EVENTS & MESSEN23. Januar 2018

DLD-Konferenz: „Die Blockchain ist nicht nur disruptiv, sie ist fundamental.“

EU-Digitalkommissarin Mariya Gabriel DLD

Mehr als 1000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft waren auch in diesem Jahr wieder bei der DLD – Digital Life Design, der dreitägigen Technologiekonferenz, zu der Hubert Burda Media seit vielen Jahren im Januar weltweite Technologieexperten und Vordenker aus allen verschiedenen Themenfeldern einlädt. Neben Themen wie Zukunftstechnologien im Transport- und Logistikumfeld und künstlicher Intelligenz war die Blockchain eines der meistdiskutierten Themen.

Hier diskutierten beispielsweise Albert Wenger (Union Square Ventures) und Meltem Demiors (Digital Currency Group) über den Einfluss der Blockchain auf das Kredit- und Venture-Capital-Geschäft. Demiors, die mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Venture Capital is dead“ auf dem Podium erschienen war, glaubt an einen Shift hin zu ICOs und sprach von einem Machtverlust der Banken und Venture-Capital-Finanzierer. „Das Problem an Venture Capital ist, dass vor allem die großen Gründer und Investoren die große Kohle machen. Bei ICOs, wie sie durch die Blockchain möglich werden, profitieren alle Beteiligten gleichermaßen. Gründer, frühe Mitarbeiter, alle, die das Unternehmen groß gemacht haben.“

Erinnerungen an die Dotcom-Ära

Die Blockchain sei laut Demiors eine Möglichkeit der Emanzipation von den Banken bei Geldflüssen. Dem widersprach Albert Wenger, der deutlich machte, dass die im Umfeld der Blockchain diskutierten Themen, namentlich die Kryptowährungen, aktuell einem Casino glichen. „Wir kennen das doch alles aus der Dotcom-Zeit. Es reichte aus, wenn ein Unternehmen was mit Dotcom machte und der Aktienkurs ging hoch – jetzt ist das bei Blockchain ähnlich“, erklärte Wenger und verwies auf Kodak und andere Beispiele, wo der reine Begriff Blockchain im Namen bereits zu einem wachsenden Interesse der Aktionäre am Unternehmen beitrage.

Erst wenn sich der Nebel gelichtet hat und eine Konsolidierung der Anbieter stattfindet, werden wir ein paar Protokolle haben, die technisch relevant sind – aber eben keine Dutzende wie heute. Die wichtige Frage ist, ob der Token im System bekannt und genutzt ist.“

Albert Wenger CEO Union Square Ventures

Die Blockchain, so urteilte der erfolgreiche Risikoinvestor, biete Finanzinstituten und Unternehmen eine Vielzahl an Chancen, der herkömmliche Kreditmarkt sei damit aber noch lange nicht tot. Einen Rat hatte er auch an Investoren und Finanzunternehmen, die Produkte auf Basis von Kryptowährungen auf den Markt bringen wollen: „Wer in Kryptowährungen investieren will, sollte warten, bis die Regierungen entsprechende Reglementierungen eingeführt haben.“ Ein Rat, der trotz der Nachfrage der Kunden auch für Banken gelten sollte.

Meistdiskutierte Frage: Wieviel Regulierung braucht die Blockchain?

Brendan Blumer, Begründer der Kryptowährung Eos (Block.one) ging sogar noch einen Schritt weiter:

Die Blockchain ist nicht disruptiv, sie ist fundamental. Es ist die sicherste Version des Internets, die wir uns vorstellen können. Sie wird Gemeinschaften und Gesellschaften dazu bringen, Unternehmen im Finanzumfeld zu entmachten.“

Brendan Blumer, CEO Block.one

Blumer zeigte sich optimistisch darüber, dass das Blockchain-Thema in den nächsten Jahren an Einfluss gewinnen werde. Unternehmen sollten daher bereits jetzt über das Konstrukt Blockchain nachdenken und Wissen hierzu aufbauen. „Die Blockchain ist eine sicherere Form des Regierens, des Wirtschaftens und von ziemlich allem. Regierungen werden sich deswegen dessen in Zukunft bedienen und so wird es zusätzlich zu den Fiat-Währungen Kryptowährungen geben.“

Er warnte allerdings vor zu viel Regulierung: „Regulierungsmaßnahmen kommen schnell in Mode, so wie sie in den 1990ern für das Internet in Mode kamen. Das klingt für mich immer so nach ‚erstmal alles stoppen, bis wir verstanden haben, was technisch dahinter steckt‘. Wir sollten Kunden schützen, aber deswegen nicht jegliche Innovation bremsen.“

Warnende Worte schließlich hatte auch Michele Mosca, IT-Security-Experte und Forscher zum Thema Quatencomputer:

Die Public-Key-Signature ist die Achillesferse der Bitcoins, die Wallets sind das, was am ehesten angreifbar ist. Erst wenn die Sicherheitsfragen hinreichend geklärt sind, werden sich Kryptowährungen durchsetzen – und mit ihnen die Anwendungen rund um die Blockchain im Finanzsektor.“

Michele Mosca, CEO von EvolutionQ

Prominenter Gast beim DLD: Neue EU-Digitalkommissarin Gabriel

Mit dem Thema Blockchain und Kryptowährungen befasste sich auch die neue EU-Digitalkommissarin Mariya Gabriel bei ihrem ersten Auftritt auf einer deutschen Konferenz. Sie kündigte an, die EU werde sich schon bald intensiv mit den Themen befassen, Europa müsse schnell einen einheitlichen digitalen Markt errichten, aber die neue digitale Realität „produziere auch Ungerechtigkeiten und Konflikte. Wir werden die digitale Revolution nicht erfolgreich gestalten, wenn wir die politischen Fragen außer Acht lassen“, machte die EU-Kommissarin deutlich.tw

 
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