EVENTS & MESSEN3. Mai 2019

Hamburgs FinTech-In­no­va­ti­ons­schmie­den: Ein Einblick in die Zukunft des Bankings

Carolin Neumann, Fintech WeekFintech Week

Obwohl die Digitalisierung nun wirklich nicht erst gestern um die Ecke gekommen ist, stellt sie nach wie vor viele Unternehmen vor große Her­aus­for­de­run­gen. Und je besser es einer Branche noch geht, desto später beginnt sie, sich mit den Kon­se­quen­zen der nicht mehr so neuen „neuen Welt“ auseinanderzusetzen. Sagen wir es so: Der Ban­ken­bran­che im Gros geht es immer noch mehr als gut.

von Carolin Neumann, Fintech Week

Die Finanzbranche hat in den vergangenen Jahren einiges unternommen, um sich zu modernisieren und auch mit der wachsenden Konkurrenz aus Startups auf der einen und GAFA (Google, Amazon, Facebook, Apple) auf der anderen Seite klarzukommen:

… mit Kooperationen mit FinTechs, eigenen digitalen Produkten – und mutigen Experimenten.“

Und wenn es um Experimente geht, ist es insbesondere für ein Dickschiff wie eine Bank (oder gar Bankengruppe) so klug wie en vogue, diese aus dem laufenden Geschäft zumindest teilweise auszukoppeln. Die Deutsche Bank etwa hat inzwischen fünf Innovationslabore weltweit für externalisierte Experimente und Zusammenarbeit mit jungen Unternehmen.

Vergangenen Sommer hat das Wirtschaftsmagazin „Capital“ zum zweiten Mal die besten Digitallabore deutscher Konzerne in einer Studie untersucht (IT-Finanzmagazin berichtete).

Gleich zwei der Forschungsstätten in den Top 10 sind Hamburger FinTech-Innovationslabore und Teil der ersten FinTech Innospace Safari, die im Juni stattfindet.“

Autorin Carolin Neumann, Fintech Week
Romy Gessner

Carolin Neumann ist Gründerin und Geschäftsführerin von finletter und Fintech Week. Mit den pu­bli­zis­ti­schen An­ge­bo­ten von fin­let­ter hält sie Le­ser oder Leserin­nen über News und Trends in der FinTtech-Bran­che auf dem Lau­fen­den. Aus der Fin­tech Week, Deutsch­lands grö­ß­ter und di­ver­ses­ter Fin­Tech-Ver­an­stal­tung, sind in­zwi­schen wei­te­re For­ma­te wie die Fach­kon­fe­renz Fin­For­ward oder die Fin­Tech In­nos­pace Sa­fa­ri ge­wach­sen. Sie fin­den Ca­ro­lin Neu­mann auch auf Twitter (Carolinn).

Organisiert vom Team der Fintech Week und unterstützt von Medienpartnern wie dem IT Finanzmagazin geht es einen Tag lang auf eine Bustour durch die Hansestadt, um hinter die Türen dieser FinTech-Innovationslabore zu blicken:

comdirect Start-up Garage

Im „Capital“-Ranking auf Platz sechs ist die comdirect Start-up Garage, eine Art Accelerator der comdirect Bank. Sie hat sich darauf spezialisiert, potenzielle Gründer im Bereich FinTech und deren Projektideen im Anfangsstadium zu unterstützen. Für mindestens drei Monate werden erfolgreiche Bewerber und Bewerberinnen intensiv bei ihrem Gründungsprozess begleitet, samt Workshops, Coaching und Mentoring durch das Team der Start-up Garage, die comdirect bank AG, durch Führungskräfte sowie externe Partner. Das Besondere: Als „Entrepreneure in Residence“ erhalten die Gründer und Gründerinnen währenddessen ein Fixgehalt, in manchen Fällen zusätzlich eine erfolgsabhängige Beteiligung. Das wohl bekannteste Startup, das mal in der Garage saß, ist fino digital, vormals vorrangig Kontowechselanbieter, heute spezialisiert auf APIs für die Finanzbranche.

TABULARAZA by zebKathrine Uldbæk Nielsen/Fintech Week

TABULARAZA by zeb

WorkshotKathrine Uldbæk Nielsen/Fintech Week

Das Innovationslabor des Beratungsunternehmens zeb ist natürlich keine Bank, aber hat Banken und Finanzdienstleister unter seinen Kunden. Mit dem Innovationslabor TABULARAZA hat sich zeb darauf spezialisiert, diese Kunden aus dem Finanzsektor bei ihrem digitalen Transformationsprozess zu begleiten. Wer schon einmal eine solche Transformation im Unternehmen miterlebt hat, weiß, wie wichtig professionelle Unterstützung sein kann. TABULARAZA rühmt sich, von der Planung über das Erlernen neuer Skills bis zur endgültigen Umsetzung alle Schritte zu begleiten. TABULARAZA bietet hierfür ein großes Spektrum an Workshops, die Inspiration und Fähigkeiten für innovatives, zukunftsgewandtes Arbeiten vermitteln.

