KOMMENTAR12. Juni 2017

Yomo – die Kritik am neuen Smartphone-Banking der Sparkassen kommt zu früh

… „yomo ist das einfache Girokonto für dein Smartphone: Du kannst es in wenigen Minuten eröffnen und dein Banking künftig problemlos per App machen. Dazu bekommst du eine yomo-Card, mit der du kostenfrei Bargeld an allen Geldautomaten der Sparkassen abheben kannst – oder einfach shoppen gehen.“

Yomo

So werben 10 Sparkassen für ihr neues Produkt. Dieses Versprechen wird eingehalten! Torsten Maue und Marc-Oliver Schake waren trotzdem nicht zufrieden und sind ausgestiegen. Wen es interessiert, findet hier ihre Argumente: „Persönlicher Betatest von Yomo vorfristig beendet“ und „YOMO – ICH BIN RAUS“.

von Rudolf Linsenbarth

Besonders stark kritisiert wurde die un­über­sicht­liche Konditionsvielfalt der einzelnen Sparkassen. Vor allem wenn es über das Basisprodukt Girokonto und girocard hinausgeht. Das führt dann z.B. dazu, dass einige Institute bei den Fremdwährungsgebühren für die Maestro Funktion einen Mindestbetrag von 77 Cent erheben.

Mal abgesehen von der Frage ob solch eine Gebührenstruktur nachhaltig Erträge bringt, beschädigt der Wildwuchs die gemeinsame Marke. Diese diffuse Außendarstellung der Sparkassen kennt man bei ähnlichen Themen, wie Gebühren fürs Bargeld Abheben. Damit ist und bleibt das Kernproblem von Yomo:

Schwierige Entscheidung – denn nicht bei alle Sparkassen kostet Yomo das Gleiche.Baumgarten

Wie bringen die Sparkassen mit ihrer föderalen Struktur ein Produkt auf die Straße, bei dem sie sich gegenseitig Konkurrenz machen?

Der andere Kritikpunkt bei Yomo ist der sehr übersichtliche Funktionsumfang. Die Wunschliste ist riesig. Beginnt beim fehlenden Online Bezahlverfahren, bzw. einer Kreditkarte, der Darstellung der Transaktionshistorie und vielen weiteren gewünschten Zusatzfunktionen. Selbstverständlich alle kostenlos.

Unverständlich auch, der Verzicht der Mail Kommunikation mit den Kunden. Wichtige Informationen müssen per langsamer und teurer Briefpost versandt werden. Da passt es ins Bild, dass die Rücksetzung des Kennwortes oder der Wechsel des Smartphones, per hochpreisigem Video Ident erfolgt. Man wird das Gefühl nicht los, Yomo wäre mit einem goldenen Löffel im Mund geboren.

Bei aller Kritik darf man nicht vergessen, Yomo ist im Augenblick noch kein fertiges Produkt.“

Autor Rudolf Linsenbarth
Linsenbarth-Rudolf-516Rudolf Linsenbarth ist Seni­or Consultant für den Be­reich Mobile Payment und NFC bei COCUS Con­sul­ting. Zuvor war er elf Jah­re im Bank­bereich als Seni­or Technical Specia­list bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Banken­gruppe). Linsenbarth ist ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Blog­ger der Fi­nanz­szene und kommentiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.
Beachtlich also, dass die Sparkassen in einem derart frühen Stadium ihre Kunden bereits daran teilhaben lassen. Genau das ist ja die Forderung mit denen Banken immer wieder konfrontiert werden. Nicht so lange im eigenen Saft schmoren, sondern einfach mal was ausprobieren. Das nennt man „agile Entwicklung“. Dazu gehört dann aber auch die Umsetzung der Lernkurve! Einiges spricht dafür, dass die Entwicklung durch eine zu komplexe Eigentümer Struktur gebremst wird.

Vielleicht hilft ein Blick ins genossenschaftliche Lager. Dort ist soeben ein ähnliches Projekt mit dem Namen Bankomo gestartet. Der Vorteil ist hier, dass es mit der DZ Bank nur ein einziges Spitzeninstitut gibt. Das bedeutet einfache und kurze Entscheidungswege. Die Sparkassen brauchen dabei nur auf die DKB zu schauen.

Für mich jedenfalls gibt es drei gute Gründe das Projekt aktiv weiter zu verfolgen:
1. … ist es für mich die günstigste Möglichkeit eine kontaktlose girocard mit girogo Funktion zu erhalten.
2. … bin ich gespannt wie es weitergeht und ich schaue mir neue Funktionen gerne selber an.
3. Zu guter Letzt hat mir die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, wenn ein Projekt scheitert ist abzuwarten das die einfachste Art der Kündigung. Da spare ich mir dann auch noch das Porto.Rudolf Linsenbarth

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