ANWENDUNG10. Januar 2022

Paypal arbeitet an eigener Kryptowährung: Was bringt der Stablecoin und wann kommt er?

Inna_Dodor / Bigstock

Meldungen deuteten bereits seit längerer Zeit darauf hin, dass der Zahlungsdienstleister Paypal an einer eigenen Kryptowährung arbeitet. Jetzt haben entsprechende Hinweise innerhalb der App gezeigt, dass Paypal offenbar tatsächlich die Einführung einer eigenen Kryptowährung auf Stablecoin-Basis prüft. Für die Bankenwelt und die Europäische Zentralbank könnte ein Stablecoin von Paypal die Einführung einer zentralbankgetriebenen Kryptowährung (CBDC) erschweren. 

Laut einer Meldung, die unter anderem die US-Nachrichtenagentur Bloomberg verbreitet, prüft Paypal im Rahmen der bereits bekannten Kryptowährungsoffensive, ob man eine eigene Kryptowährung auf Stablecoin-Basis einführen will, also die durch den Wert einer bestehenden Währung oder eines Rohstoffs gestützt und bepreist wird. Entsprechende Hinweise wurden jetzt innerhalb der iPhone-App entdeckt. Gleichzeitig betont das Unternehmen, man wolle dabei mit staatlichen Behörden im Vorfeld kooperieren.

Falls und wenn wir mit der Entwicklung eines Stablecoins vorankommen wollen, werden wir natürlich eng mit den zuständigen Regulierungsbehörden zusammenarbeiten.“

 Jose Fernandez da Ponte, Senior Vice President Krypto-Themen bei PayPal

Dieses Logo brachte den Programmierer auf die Fährte. Paypal

Laut dem Entwickler Steve Moser sollen sich innerhalb der Paypal-App versteckter Code und einige Bilder finden, die die Arbeit an einem sogenannten „Paypal Coin“ genannten Konstrukt beweisen. Dieser könnte, das legen Hinweise innerhalb des Codes nahe, durch den US-Dollar gedeckt sein. Paypal hält sich hier erwartungsgemäß eher bedeckt. Laut Unternehmensangaben stammen die Bilder und der Code aus einem internen Hackathon, also einem Programmierwettbewerb unter Developern. Doch es könnte sich daher auch um ein fiktives Szenario handeln, das nie zu einem tatsächlichen Produkt führt. Dass Paypal hier komplett ins Blaue programmieren lässt, ist also nicht unmöglich, dennoch eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass sich zwar das Logo und der Name sowie die tatsächliche Produktform und die Features ändern können, dass aber dennoch ein solches Produkt in Arbeit ist.

Was bedeutet ein Paypal-Coin für Diem und den digitalen Euro?

Paypal

Andererseits würde eine eigene Kryptowährung für Paypal als einer der größten Zahlungsanbieter mit digitaler DNA durchaus Sinn machen, denn das Unternehmen hat in den letzten Monaten reichlich Aufwand im Bereich von Diensten zum Handel und zur Aufbewahrung von Kryptowährungen unternommen. Gleichzeitig würde eine Paypal-eigene Kryptowährung aber nicht nur die Zentralbanken (Stichwort CBDC), sondern auch das Libra- oder Diem-Projekt in Zugzwang bringen. Und es würde dieses erschweren – denn ob Diem überhaupt Realität wird, ist unklar. Paypal selbst zählte zwar zu den ersten Unterstützern des Konsortiums unter der Führung von Mark Zuckerberg, stieg aber auch bereits im Oktober 2019 als einer der ersten Player wieder aus. Durch die Kritik von Regierungen und Regulierern an Facebooks Digitalwährung war Paypal das Ganze offenbar zu heiß geworden. In wieweit man damals schon daran glaubte, alleine mit der eigenen Marktmacht schneller zum Ziel zu kommen, ist unklar.

Weitere Aussagen von Paypal-Verantwortlichen könnten nahelegen, dass bei der Entwicklung des Paypal-Coins darauf geachtet wird, dass dieser vor allem für schnelles und einfaches Bezahlen optimiert ist und hier die entsprechende Sicherheit bieten kann. Ein Paypal-Coin müsste „Klarheit über die Regulierung, den regulatorischen Rahmen und die Art der Lizenzen bieten, die in diesem Bereich benötigt werden”, sagte Jose Fernandez da Ponte.

Paypal könnte auf 29 Mio. Kundenkonten in Deutschland zählen

Paypal

Interessanter wäre allerdings die Frage, wie lange Paypal in der europäischen Union und speziell in Deutschland darauf warten will, Services rund um die Aufbewahrung und Bezahlung mit Kryptowährungen anzubieten. In Großbritannien ist das Unternehmen ja beispielsweise bereits seit vergangenem Herbst mit Krypto-Dienstleistungen am Start. Klar ist, dass mit seinen rund 29,1 Millionen Kundenkonten in Deutschland eine starke Macht darstellt. Zusammen mit den insgesamt 416 Millionen aktive Accounts weltweit wäre Paypal in der Tat einer der wenigen Player, die eine solche globale Kryptowährung auf Stablecoin-Basis auf die Beine stellen könnten. Die Tatsache, dass der Stablecoin wohl (ausschließlich?) auf den US-Dollar lautet, könnte diesen bestärken und andere Währungen, etwa den Euro, schwächen.

Eine Hypothek wäre die Entscheidung für die Einführung einer solchen Währung aber auch für die Zentralbanken, die einerseits über eigene CBDC-Lösungen nachdenken und wohl nicht vor 2025 mit einem E-Euro um die Ecke kommen werden, als auf für die Banken, die sich noch nicht einmal darüber einigen können, ob sie eine Europäische Payment Initiative (EPI) überhaupt einführen wollen würden, wenn die Finanzierung geklärt wäre. Sieht also so aus, als würden eher die US-Digitalkonzerne mal wieder das Rennen machen, bevor die Banken in Deutschland und im Euro-Währungsraum überhaupt etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen versuchen. tw

 
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