FINTECH4. Oktober 2021

Google Plex auf Eis gelegt: Wie Alphabet die Bankenwelt trotzdem weiter prägen wird

Google

Es klang wie das Schreckgespenst für die Bankenwelt – doch jetzt wird klar: Mit dem Frontalangriff Googles auf die Bankenwelt wird’s erst einmal nichts werden. Denn laut Medienberichten hat Google seine Pläne aufgegeben, Bankkonten bei Finanzpartnern wie der Citigroup anzubieten. In erster Linie will sich der Suchmaschinenriese auf die Bereitstellung digitaler Möglichkeiten für Banken und andere Finanzdienstleister konzentrieren, anstatt selbst zum Anbieter dieser Dienstleistungen zu werden.

Meldungen US-amerikanischer Medien, allen voran des Wall Street Journal berichten darüber, dass Google seine Pläne, eigene Banking-Lösungen zusammen mit Banken wie der Citigroup sowie einiger weiterer regionaler Bankinstitute aufgegeben hat. Damals sagte Google, dass es einen Dienst namens „Plex“ für Giro- und Sparkonten anbieten würde, für die keine monatlichen Gebühren, Überziehungsgebühren oder Mindestguthaben erforderlich wären. Die dazugehörige physische Kreditkarte wäre über das Netzwerk von Mastercard realisiert worden.

Mit der Strategieänderung zu tun haben soll auch eine hohe Führungskraft aus dem Google-Pay-Umfeld, die das Unternehmen verlassen hat und nach deren Weggang verschiedene Termine, Deadlines und Ziele nicht gehalten wurden. Es handelt sich dabei den Berichten zufolge um Caesar Sengupta, den ehemaligen Google-Vizepräsident und General Manager für Google-Zahlungen, der noch im vergangenen Jahr „Banking für die Mobile-First-Generation relevanter machen“ wollte. Er gründete nach seinem Abgang im März diesen Jahres ein eigenes FinTech-Unternehmen namens Arbo Works. Google bestätigte dies gegenüber CNBC, machte aber keine weiteren Angaben zu den Auswirkungen des Ausscheidens der Führungskraft.

Die Arbeit mit unseren Partnern hat deutlich gemacht, dass es eine Nachfrage nach einfachen, nahtlosen und sicheren digitalen Zahlungen für Online- und In-Store-Transaktionen gibt. Wir aktualisieren unseren Ansatz, um uns in erster Linie auf die Bereitstellung digitaler Möglichkeiten für Banken und Finanzdienstleister zu konzentrieren, anstatt als Anbieter dieser Dienste zu fungieren.“

Ein Google-Sprecher gegenüber CNBC

Google Pay könnte manche Entwicklung auffangen

Die Strategieänderung kommt ziemlich genau zwei Jahre nach den ersten Meldungen über Google Plex, wonach man – wenn auch in etwas anderer Form als Apple – den Schulterschluss mit Banken suchen wollte, um den eigenen Zahlungsdienst Google Pay populärer zu machen und mehr Touchpoints mit den Kunden zu schaffen.

 

Google

Und komplett abgeblasen ist die Revolution wohl auch nicht. Es ist also möglich, dass einige der Funktionen von Plex irgendwann in Google Pay auftauchen werden. Und vieles im Banking-Bereich wird weiterhin über Googles Cloud-Sparte stattfinden, die ja bekanntermaßen die Finanzdienstleistungen zu einem ihrer Hauptkundenbereiche gemacht hat und mit zahlreichen deutschen Banken eng zusammenarbeitet.

Kein Grund zur Entspannung in der Bankenwelt

Für europäische Kunden ist das Ende von Google Plex ohnehin kein Beinbruch. Denn der Dienst sollte es Nutzern unter anderem ermöglichen, sich für Giro- oder Sparkonten verschiedener traditioneller Banken anzumelden, die dann über die App verwaltet werden sollten – im Prinzip also vieles, was die USA so noch nicht hatten, was in der EU durch die PSD2 aber bereits möglich ist. Und ob es in absehbarer Zeit konkrete Plex-Kooperationen in Deutschland gegeben hätte, darf auch bezweifelt werden. Denn bis man Google Pay in Deutschland ausgerollt hatte, war schließlich auch reichlich Zeit ins Land gezogen.

Ist die Gefahr, dass Digitalkonzerne im angestammten Revier der Banken wildern, vom Tisch? Auf keinen Fall. Denn Banken sollten weiterhin Player wie Google, Amazon und Apple, aber auch Facebook oder Uber auf dem Schirm haben – nicht nur, wenn’s darum geht, zu kooperieren, sondern auch im Hinblick auf Kundenkontakte. So bleiben die Digitalkonzerne weiterhin zugleich Partner und Konkurrent der Bankenwelt. Und Apple hat bekanntermaßen bereits seit 2019 zusammen mit Goldman Sachs erfolgreich eine Kreditkarte auf den Markt gebracht. Gerüchteweise plant der Konzern ein „Buy now, pay later“-Produkt mit der Bank. tw

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/126292 
 
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
Loading...

 

(Visited 420 times, 5 visits today)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.