STRATEGIE25. Januar 2021

EPI: Kampf um den europäischen Zahlungs­verkehrs­markt – Europas Banken brauchen jetzt den Regulierer

Joachim Butterweck, Cofinpro über den EPI
Joachim Butterweck, CofinproCofinpro

Internationale Anbieter wie Mastercard, Visa und Paypal drängen derzeit verstärkt auf den europäischen Payment-Markt. Dem möchten europäische Banken mit der „European Payment Initiative“ eine starke Lösung entgegensetzen. Doch das kann nur gelingen, wenn sie dabei die Agenda der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank im Blick behalten.

von Joachim Butterweck, Cofinpro

Der Kampf um die Geldbörsen der europäischen Bürger nimmt Fahrt auf. Wo derzeit oft noch verschiedene nationale Bezahllösungen in Gebrauch sind, soll nach dem Willen der Anteilseigner der „European Payment Initiative“ (EPI) schon bald ein einheitliches Zahlungsverfahren für Kunden und Händler Platz finden – egal ob an der Supermarktkasse oder im Bereich E-Commerce, der aktuell auch durch Covid19 schnell wächst.

Daher haben sich 16 Banken aus sechs europäischen Ländern zusammengeschlossen, um dieses einheitliche Bezahlverfahren zu schaffen. Dominiert von den großen Instituten aus Deutschland und Frankreich ist eine vollständige Abdeckung Europas damit jedoch noch nicht erreicht. Das dürfte auch der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) klar sein, die EPI zwar begrüßen, jedoch schon länger ein international konkurrenzfähiges, paneuropäisches Bezahlverfahren mit breiter Akzeptanz in der Bevölkerung und in der Wirtschaft fordern.

Unterschiedliche Interessen vereinen

Noch zeigt die derzeitige Situation in den europäischen Ländern ein eher zersplittertes Bild. So sind deutsche Banken im E-Commerce bisher kaum mit erfolgreichen Lösungen vertreten und können im boomenden Markt auch keine internationale Akzeptanz vorweisen. Daher kooperieren nun einige Banken verstärkt mit Kartensystemen wie Mastercard und Visa. So ist beispielsweise die Girocard bei einigen Sparkassen seit kurzem mit dem Co-Badge Debit Mastercard erhältlich. Zugleich gibt es Bestrebungen, die vorhandenen nationalen Lösungen auszubauen, um sich Marktanteile am Point of Sale zu sichern oder im E-Commerce neu zu erobern. So fusionierte der Bezahldienst Paydirekt mit Giropay, zusätzlich wird das Kunde-zu-Kunde-Bezahlsystem Kwitt eingebunden.

Auch der europäische Markt ist noch von einer starken Fragmentierung gekennzeichnet. Hier finden sich jedoch bereits erfolgreiche Lösungen – beispielsweise das in den Niederlanden sehr beliebte E-Commerce-Bezahlverfahren iDEAL. Klar ist:

Es wird nicht ganz einfach werden, solche bestehenden erfolgreichen Lösungen in EPI einzubinden oder gar zu ersetzen. Die Herausforderung liegt dabei sicher nicht nur in der Verbindung heterogener Prozesse und Systeme, sondern vor allem in der Zusammenführung der unterschiedlichen Interessen vorhandener Anbieter.“

Dazu bedarf es einer klugen konzeptionellen Arbeit und eines sensiblen Stakeholder-Managements.

Denn das gemeinsame Ziel der europäischen Banken ist klar definiert: Sie müssen als Banken im Bezahl-Alltag ihrer Kunden relevant bleiben. Es gilt, eine Komplettlösung für alle Bereiche zu schaffen – vom E-Commerce über den Point of Sale bis hin zur Wallet. Nur so können sich die Institute noch ihren Platz erkämpfen und den etablierten Platzhirschen Mastercard und Visa sowie Online-Bezahldiensten wie Paypal oder Alipay Paroli bieten.

