MOBILE PAYMENT16. Sep. 2015

Visa: Weiter Auf Apple und Android Pay warten – oder Optionen prüfen und selber starten?

Volker KoppeVisa Europe
Volker KoppeVisa Europe

2015 ist ein Jahr mit vie­len auf­regen­den Ent­wicklun­gen beim Mobile Payment. Mobile Bezahllösun­gen sind be­reits im All­tag vie­ler Ver­brau­cher in den Ver­einig­ten Staa­ten und Eu­ropa angekommen. Apple Pay ist seit kurzem in Großbritanni­en als ers­tem eu­ropäi­schen Markt verfügbar, Samsung hat sei­nen Bezahldienst Samsung Pay angekündigt, und die Goog­le-Lösung An­droid Pay ist in der letz­ten Wo­che in den USA ge­startet.
Ein Plädoyer von Volker Koppe (Visa) nicht auf Apple, An­droid oder Samsug Pay zu war­ten, sondern sich selber mit der Cloud-basier­ten Lösung von Visa eigenständig zu positionie­ren.

von Volker Koppe, Mobile Go To Market Lead für die Region Central Europe und Nordics bei Visa Europe

Die deutschen Verbraucher selbst gehen davon aus, in den nächsten fünf Jahren viel häufiger mobil zu bezahlen als bisher. Das zeigen Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Marktforschungsunternehmens Populus im Auftrag von Visa Europe. Demnach geben vier von zehn Deutschen an, dass sie im Jahr 2020 mindestens einmal pro Woche mit einem Smartphone, Tablet oder Laptop bezahlen werden.

1,7 Milliarden Euro – pro Woche

Das Gesamtvolumen des mobilen Bezahlmarktes in Deutschland schätzen wir auf Basis der Studienergebnisse in fünf Jahren auf über 1,7 Milliarden Euro – pro Woche. Auf der Akzeptanzseite im Handel werden die Weichen dafür bereits gestellt. Die Zahl der Kassenterminals ist Anfang des Jahres auf 58.000 kontaktlose Geräte gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich diese Zahl um mehr als 92 Prozent erhöht. Und die Anzahl der kontaktlosen Terminals wird in den nächsten zwei Jahren weiter auf 200.000 bis 300.000 steigen. Immer mehr große Handelsketten führen kontaktloses Bezahlen auch mit Visa ein, wie in jüngster Zeit Aldi Nord und die Media-Saturn-Gruppe.

Was die Einführung mobiler Bezahllösungen betrifft, bieten sich den Banken einige Optionen. Banken müssen im digitalen Zeitalter mehr denn je dort sein, wo die Konsumenten sind. Und sie müssen den Kunden Bezahlservices auf „ihrem“ System anbieten – das kann iOS sein für die hoch umworbene, weil tech-affine und ausgabefreudige Zielgruppe der Apple-Nutzer, aber eben auch Android, das nach wie vor auf 75 Prozent aller neuen Smartphones in Deutschland installiert ist.

Per Android könnten Banken schon heute mobile Payment anbieten

Auf Geräten mit dem Betriebssystem von Google ist die Integration verschiedener mobiler Bezahldienste, bei denen Bankkunden ihre Visa Kredit- oder Debitkarte hinterlegen und damit zahlen können, bereits heute möglich. Dabei ist nicht nur die Rede von Android Pay, Googles eigenem Bezahldienst, der in Deutschland noch nicht eingeführt wurde: Ein weiteres Modell ist das sogenannte Cloud-basierte Bezahlen mit Visa. Ebenso wie bei Android Pay sind die sensiblen Daten des Benutzers hier in einem hochsicheren Rechenzentrum der Bank, und nicht auf dem Smartphone selbst hinterlegt. Das Verfahren basiert auf Googles bestehender Host Card Emulation (HCE)-Technologie. HCE ist eine Software-Architektur für Android-Smartphones, die – anders als Apple-Geräte – auch ohne physisches Sicherheitselement im Gerät ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet.

