sie ein Android Gerät besitzen, die Nutzung von Google Pay.

Mastercard Instant Issuing via PayPal in Google Pay
bigstock/Natee Meepian/ITFM

Das Ganze geht innerhalb weniger Minuten, ohne dass zuvor eine Kredit- oder Debitkarte beantragt werden muss. Instant Issuing vom Feinsten! Das Geld wird direkt dem Girokonto belastet. Genau wie die meisten deutschen Kunden sich das wünschen.“

Was will PayPal eigentlich am POS?

Die Margen sind am POS bei weitem nicht so hoch, wie im Online-Geschäft. Ein kurzer Überschlag zeigt, dass es sich dann doch lohnt. Nehmen wir an, ein Kunde deckt 20% seines Bedarfs im Internet, dann gibt er die 4-fache Menge am physischen POS aus. Das entspricht also in etwa dem umgekehrten Margenverhältnis. Das heißt die Gewinne sind niedriger, werden aber durch ein höheres Volumen wieder ins Lot gebracht.

Das ist aber noch nicht alles: Wer für den Offline-Einkauf in den Köpfen des Kunden verankert ist, wird wahrscheinlich auch beim Online-Einkauf stärker genutzt und umgekehrt. Zusätzlich hat PayPal aus dem Vodafone Wallet-Projekt gelernt. Hier konnte man für das Funding noch Kreditkarten einschließlich der relativ teuren AMEX verwenden. Nun aber erlaubt PayPal die Nutzung von Google Pay nur, wenn als Zahlungsmittel auch die Lastschrift verwendet wird. Das könnte dazu führen, dass ein Teil der Nutzer diese Einstellung auch für die Online-Einkäufe so belässt. Als letztes schließlich wird PayPal die Google-Pay-Aktion auch als Mittel zur Neukunden-Akquise einsetzen.

Insgesamt keine erfreulichen Aussichten für Deutschlands Banken!

Es gibt drei zentrale Baustellen, die bearbeitet werden müssen …

Klare Ansagen der KundenRudolf Linsembarth

1. Baustelle Nummer 1 – Mobile Payment

Einige Banken halten Mobile Payment immer noch für nicht relevant genug, um Ihren Kunden ein Angebot zu machen. Kann man machen – ist aber nicht geschickt! Diesen Banken sollte bewusst sein, dass sie sich gerade aus der Zukunft des Zahlungsverkehrs verabschieden. Hier werden die Kunden direkt in die Arme von PayPal getrieben. Jede weitere Investition in paydirekt ist dann rausgeschmissenes Geld! Bei allen anderen Banken übrigens auch, nur ist es da nicht so offensichtlich.

Einige Banken glauben, mit einer eigenen Mobile Payment App dem Kunden ein besseres Angebot machen zu können. Sie verkennen dabei, dass Google hier einen Entwicklungsvorsprung von 7 Jahren hat. Auch wenn die Banken nicht jedes Rad neu erfinden müssen, zwei Jahre hinter dem aktuellen Trend sind immer noch deutlich. Beispielhaft sei hier nur CDCVM (bezahlen von High Value Beträgen ohne PIN am Terminal) und Wearables genannt. Ich glaube nicht, dass diese Lücke kurzfristig geschlossen wird. Außerdem bleibt Google in seiner Entwicklung ja auch nicht stehen.

Ich höre schon die Argumente, dass man erst die regulatorischen Auflagen der PSD2/RTS erfüllen muss, bevor man für anderes Zeit hat. Richtig, wenn die Ressourcen begrenzt sind, sucht man sich einen Partner, der bestimmte Aufgaben besser erledigen kann. Klar, umsonst ist das nicht, aber die Daten wandern ja nicht komplett und exklusiv zu Google, sondern bleiben auch bei den Banken, und zwar genauso so viele, wie bei der eigenen Mobile-Payment-Lösung.

Alle Banken, die bisher noch keine eigene Mobile-Payment-Lösung am Start haben, sind mit Google Pay (und wahrscheinlich auch Apple Pay) am besten bedient. Banken mit einer eigenen HCE App sollten einmal die Google-Pay-Opportunitätskosten ermitteln.“

Mit Datenhoheit braucht mir niemand kommen! Das interessiert den Kunden heutzutage einfach nicht. By the way, ich habe in den 80ern die Volkszählung boykottiert, so ändern sich die Zeiten …

Wichtiger ist es, mit Google, Mastercard und VISA einen Deal zu schließen, so dass Google Pay auch ein relevantes Online-Zahlverfahren wird. Das ist ein 10-mal besserer Angriff auf PayPal, als weitere Millionen in paydirekt zu versenken. Vielleicht verleidet so ein Move PayPal den Spaß, mit Google Pay weiterzumachen. Ich denke, aus diesem Grund werden wir auch keine Apple-Pay-Integration von PayPal sehen.