Autor Joachim Butterweck, Cofinpro
Experte für Bezahlverfahren Joachim Butterweck ist Senior Manager bei der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Cofinpro (Webseite). Er verfügt über jahrzehntelange Projekterfahrung u. a. bei der Digitalisierung, Übernahme einer Großbank, Geschäftsmodellentwicklung, Produkt- und Ertrags-Controlling sowie Outsourcing.

An einem Strang ziehen mit der Politik

Der Druck und damit auch die Motivation für eine möglichst zügige Schaffung eines neuen europäischen Bezahlverfahrens kommt dabei auch aus dem Markt. Viele Händler beklagen die hohen Kosten, sowohl durch die teuren Intermediäre als auch durch die Anbindung heterogener nationaler Bezahlverfahren in Europa. Die Politik hat das Problem erkannt. Sie will die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs vor allem auch voranbringen, um ein europäisches Gegengewicht zur gegenwärtigen Marktmacht der internationalen Kartensysteme inklusive der BigTechs aufzubauen. Die Fragmentierung auf dem hiesigen Payment-Markt soll überwunden werden.

EU-Kommission und EZB verfolgen damit die gleichen Ziele wie die „European Payment Initiative“. Um das Projekt zum Erfolg zu führen, empfiehlt es sich für die 16 Banken, in der Umsetzung am gleichen Strang zu ziehen. Die Synchronisation der EPI-Ziele mit den Vorhaben der Regulierer kann gelingen, wenn sich die Integration im Lösungsrahmen der EU bewegt, der unter anderem die Etablierung von Instant Payments als „the new normal“ vorsieht. Auseinanderlaufende Ansätze sollten möglichst früh vermieden werden. „Rückenwind statt Gegenwind“ sollte daher das Motto lauten, um dem Ziel, der Schaffung eines einheitlichen europäischen Bezahlsystems, möglichst schnell näherzukommen und es zum Erfolg zu führen.

Neben der Harmonisierung der EU-Interessen sollten also Geschwindigkeit, Interoperabilität und der Aufbau auf vorhandenen Standards wie SEPA, Instant Payments und Request to pay zu den Prioritäten der EPI gehören. Nötig wird dazu wegen der bestehenden Dringlichkeit vor allem ein straffes Projektmanagement sein.

Es ist wichtig, möglichst schnell eine Perspektive für alle Beteiligten zu schaffen. Dazu gehört vor allem die Aussicht auf eine hohe Marktabdeckung. Sowohl für die Händler als auch für die Intermediäre sowie Banken und Verbraucher muss das Produkt deshalb attraktiv ausgestaltet sein.“

Die Chance ist noch da, jetzt gilt es, sie zu nutzen

Noch sehen jedoch viele Stakeholder in der Finanzwelt die aktuellen Bestrebungen der EU-Kommission und der EZB – insbesondere hinsichtlich der Etablierung von Instant Payments – eher als Bedrohung an. Daher gilt es nun, mit EPI eine konkurrenzfähige Lösung zu entwickeln, die zum einen die vorhandenen europäischen Player auf dem Payment-Markt stärkt und zum anderen die Vorstellungen der Regulierungsinstitutionen möglichst frühzeitig unterstützt. Denn ziemlich sicher ist:

Die „European Payment Initiative“ wird die letzte Chance sein zu beweisen, dass der Markt in der Lage ist, ein funktionierendes und allseits anerkanntes paneuropäisches Bezahlverfahren aufzubauen.“

Gelingt dies nicht, werden die EZB und die EU-Kommission sicherlich schon bald eingreifen und einen Rahmen aus Regulierungssicht vorgeben. Fest steht, dass die Versäumnisse der Vergangenheit schnell und kraftvoll aufgeholt werden müssen, da sich bereits verlorengegangene Marktanteile der Banken mit jeder weiteren Verzögerung immer schwerer zurückerobern lassen.Joachim Butterweck, Cofinpro

 
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