Sparkassen Innovation Hub

Leiter des S-Hubs, Jens Rieken, im HubSparkassen Innovation Hub

Der Sparkassen Innovation Hub – kurz auch: S-Hub – war gerade anderthalb Jahre am Start, als er im eingangs genannten „Capital“-Test den dritten Platz belegte. Er überzeugte unter anderem durch sein Management und bei der Themenauswahl. Gegründet als gemeinsame Initiative von DSGV, der Finanz Informatik, dem DSV und der Star Finanz, entwickelt der S-Hub in Kooperation mit externen Partnern innovative Produkte und Services für die Sparkassen-Finanzgruppe. Dabei liegt der Fokus auf den Themenfeldern Konsumenten, digitales Banking und technische Innovationen. Vor allem Millennials als Zielgruppe sind ein Fokus der Produkte des Hub. Der Sparkassen Innovation Hub hat beispielsweise eine eigene Multi-Banking API namens AHOI entwickelt, richtet den jährlichen Symbioticon Hackathon aus und gibt zusammen mit finletter das App-Magazin GOLDILOCKS heraus.

Hanseatic Solutions Lab

Die Hamburg Hanseatic Bank unternimmt so einiges, um sich als großes Unternehmen möglichst agil aufzustellen. Eine der Maßnahmen: das Solutions Lab, ein unternehmensinternes Innovationslabor, in dem kleine Teams mit Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen über einen Zeitraum von vier Wochen an einer Idee arbeiten.

Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf der Innovationsidee alleine, sondern auch auf dem Kennenlernen neuer, agiler Arbeitsformen.“

Aufgezogen wird das Ganze wie ein Ideen-Wettbewerb, bei dem eine Jury aus Management, Geschäftsführung und Betriebsrat die besten Ideen aussucht. Das Solutions Lab sitzt außerhalb der Bank und wird von externen Coaches begleitet mit dem Ziel, die Ursprungsidee zu einem Prototypen weiterzuentwickeln.

Haspa Next

Einblick in das Büro bei Haspa NextFintech Week

Als eigenständiges Corporate Startup der Hamburger Sparkasse (kurz: Haspa) arbeitet Haspa Next an innovativen Produkten – und zwar explizit außerhalb des Bankgeschäftes. Dahinter steht für die Haspa die Frage, wie ein Finanzinstitut, das so sehr davon lebt, zur Nachbarschaft zu gehören, auch in Zeiten von Filialschließungen etc. weiterbestehen kann. Derzeit hat Haspa Next vor allem zwei große regionale Projekte: die App Aino, früher bekannt als „Heute in Hamburg“, die sich an ein junges Zielpublikum richtet und tagesaktuelle, redaktionell aufbereitete Tipps rund um Veranstaltungen, Shopping, Gastronomie, aber auch berufliches Vorankommen gibt. Das zweite digitale Produkt ist die Nachbarschafts-App Kiekmo, die unter anderem Filialen mit Schließfächern ausstattet und App-Nutzer dazu motiviert, hierüber nachbarschaftlich Gegenstände zu teilen und tauschen. Das mag mit Banking nichts zu tun haben, wird aber für die Haspa als vertrauensbildende Maßnahme betrachtet.

finhaven

Der finhaven ist ein dieses Jahr neu eröffneter Co-Working Space in der Hamburger Hafen-City, der sich ganz auf das Thema FinTech und digitale Innovation spezialisiert hat. Er ist entstanden als Projekt zwischen Stakeholdern der FinTech-Community und dem betahaus Hamburg als etabliertem Player. Hier haben genauso Innovationslabore und -abteilungen großer Banken ihren Sitz wie junge Marktplayer wie finletter oder das noch im Stealth-Modus agierende FinTech-Startup Receeve. Darüber hinaus will der finhaven mit einer Mischung aus Co-Working-Fläche und Event-Flächen ein Begegnungsort an der Schnittstelle zwischen Finanzbranche und digitaler Innovation sein.

Mit der comdirect Start-up Garage und dem Solutions Lab der Hanseatic Bank gehörten gleich zwei der Hamburger FinTech-Innovationsschmieden zu den ersten Mietern im Januar.“

Wer mehr über diese Innovationslabore erfahren, kritische Fragen stellen und spannende Kontakte knüpfen möchte, kommt mit auf die FinTech Innospace Safari am 12. Juni. Tickets sind erhältlich unter fintechinnospacesafari.eventbrite.com.Carolin Neumann, Fintech Week

 
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