2. Baustelle Nummer 2 – Vernünftige Kartenprodukte

DG Verlag

Es ist mir durchaus klar, warum die Sparkassen („Eine Kooperation mit Google ist keine Option.“) und Genossenschaftsbanken der girocard den Vorzug gegenüber den Produkten von Mastercard und VISA geben. Deshalb muss man die Kreditkartenprodukte aber doch nicht derart schlecht ausgestalten, dass die Kunden geradezu in die Arme der Direkt- und Startup-Banken getrieben werden, bzw. lieber gleich auf eine Kreditkarte verzichten. Größtes Ärgernis hierbei ist die Auslandseinsatzgebühr: Nicht nur dass man für eine Karte, die bei anderen Banken gratis zu haben ist, im Nicht-Euro-Raum 2% Strafgebühr zahlt, nein einige Banken nehmen auch noch eine Mindesteinsatzgebühr von 60 Cent. Dass ist doch die indirekte Aufforderung, die Karte bei Fernreisen möglichst wenig zu nutzen!

Boden gutmachen und nachhaltige Kundenbindung könnte man auch bei Kartenprodukten für Minderjährige. Ein mehrwöchiger Schüleraustausch führt zu einer langen Suche ohne eine wirklich zufriedenstellende Lösung. Am ehesten kommt man dann auf ein Produkt wie VIMpay, ein Testbericht dazu ist in der Pipeline.

3. Baustelle Nummer 3 – Die girocard

Die Deut­sche Kre­dit­wirt­schaft muss jetzt end­lich ent­schei­den, ob sie es mit der gi­ro­card wirk­lich ernst meint. Der Er­folg der kon­takt­lo­sen gi­ro­card zeigt ganz klar, in wel­che Rich­tung der Trend geht.“

Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mo­bi­le Pay­ment, NFC, Kun­den­bin­dung und di­gi­ta­ler Iden­ti­tät. Er ist seit über 15 Jah­ren in den Be­rei­chen Ban­ken, Con­sul­ting, IT und Han­del tä­tig. Lin­sen­barth ist pro­fi­lier­ter Blog­ger im Fi­nanz­be­reich und kom­men­tiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.
Aber oh­ne den fes­ten Wil­len, das Pro­dukt auch auf der iPho­ne-Platt­form ver­füg­bar zu ma­chen, wird das nichts. Das Glei­che gilt für den Ein­satz der gi­ro­card bei On­line-Ein­käu­fen. Auch hier muss man kla­re Kan­te zei­gen. Aber wie will man die Händ­ler im WWW für ein lo­ka­les Zah­lungs­me­di­um be­geis­tern? Ei­ne Fra­ge, auf die auch ich kei­ne Ant­wort ha­be. Da­zu ist mir auch nicht klar, wie das tech­nisch ab­lau­fen soll und ein Preis­ver­hand­lungs­de­sas­ter wie bei pay­di­rekt soll­te man da­bei eben­falls ver­mei­den. Da­bei blitzt im­mer wie­der die Idee auf, die gi­ro­card und pay­di­rekt mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen. Ein Ge­dan­ke, den ich ehr­lich ge­sagt völ­lig ab­strus finde. Die Hinzunahme eines nicht einfach zu handhabenden Dritten steigert nochmal die Komplexität. 

Man kann natürlich auch die Erfolgswelle der girocard zu Ende reiten und sich parallel auf eine andere Payment-Zukunft vorzubereiten.

Das Mobile-Payment-Fazit

Von einem Mobile-Payment-Produkt auf der Höhe der Zeit erwarte ich:

1. CDCVM
2. Support für Wearables
3. eine aussagekräftige Transaktionshistorie
4. zeitnahe Transaktionsbenachrichtigungen
5. eine flächendeckende Akzeptanz

Beim letzten Punkt verwischen gerade die Unterschiede zwischen den einzelnen Schemes. Selbst beim Bargeldbezug im Handel, bisher nahezu ein Alleinstellungsmerkmal der girocard, scheint es einen Paradigmenwechsel zu geben:

Gestern habe ich mit Google und der N26 Mastercard 40€ beim Netto-Markendiscount abgehoben. Nicht erfolgreich war die gleiche Konstellation mit einer Mastercard von PayPal. Aber das muss nicht so bleiben, als Bank würde ich mich darauf nicht verlassen!“Rudolf Linsenbarth

 
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