Postbank arbeitet an einem eigenen mobil-Payment-Pilotprojekt

Der große Vorteil dieses Systems ist, dass eine Bank auf einfache Weise die Möglichkeit hat, ins kontaktlose mobile Bezahlen einzusteigen. Denn die Nutzung des HCE-Verfahrens steht Banken für die Entwicklung eigener Apps zur Verfügung und wird bereits von zahlreichen europäischen Banken verwendet (bis Ende 2015 werden es rund 30 sein). Seit Ende 2014 bietet etwa die spanische Großbank BBVA eine Bezahl-App unter eigenem Namen an, die bereits eine hohe sechsstelliger Nutzerbasis hat; zehn polnische Banken haben derartige Projekte gestartet und kürzlich sind die Großbanken CaixaBank in Spanien und Barclays in Großbritannien ebenfalls mit HCE-basierten Services live gegangen. Auch mehrere deutsche Banken arbeiten derzeit an der Einführung – wie etwa die Postbank, die aktuell ein Pilotprojekt mit ihren Mitarbeitern durchführt.

Banken können mit dieser Lösung selbst aktiv werden und müssen nicht zwangsläufig auf die großen Smartphone- und Betriebssystemhersteller warten. Und vergessen wir außerdem nicht: Bezahlen ist vor allem eine Frage des Vertrauens. Viele repräsentative Studien haben gezeigt, dass Konsumenten ihrer Bank vertrauen, wenn es um Zahlungen geht. Mit eigenen Lösungen können Banken auf der einen Seite wertvolle Erfahrungen sammeln und Nutzererfahrungen auswerten – auf der anderen Seite können sie sich gegenüber dem Kunden als Innovatoren im Markt positionieren.

Die wesentliche Erkenntnis ist, dass es nicht nur die „eine“ oder nur die „andere“ Lösung für alle Bankkunden gibt. Letztlich muss jede Bank für sich klären, wie die eigene Mobil-Strategie aussieht und welche Ziele sie verfolgt, bevor sie sich für eine oder mehrere Lösungen entscheidet. Wieso will die Bank mobiles Bezahlen anbieten? Welche Kunden möchte sie erreichen? Will sie eine eigenständige App anbieten oder eine Bezahlfunktion innerhalb des mobilen Bankings integrieren? Wie viel Kontrolle möchte die Bank über das Nutzererlebnis haben? Und vor allem: Will sie vielleicht schneller und innovativer sein als andere?

Wirklich warten oder lieber individuelle Optionen prüfen?

Volker Koppe
Volker Koppe ist als Go To Market Lead bei Visa Europe verantwortlich für die Marktentwicklung und Einführung mobiler Bezahlservices in Zentral- und Nordeuropa. Von 2008 bis 2011 hat Koppe bei Visa Europe die Einführung der Debitkarte V PAY in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorangetrieben; seit 2012 liegt sein Fokus auf innovativen Services im Rahmen der Visa Digital Initiative.
Vor seiner Tätigkeit bei Visa Europe war Koppe von 2002 bis Ende 2007 Leiter Marketing GeldKarte bei der EURO Kartensysteme GmbH und gründete im Jahr 2005 die Initiative GeldKarte e.V.
Wenn diese Fragen beantwortet sind, können Banken entscheiden, ob sie auf globale Plattformen wie Apple Pay oder Android Pay warten wollen, oder individuelle Optionen prüfen und z. B. Cloud-basierte Verfahren einführen möchten. Selbst NFC-Sticker zum Aufkleben auf nicht NFC-fähigen Handys sind hier eine valide Option, sofern die Bank ihren Kunden eine geeignete Smartphone-App anbieten kann, mit der sie Transaktionsübersichten, Ausgabenanalysen oder andere Services nutzen können.

Banken sollten die Bewertungsprozesse jetzt anstoßen, ihre Mobil-Strategie konsequent auf ihr Kundenportfolio ausrichten und schnell mobile Bezahlangebote in den Markt bringen. Dadurch haben sie einen Vorteil im Wettbewerb des digitalen Bankings und können sich als Innovationsführer auch gegenüber den bestehenden Kunden profilieren. Eine wachsende Zahl kleiner, auf Innovation fokussierter Banken und FinTechs steht ansonsten bereit, gerade den nachwachsenden jüngeren Kundensegmenten adäquate mobile Services anzubieten und mit diesen zu formidablen Wettbewerbern zu wachsen.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=19453
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (4 Stimmen, Durchschnitt: 4,50 von maximal 5)
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

OEV--Thomas-Baumbach
Fünf Minuten: Skalierbare Cloudsysteme – Fünf Fragen an Thomas Baumbach, OEV

Digitalisierung bedeutet Wandel. Auch für Versicherer. Denn Kunden nutzen das Internet zur Informationsbeschaffung. So praktisch das Netz ist - bei Groß-Schadensereignissen gibt es ein...

Schließen