ANWENDUNG20. September 2022

USA prüfen Regulierung von Bitcoin und Ethereum

Krypto-Assets drohen neue Auflagen in den USA: Das Weiße Haus will gegen die Energieverschwendung des Bitcoin vorgehen – zunächst kooperativ, wenn das nichts nützt auch per Verbot von PoW. Ethereum muss trotz bzw. wegen der Umstellung auf PoS eine strengere Regulierung fürchten: die US-Börsenaufsicht SEC prüft, ob Staking-Erlöse als Dividende eingestuft und die Kryptowährung als Wertpapier gelten muss. Auch in Europa gibt es Ärger: NFTs sind keine NFTs im Sinne der MiCA-Regulierung, wenn sie Serien und Sammlungen angehören – das hat unangenehme Konsequenzen.

Weltweit legen Regierungen den Kryptowährungen immer mehr Fesseln an. <Q>PictureSyndicate, Ustun Ibisoglu / Bigstockphoto
Weltweit legen Regierungen den Kryptowährungen immer mehr Fesseln an. PictureSyndicate, Ustun Ibisoglu / Bigstockphoto

 

In einem ersten Entwurf der EU-Richtlinie für Kryptowährungen (Markets in Crypto Assets, kurz MiCA) drohte dem Bitcoin ein Verbot in Europa ab 2025 – falls die Kryptowährung sich bis dahin nicht vom energieintensiven Proof-of-Work-Konzept verabschiedet. Nach heftigem Streit im zuständigen Ausschuss wurde diese Regelung gestrichen (IT-Finanzmagazin berichtete).

Biden will Umwelt schützen

Nun droht sie wieder auf den Tisch zu kommen – aber diesmal in den USA. Das Weiße Haus hatte kürzlich den Bericht „Climate And Energy Implications Of Crypto-Assets In The United States“ veröffentlicht, der sich unter anderem mit dem hohen Stromverbrauch von Kryptowährungen wie dem Bitcoin befasst. Aufgrund der schädlichen Auswirkungen gibt der Bericht eine klare Empfehlung ab:

<Q>White House
White House

Die Environmental Protection Agency (EPA), das Department of Energy (DOE) und andere Bundesbehörden sollten technische Unterstützung leisten und einen gemeinschaftlichen Prozess mit Staaten, Gemeinden, der Krypto-Asset-Industrie und anderen initiieren, um effektive, evidenzbasierte Umweltleistungsstandards für die verantwortungsvolle Gestaltung, Entwicklung und Nutzung von umweltfreundlichen Krypto-Asset-Technologien zu entwickeln […] Sollten sich diese Maßnahmen bei der Verringerung der Auswirkungen als unwirksam erweisen, sollte die Regierung Exekutivmaßnahmen prüfen und der Kongress könnte eine Gesetzgebung in Erwägung ziehen, um die Verwendung von Konsensmechanismen mit hoher Energieintensität für das Krypto-Asset-Mining einzuschränken oder zu unterbinden.“

Ausgangspunkt ist der erklärte Willen der Biden-Regierung, die Pariser Klimavereinbarung einzuhalten. Dem stehe der hohe CO2-Ausstoss der Kryptobranche derzeit entgegen. Als konkrete Ziele werden die Reduzierung von Energie- und Wasserverbrauch sowie Lärmemissionen vorgegeben. Außerdem eine Stabilisierung des Stromnetzes sowie die Entlastung von Gemeinden, die besonders stark unter den negativen Folgen des Minings leiden. DOE und EPA werden aufgefordert, staatlichen Versorgungsunternehmen, den Umweltschutzbehörden und der Kryptowährungs-Industrie technische Unterstützung anzubieten, um dieses Ziel zu erreichen.

Doch damit nicht genug. Die Regierung solle gemeinsam mit dem Kongress darauf hinarbeiten, dass DOE und andere Bundesbehörden Energieeffizienz-Standards etablieren, die für Mining-Hardware, Blockchains und andere Anwendungen gelten. Darüber hinaus fordert der Bericht die Offenlegung von Umweltdaten, darunter die Krypto-Mining-Standorte, jährlichen Stromverbrauch, Treibhausgas-Emissionen und Recyclingquoten des anfallenden Elektroschrotts.

Neben der drohenden Regulierung kommt Bitcoin auch von Seiten professioneller Anwender der Blockchain unter Druck: Der hohe Energieverbrauch steht den Interessen von Unternehmen entgegen, die auf Nachhaltigkeit bzw. ESG-Kriterien ausgerichtet sind – insbesondere seit der nächste Verfolger die Umstellung erfolgreich vorgemacht hat.

Ethereum vor neuen Herausforderungen

Die zweitgrößte Kryptowährung nach dem Bitcoin, Ethereum, hat sich gerade erst vom Proof-of-Work-Konzept verabschiedet. Nach Angaben der leitenden Entwickler soll nach dem „Merge“ genannten Schritt nun mehr als 99 Prozent des bisherigen Energieverbrauchs eingespart werden. Zwar hatten verschiedene Initiativen dazu aufgerufen, das Mining in einem abgespaltenen Zweig („Fork“) fortzusetzen. Auch gibt es verschiedene Alt-Coins, die weiterhin auf PoW setzen. Doch angesichts der teils dramatischen Kursverluste der letzten Tage sowie der derzeit hohen Stromkosten ist das Mining dieser Kryptwährungen derzeit ein Minusgeschäft. Da hilft nur Abschalten.

Mit der Validierung von Transaktionen nach dem Proof-of-Stake-Konzept muss das Ethereum-Netzwerk jedenfalls keine Umweltschutz-Auflagen befürchten. Trotzdem droht auch dieser Kryptowährung eine strengere Regulierung – gerade wegen PoS.

„The Merge“ und das nun eingesetzte Staking hat die US-Börsenaufsicht SEC auf den Plan gerufen. Dessen Vorsitzender Gary Gensler hatte laut Wall Street Journal darauf hingewiesen, dass PoS-basierende Kryptowährungen gemäß dem Howey-Test als Wertpapiere eingestuft werden könnten, wenn die Gewinne aus dem Staking einer Dividende gleichkommen. Damit würden die Krypto-Assets den entsprechenden Anforderungen an Veröffentlichungspflichten, Kundeninformationen und ähnlichem unterliegen.

Non Fungible Tokens in der EU

Dieses Schicksal droht übrigens auch NFTs auf dem europäischen Markt. Zwar hatten sich EU-Parlament und -Kommission bei den letzten Verhandlungen darauf geeinigt, dass NFTs nicht unter die MiCA-Regulierung fallen sollen. Doch da gibt es anscheinend einen Interpretationsspielraum, der den von der Kommission gewünschten Ausnahmetatbestand in vielen Fällen aushebelt.

Das Online Medium Coinbase verwies in diesem Zusammenhang auf Aussagen von Peter Kerstens, Berater für technologische Innovation im Finanzdienstleistungsbereich der EU-Kommission, auf der Korea Blockchain Week Anfang August. Demnach verstehe der EU-Gesetzgeber NFTs „sehr eng“. Sammlungen und Serien fielen nicht unter diesen engen Begriff und damit nicht unter die im Gesetz genannte Ausnahme.

Für diese müssten dann beispielsweise Informationen an Kunden herausgegeben werden, die im Prinzip einem Aktienprospekt entsprechen. Darüber hinaus müssten Anbieter wie NFT-Börsen sich eine behördliche Genehmigung für den Handel mit solchen Krypto-Assets einholen. hj

 
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