INTERVIEW2. Feb. 2015

10.000 Voranmeldungen und riesige Pläne: NUMBER26-Gründer Valentin Stalf

Valentin Stalf (im Bild) und Maximilian Tayenthal gründeten 2013 das FinTech NUMBER26. Vor wenigen Tagen haben sie den Service nun offiziell gestartet.Number26
Valentin Stalf (im Bild) und Maximilian Tayenthal gründeten 2013 das FinTech NUMBER26. Vor wenigen Tagen haben sie den Service nun offiziell gestartet.Number26
Valentin Stalf ist gebürtiger Wiener und hat Accounting & Finance an der Hochschule St. Gallen (Schweiz), sowie an der Sophia University in Tokyo (Japan) und der Wirtschaftsuniversität Wien (Österreich) studiert. 2013 hat er zusammen mit Maximilian Tayenthal das FinTech NUMBER26 gegründet (wir berichteten) und sich das Ziel gesetzt, die traditionelle Banking Industrie und die Weise wie man zahlt, spart und Geld überweist zu revolutionieren. IT Finanzmagazin hat sich mit dem Gründer unterhalten.

Valentin Stalf (29) sammelte schon viel Erfahrung in der FinTech-Branche: während des Studiums hat er im Strategy Consulting (Roland Berger) und dem Investment Banking / Mergers & Acquisitions (Deutsche Bank) gearbeitet. Nach seinem Abschluss in St. Gallen 2012 ging er zum Internet Incubator Rocket Internet als Entrepreneur in Residence und war daran beteiligt, verschiedene Unternehmen wie Payleven (mobile payments) und Paymill (epayments) aufzubauen. 

NUMBER26-Mitgründer Maximilian TayenthalNUMBER26
NUMBER26-Mitgründer Maximilian TayenthalNUMBER26
Herr Stalf, wie kamen Sie eigentlich auf die Idee Number26 zu machen?

Valentin Stalf: Mein Mitgründer Maximilian Tayenthal und ich hatten Anfang 2013 die Idee Banking grundsätzlich neu zu gestalten. Wir waren mit dem bisherigen Angebot aus Nutzersicht unzufrieden. Nutzer mussten bisher unzählige Dokumente ausdrucken, sich bei der Post verifizieren lassen und mussten Banking-Anwendungen nutzen, die nicht mehr dem Anspruch von Smartphone-Nutzern entsprechen. Dadurch haben wir die Motivation entwickelt Banking transparenter, mobiler und sicherer zu machen.

Kontoführung und MasterCard sind bei Number26 kostenlos. Auch sonst, sagen Sie, entstünden Kunden keine Kosten. Womit verdienen Sie Geld?

Valentin Stalf: Wenn ein Kunde die NUMBER26 MasterCard nutzt, dann zahlt der Händler – nie der Kunde – immer eine kleine Gebühr. Die Einlagen bei unserer Partnerbank werden wie bei jeder anderen Bank auch verwaltet. Wir erhalten hier eine kleine Provision an den Geldeinlagen.

N26_logo_blackWie viele Konten haben Sie nun nach den ersten Tagen?

Valentin Stalf: Wir haben über 10.000 Voranmeldungen auf unserer Warteliste und laden täglich Personen ein. Während unserer Beta-Phase haben mehrere hundert Personen unser Konto in der Praxis ausführlich getestet.

Sie laden täglich Personen ein? Ist die Begrenzung der neuen Konten eher eine Marketing-Maßnahme (nach Apple-Vorbild) oder gibt es im Hintergrund Leistungsprobleme die eine Limitierung erfordern?

Valentin Stalf: Die Limitierung stellt sicher, dass wir allen Kunden eine großartige Kundenerfahrung ermöglichen können. Wir möchten sicherstellen, dass wir NUMBER26 Kunden auf allen Kommunikationswegen z.B. via Chat, Telefon, Social Media eine schnelle und zufriedenstellende Antwort liefern können. So bleiben wir auch auf der technischen Seite flexibel und können schnell reagieren. Sie können sich vorstellen, dass dies bei täglich über tausend neuen Kunden nicht ohne weiteres möglich wäre.

