STUDIEN & UMFRAGEN11. Jul. 2015

FinTechs 2019: Digitale Kanäle sollen über 35 Prozent der Bankerträge übernehmen

SeanPavonePhoto/bigstock.com
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Die Boston Consulting Group zeichnet für FinTechs schon in 2019 eine rosige Zukunft – malt dafür für Banken ein tiefschwarzes Bild: Schon in vier Jahren werden über traditionelle Bankfilialen weniger als die Hälfte (rund 45 Prozent) der Erträge erzielt, während es heute noch zwei Drittel sind. Auf digitale Kanäle entfallen 2019 bereits über 35 Prozent der Erträge. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Retail Banking Revenue Pools 2015“ der BCG.

Neue, digitale Wettbewerber wie FinTechs werden sich laut BCG Marktanteile von 8 bis 12 Prozent gesichert haben. Dadurch entgeht den klassischen Bankfilialen ein Ertragspotenzial von 6 Milliarden Euro. Auf jährlicher Basis modelliert BCG die Produktentwicklung des deutschen Privatkundenmarktes in Volumen, Margen und Erträgen.

BCG/linkedIn
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Die klassischen Filialbanken stehen vor der Herausforderung, ihre Vertriebsstruktur zügig umbauen zu müssen. Auch wenn sie eine Radikalkur noch scheuen, ist ein grundlegender Modellwechsel unausweichlich. Sonst könnten die Filialbanken bald die ‚Dinosaurier‘ des Privatkundengeschäfts werden“

Til Klein, BCG-Partner und Experte für Privatkundenbanken

Ein Achtel der Ertragsbasis geht in zehn Jahren verloren

BCG
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Der Vergleich der europäischen Märkte zeigt, vor welcher dramatischen Markt- und Wettbewerbssituation die deutschen Banken stehen. Im deutschen Privatkundengeschäft gingen seit 2009 Erträge in Höhe von 5,1 Milliarden Euro (8,6 Prozent) verloren; sie beliefen sich 2014 auf 54,0 Milliarden Euro. Bis 2019 werden die Erträge um weitere 2,7 Milliarden Euro (4,9 Prozent) schrumpfen. Gründe dafür sind unter anderem das Niedrigzinsumfeld, die Digitalisierung und erhöhter Wettbewerb aus dem Ausland. Den Privat- kundenbanken geht damit innerhalb von nur zehn Jahren mehr als ein Achtel ihrer Ertragsbasis verloren, bei gleichzeitigem Anstieg der Kosten für regulatorische Anforderungen.

Im Europäischen Vergleich verdienen deutsche Banken am schlechtesten

Die Retail Banking Revenue Pools zeigen zudem, dass mit Bankdienstleistungen bei deutschen Kunden am wenigsten verdienen wird: So erzielen Banken mit ihnen im Jahresdurchschnitt nur rund 730 Euro, bei Franzosen sind es 890 Euro und bei Niederländern 1.130 Euro. Spitzenreiter sind die Briten mit 1.330 Euro. In Deutschland wird sich der durchschnittlich erzielte Betrag bis 2019 weiter verringern, während er in Frankreich um 3,1 Prozent und in den Niederlanden um 1,3 Prozent wachsen wird. Grund für diese Steigerung ist unter anderem die hohe Kreditnachfrage zur Eigenheimfinanzierung. Der Anteil der Krediterträge liegt in Frankreich bei 56 Prozent, in den Niederlanden bei 65 Prozent, und in Deutschland dagegen nur bei 37 Prozent.

Mangelnde Kreditnachfrage lässt Erträge schrumpfen

BCG erwartet in Deutschland aufgrund einer nachlassenden Kreditnachfrage und sinkender Margen einen Rückgang der Krediterträge um jährlich rund 1 Prozent. Damit verlieren die deutschen Banken einen ihrer wenigen Wachstumsfaktoren der vergangenen Jahre. Positive Entwicklungen erwartet die BCG dagegen im Wertpapiergeschäft – mit einem jährlichen Wachs-tum von 2 Prozent – sowie beim Einlagengeschäft: Hier ist mit einer Verlangsamung des Ertragsrückgangs zu rechnen. Seit 2009 sind die Einlagenerträge um 33 Prozent eingebrochen; in den nächsten Jahren werden sie mit einem Minus von jährlich 3 Prozent deutlich langsamer zurückgehen. „Dennoch gilt: Wer die Einlagen- und Zinsabhängigkeit vieler deutscher Banken kennt, der weiß, dass das Verschwinden von über 40 Prozent der Einlagenerträge in nur zehn Jahren zwischen 2009 und 2019 an den Grundfesten der Branche rüttelt“, sagt Til Klein von der BCG.

Ein Link zur Studie und Preis standen zu Redaktionsschluss leider noch nicht zur Verfügung.aj

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http://www.it-finanzmagazin.de/?p=17299
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