Sehen Sie sich als mehr als Bank, Bank-Dienstleister oder Technologie-Anbieter?

Valentin Stalf: Wir sehen uns gemeinsam mit der Wirecard Bank AG zum einen als vertrauenswürdigen Bank-Dienstleister und zum anderen als Technologie-Anbieter, der Kunden eine einzigartig Banking-Erfahrung liefert. Langfristig können wir uns vorstellen weitere Bereiche der Value Chain zu übernehmen und auch eine eigene Lizenz zu beantragen. Unser Fokus liegt aber eindeutig auf Produktgestaltung und User Experience. Hier wollen wir auch in Zukunft neue Maßstäbe setzen und uns darauf fokussieren.

Warum haben Sie die Wirecard Bank als Banking-Partner gewählt?

Valentin Stalf: Wir brauchen einen starken, erfahrenen und vor allem flexiblen Bankpartner an unserer Seite, der regulatorisches Know How sowie die entsprechende Lizenz mitbringt, um unser Produkt in Europa überhaupt zu ermöglichen. Nach vielen Gesprächen mit potentiellen Bankpartnern, konnte Wirecard unsere Anforderungen am Besten erfüllen. Die Finanzkraft der Wirecard – als am TecDax notiertes Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von derzeit rund 4,9 Mrd € – garantiert die Sicherheit der Kundengelder.

Wirecard ist dann auch die kontoführende Bank? Heißt das, Sie sind im Grund genommen nur Dienstleister der Wirecard?

Valentin Stalf: Wirecard ist für die Sicherheit der Einlagen zuständig. NUMBER26 verantwortet die gesamte Kundenerfahrung im Bereich Online- und Mobile Banking sowie den Kundensupport. Die Kombination aus traditioneller Sicherheit und innovativem Technologie-Vorsprung sind aus Kundensicht die größten Vorteile bei dieser Kooperation. Alle regulatorischen Aufgaben übernimmt die Wirecard Bank.

Number26
Number26
Kommunizieren Sie über eine offenen API oder ist es eine proprietäre Lösung? Direkt ans Kernbankensystem?

Valentin Stalf: Zu den technischen Details unserer Lösung geben wir aus Sicherheitsgründen keine genauen Auskünfte. Wir kommunizieren über verschiedene Schnittstellen.

Führen Sie die Video-Authentifizierung selber durch oder nutzen Sie einen der bekannten Anbieter?

Valentin Stalf: Wir setzen auf ID-Now als Authentifizierungsanbieter.

Wenn heute eine klassische Bank auf Sie zukommen würde um Ihre Leistung anzubinden (vgl. Payone/Sparkassen), was würden Sie tun?

Valentin Stalf: Grundsätzlich sind wir eine Alternative zu den traditionellen Banken. Unser Angebot, gemeinsam mit der Wirecard Bank, kann nicht ohne weiteres einfach eingebunden werden. Die technischen Prozesse sowie Sicherheits-Anforderungen sind dafür zu hoch. Aus unserer Sicht haben die traditionellen Banken den Anschluss verpasst, eine Kooperation bringt daher zum jetzigen Zeitpunkt für den Kunden keinen Mehrwert. Wir sind auch davon überzeugt, dass NUMBER26 mit einer traditionellen Bank in naher Zukunft nicht umsetzbar wäre.

Wenn Sie fünf Jahre weiter denken – wie soll sich Number26 entwickeln? Streben Sie eine eigenen Banklizenz an?

Valentin Stalf: Wir wollen die erste wirklich Europäische Bank werden und haben das Ziel innerhalb Europas zu wachsen und Smartphone-affinen Nutzern eine ernsthafte Alternative zu den bisherigen Angeboten zu bieten. Eine eigene Banklizenz ist natürlich ein Thema, allerdings nicht für die nächsten Monate und nur in dem Fall, in dem wir uns entscheiden, weitere Teile aus der Value Chain zu übernehmen. Derzeit sind wir mit unserem Partner Wirecard Bank sehr zufrieden.

Vielen herzlichen Dank Herr Stalf!

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http://www.it-finanzmagazin.de/?p=9136
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